Bayern 2 - Land und Leute


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7) Erwin Eisch "Bayerische Charakterköpfe"

Wer kennt sie nicht, die wunderbaren gläsernen Christbaumkugeln aus der Werkstatt von Erwin Eisch? Doch Erwin Eisch ist nicht nur ein phantasievoller Glasmacher, er ist ein international renommierter Glaskünstler. - Joseph Berlinger hat ihn in seinem Atelier im Bayerischen Wald besucht.

Von: Joseph Berlinger

Stand: 04.09.2016 | Archiv

Erwin Eisch bei der Arbeit in seinem Atelier in Frauenau (Niederbayern). Eisch gilt als Vater der modernen deutschen Glaskunst. | Bild: picture-alliance/dpa / Armin Weigel

"Erwin Eisch ist ins Glas hineingeboren."

(Thomas Buechner, Freund von Erwin Eisch)

"Richtig ist, dass ich im Bett meiner Mutter geboren bin. Und sie war die Tochter des Holzarbeiters Georg Hirtreiter aus Frauenau."

(Erwin Eisch)

"Der Himmel fängt am Boden an"

Es ist eine Weile her. Da unterhielt sich  Erwin Eisch, der Meister der Glaskunst aus Frauenau im Bayerischen Wald, mit einer seiner Kursteilnehmerinnen über Gott und die Welt. Und da erzählte ihm die Dame aus Basel von ihrem Enkel Niklas, der folgenden Satz gesagt habe: "Der Himmel fängt am Boden an." Nicht, dass die Frau von diesem Satz nicht ebenfalls beeindruckt gewesen wäre. Aber eine ungleich größere Wirkung erzielte er beim Kursleiter Erwin Eisch. Der Satz habe ihn regelrecht umgehauen, erzählt der Künstler.

Künstler-Revoluzzer im spießigen Adenauerstaat

Wer die Lebensgeschichte des Erwin Eisch ein wenig kennt, wer weiß, dass er ein kerniger, bodenständiger Waldler ist, dass er aus einem alten Glasmachergeschlecht stammt, dass er ein mutiger und provokanter Künstler-Revoluzzer im spießigen Adenauerstaat war, dass er seinen Weg als freier Künstler gegen alle Widerstände gegangen ist - wer all das weiß, kann ermessen, wie wuchtig dieser kleine Satz des kleinen Niklas auf Erwin Eisch gewirkt haben muss - wenn es ihn umgehauen hat.

Zuviel Abgehobenheit führt nur in die Irre

"Der Himmel fängt am Boden an." Der Satz steht in seinem Atelier, an die Wand geschrieben. Und hat die Arbeit des Erwin Eisch die letzten Jahre geprägt. Geahnt, aber ohne es auf den Punkt zu bringen, hat er es eigentlich auch schon die Jahrzehnte davor. Dass zuviel Abgehobenheit in die Irre führt. Dass eine Bodenhaftung wichtig ist. Dass man ein Fundament braucht. Dass man nur stark ist, wenn man eine Erdung hat. Und dann, nach dieser Erdung, mit dieser Erdung, kann man anfangen zu laufen, zu springen, ja sogar zu fliegen.

Joseph Berlinger hat Erwin Eisch im Atelier und in der Internationalen Sommerakademie in Frauenau besucht.


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