Bayern 2 - Land und Leute


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Zölibat? Nein danke! Der Ex-Priester Anton Aschenbrenner

Bis zum 6. Januar 2003 war Anton Aschenbrenner katholischer Priester in Hintereben, einer Pfarrei im Bayerischen Wald. Am Ende des Abendgottesdienstes gab der Pfarrer seine Entlassung bekannt: Er durfte nicht mehr Priester sein, weil er zu dem Kind stand, das seine Freundin erwartete. Inzwischen hat sich Anton Aschenbrenner als freier Theologe eine neue Existenz aufgebaut - mit Familie, mit seiner Frau Birgit und den zwei Töchtern Dorothea und Isabella.

Von: Heidi Wolf

Stand: 22.03.2015 | Archiv

Der Pressesprecher der Diözese Passau bedauerte im Namen des Bischofs das Ausscheiden des beliebten und engagierten Pfarrers, sprach von einem großen Verlust für die Kirche, aber das Kirchenrecht lasse keine andere Wahl. Anton Aschenbrenner habe gegen den Grundsatz verstoßen, ehelos und keusch zu leben ... Viele Menschen aus der Pfarrgemeinde weinten, als sich ihr Pfarrer von ihnen verabschiedete. Sie haderten mit der starren Haltung der Kirche.

"Keine Ehe, keine Kinder, kein Sex. Seit 900 Jahren verpflichten sich katholische Priester bei ihrer Weihe zu der Lebensform des Zölibats. Anton Aschenbrenner hatte das 1988 auch getan. 15 Jahre später stand für ihn fest: ehelos und keusch - nein danke!  Aschenbrenner hatte sich endgültig für Frau und Kind entschieden. Das Ordinariat in Passau entließ den Priester. Es gab keine Wahl - es gab auch keine Nächstenliebe. Die katholische Kirche machte Anton Aschenbrenner den beruflichen Neustart schwer. Ihr Arm reichte weit. Kaum hatte er als evangelischer Religionslehrer Fuß gefasst, musste er wieder gehen. - Es gebe eine Abmachung zwischen den beiden großen Kirchen, wonach ein Konvertit nicht in derselben Region arbeiten könne wie vorher, erfuhr er. Versuche, sich als Bildungsreferent zu etablieren, wurden unterlaufen."

(Heidi Wolf)

Das neue Leben des beliebten Seelsorgers

Anton Aschenbrenner mit seiner Frau Birgit und den zwei Töchtern Dorothea und Isabella | Bild: Anton Aschenbrenner

Anton Aschenbrenner mit seiner Frau Birgit und den zwei Töchtern Dorothea und Isabella

Für Anton Aschenbrenner begann mit dem 6. Januar 2003 ein neues Leben. Er heiratete seine langjährige Partnerin Birgit Süßke, hat mit ihr die zwei Töchter Dorothea und Isabella, und arbeitet als freier Theologe. Er ist Dienstleister für Menschen, die aus der Kirche ausgetreten sind oder noch nie einen Bezug zur Kirche hatten wie zum Beispiel  Menschen aus der ehemaligen DDR. Es kommen aber auch vermehrt Noch-Katholiken, Geschiedene vor allem, oder Brautpaare, die an besonderen Orten heiraten wollen und sich eine individuelle Gestaltung der Feier wünschen.

"Ich habe mich nie irgendwie schuldbewusst gefühlt. Es war für mich eine sehr spannungsgeladene Zeit auch, weil ich auch nicht wusste, wie der Anton die ganze Situation verträgt. Aber im Endeffekt ist es wirklich das Beste geworden, was man sich eigentlich vorstellen kann. Wir haben uns gelöst von allen Spannungen. Aber es war eine sehr, sehr schwierige Zeit."

(Birgit Süßke)

"Lebe hier und jetzt!"

Anton Aschenbrenner segnet ein Brautpaar

Anton Aschenbrenner segnet Brautpaare und Kinder, die nicht offiziell getauft werden, begleitet todkranke Menschen auf ihrem letzten Lebensweg, hält Trauerfeiern auf Naturfriedhöfen und in Krematorien, wo die offiziellen Kirchen-Vertreter nicht hingehen. Er spricht vor Managern über Unternehmens- und Führungskultur, hält Vorträge zu Themen wie „Mut fassen - Entscheidungen treffen“, schreibt Bücher, geht mit Menschen, die einen neuen Sinn in ihrem Leben suchen, auf Pilgerschaft: Ballast abwerfen, die Perspektive wechseln. Anton Aschenbrenner, Theologe und Philosoph, hat sein ganz persönliches Motto gefunden: "Lebe hier und jetzt!"


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