Bayern 2 - Land und Leute


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Freiherr von Hofenfels Porträt eines "voyageur politique"

Eine vertrackte Geschichte: Für die Österreicher war es ein "Zwetschgenrummel", für die Preußen ein "Kartoffelkrieg". Und auch Frankreich und Russland mischten mit, Ende des 18. Jahrhunderts, im Streit um die Selbständigkeit Bayerns in Wittelsbacher Händen. Freiherr Johann Christian von Hofenfels vermittelte.

Von: Ulrich Zwack

Stand: 19.06.2014 | Archiv

Freiherr von Hofenfels | Bild: Urheber: Anton Graff (1736-1813)

Freiherr Johann Christian von Hofenfels wurde 1744 im Pfälzer Städtchen Kusel geboren. Heute ist er so gut wie vergessen. Dabei hat er 1779 die Eigenstaatlichkeit Bayerns gerettet. Zwei Jahre zuvor war mit dem Tod von Kurfürst Maximilian III. Joseph, dem "Vielgeliebten", die altbairische Linie der Wittelsbacher erloschen. Da schien den stets begehrlich über den Gartenzaun schielenden Österreichern wieder einmal der rechte Zeitpunkt für eine Übernahme Bayerns gekommen. Zumal sich Maximilians Nachfolger, Kurfürst Karl Theodor von der Pfalz, äußerst geneigt zeigte, seine weiß-blaue Erbimmobilie gegen die Österreichischen Niederlande, also das heutige Belgien, einzutauschen. Darum ließen die Habsburger schon einmal ihre Soldateska in Bayern einmarschieren.

Bitte um Beistand an Friedrich den Großen von Preußen

Friedrich II. von Preußen

Aber die Habsburger hatten die Rechnung ohne den Freiherrn von Hofenfels gemacht. Der war seines Zeichens Minister und treuer Diener von Herzog Karl II. August von Pfalz-Zweibrücken. Als gewiefter Jurist wusste er, dass auf seinen bis dato recht unbedeutenden Herrn im Falle des Verbleibs Bayerns in wittelsbachischem Besitz eine bedeutende Rangerhöhung wartete. Denn nach dem Ableben des kinderlosen Karl Theodor würde Karl August gemäß den Wittelsbacher Hausverträgen zum Kurfürsten von Bayern aufsteigen. Also hintertrieb von Hofenfels den österreichisch-niederländisch-bayerischen Kuhhandel wirkungsvoll, indem er sich an Friedrich den Großen von Preußen mit der Bitte um Beistand wandte. Die Folge war der sogenannte Bayerische Erbfolgekrieg - der wegen seiner Harmlosigkeit in den Geschichtsbüchern gerne auch als "Kartoffelkrieg" oder "Zwetschgenrummel" bezeichnet wird. Gleichwohl war das Ergebnis des unbedeutenden Waffenganges ziemlich bedeutend: Es hieß "Frieden von Teschen", wurde maßgeblich von Johann Christian von Hofenfels ausgehandelt und besagte, dass Bayern in wittelsbachischer Hand und somit selbständig blieb. Einziger Wermutstropfen: Das Innviertel musste an Österreich abgetreten werden.

Der Dauerstress schlug J. C. von Hofenfels auf den Magen

Maximilian IV. Joseph König von Bayern (1806-1825) | Bild: picture-alliance/dpa

Maximilian IV. Joseph König von Bayern (1806-1825)

Johann Christian von Hofenfels erlebte den späten Triumph seines jahrelangen Engagements für das Haus Wittelsbach und Bayerns Eigenständigkeit leider nicht mehr. Denn er gehörte zu jenen bedauernswerten Naturen, denen sich Dauerstress und permanente persönliche Zurücksetzung buchstäblich auf den Magen schlagen. Seit den Tagen der Teschener Friedensverhandlungen litt er immer wieder monatelang unter Bauchschmerzen, Verdauungsbeschwerden und rätselhaften Fieberschüben. Und am 24. Juli 1787 starb er, noch nicht einmal 43 Jahre alt.

Aber auch der Hundskarl durfte die Früchte der diplomatischen Bemühungen des von ihm vielleicht förmlich zu Tode gemobbten Freiherrn von Hofenfels nicht ernten. Er starb acht Jahre nach dem voyageur politique und vier Jahre vor dem verhassten Onkel Karl Theodor. Den pfalzbayerischen Thron aber bestieg sein kleiner Bruder Maximilian Joseph - den er natürlich auch nicht leiden konnte. Hätte er gewusst, dass der an seiner Statt nicht nur Kurfürst Maximilian IV. Joseph sondern sogar König Max I. von Bayern werden würde, hätte es ihn vor Wut und Eifersucht sicher schier zerrissen.

Auf den ersten Blick hat Johann Christian von Hofenfels den Erhalt der bayerischen Eigenstaatlichkeit in Teschen recht teuer erkauft - nämlich mit dem Verlust des Innviertels an Österreich. Im weiteren Verlauf der Geschichte hat sich dieser Verlust jedoch als wahrer Glücksfall erwiesen. Denn hätten die gierigen Habsburger damals das Innviertel nicht von Bayern abgezwackt, wäre der gebürtige Braunauer Adolf Hitler ein waschechter Bayer geworden. So aber haben die Ösis den Schwarzen - bzw. in diesem speziellen Fall wohl eher - den Braunen Peter gezogen. Und dafür gebührt dem Freiherrn von Hofenfels bayerischerseits fraglos ewiger Dank.


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