Bayern 2 - Land und Leute


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Egon Larsen im Londoner Exil München - "sweetheart of Europe"

Der gebürtige Münchner Egon Larsen war ein wacher, kritischer Journalist, der 1935 Schreibverbot erhielt und notgedrungen das Land verließ. Als engagierter Gegner der Nazis arbeitete er für den sogenannten "deutschen Dienst" der BBC. Nach dem Krieg wurde er London-Korrespondent des Bayerischen Rundfunks. Obwohl er nicht nach München zurückkehrte, blieb er seiner Heimatstadt bis zuletzt treu verbunden. Hiltrud Häntzschel hat in Larsens umfangreichem Nachlass eine Fülle erzählenswerter Geschichten gefunden.

Von: Hiltrud Häntzschel

Stand: 20.10.2013 | Archiv

Egon Larsen | Bild: BR/Historisches Archiv

"Return to Munich" ist der Titel eines 1955 entstandenen englischen Features von Egon Larsen: ein Porträt der Stadt verglichen mit dem Bild der Stadt, das er sich bewahrt hat, seit er sie vor 20 Jahren verlassen musste. Nach München zurückgekehrt ist er nicht, aber er blieb ihm anhänglich. Hier wurde er als Egon Lehrburger 1904 geboren, brach die Schule ab, ging nach Berlin, lernte by living oder autodidaktisch und wurde zum wachen, cleveren Journalisten, bis das Schreibverbot ihn 1935 aus Deutschland vertrieb, über Frankreich nach Prag.

"'Hauptstadt der Bewegung' stempeln die Frankiermaschinen auf alle Briefe, die in München in den Kasten geworfen werden; als Schauplatz des Diktats vom September 1938 ist diese Stadt in die Geschichte eingegangen; die Zeitungen berichten von Audienzen im 'Führerbau' am 'Königlichen Platz'. Die Trommeln und Posaunen unserer turbulenten Epoche haben längst die leise Melodie übertönt, die einst für viele gute Europäer in dem Wort 'München' lag; nicht nur vor dem Weltkrieg, sondern auch in den anderthalb Jahrzehnten, die ihm folgten."

(Egon Larsen)

Mit Charme, Witz und Satire gegen Lügen und Nazi-Propaganda

Haus der BBC in London

In London, seiner letzten Exil- und Lebensstation, schrieb er zunächst Sketche, Lieder, Revuen für den Freien Deutschen Kultur-Bund, eine Organisation emigrierter Künstler, die mit Charme, Witz und Satire den unpolitischen Emigranten und den Engländern die Machenschaften in Deutschland, die Lügen und die Nazi-Propaganda vorführten. Schließlich fand er zur BBC, deren "deutscher Dienst" sein berühmtes, kritisch-aufklärerisches Programm nach Deutschland sandte: "Der Funk", schreibt Larsen, "sollte zu einer der entscheidenden Waffengattungen werden, ihre Munition war ... die Wahrheit." "Politik im Hofbräuhaus", "Ein Gasthaus an der Isar", "Im Braunen Haus wird ausgekehrt", "Blockleiter Braunmüller" heißen seine Serien, die in deftigem Stammtischbayrisch den ahnungslos Gutgläubigen, den dummen Parteigenossen, den üblen Denunzianten ein Licht aufstecken. - Nach dem Krieg wird Larsen London-Korrespondent für den Bayerischen Rundfunk und die Süddeutsche Zeitung und schreibt Bücher über Bücher.

"Der preußische Militarismus, verkörpert im Hitlerregime, muss verdammt werden. Süddeutschland muss endlich aufwachen bevor es zu spät ist. Ein neuer Slogan, wie 'Süddeutschland erwache!' könnte sich als erfolgreich erweisen."

(Egon Larsen)

"Im Braunen Haus wird ausgekehrt"

Diese nach Bayern, genauer nach München gerichtete Propaganda, praktiziert Egon Larsen ab 1941. In seinem Nachlass sind zahlreiche Texte erhalten, kurze Sketche auf Bayrisch, mindestens vier Serien mit dem jeweils gleichen Personal, allerdings leider keine originalen Tonaufnahmen : In den nur 1 bis 2 minütigen Nummern "Im Braunen Haus wird ausgekehrt" putzen Frau Stanglmaier und Frau Käsbohrer, beaufsichtigt vom "Herrn SS", einem Obernazi und selbstverständlich einem Norddeutschen, den sie auf ihre naiv-schlaue Art über die Widersprüche von Propaganda und Wirklichkeit aufklären.

"Und wenn der alte Peter ...."

Der "alte Peter" - Pfarrkirche St. Peter in München

Hiltrud Häntzschel ist in Larsens umfangreichem Nachlass im Bayerischen Rundfunk auf eine Fülle von München-Geschichten gestoßen. Seine Liebe blieb München, dem "sweetheart of Europe",  treu – auch wenn sie nicht immer den Münchnern galt, denen er in unfreundlichen Zeiten einige Wahrheiten zu sagen hatte. Immer wieder eröffnet seine Sketche die Erkennungsmelodie "Und wenn der alte Peter ....".


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