Bayern 2 - Land und Leute


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Orte jenseits der Zeit Die Seelenräume des Hannsjörg Voth

Der Künstler Hannsjörg Voth ist ein Schein-Sesshafter. Er pendelt zwischen der marokkanischen Wüste, wo er viele Jahre arbeitete und lebte, und seiner Gartenarche, die er sich in Niederbayern geschaffen hat, hin und her ...

Von: Barbara Knopf

Stand: 24.05.2015 | Archiv

Hannsjörg Voth | Bild: Ingrid Amslinger

"In der Wüste gibt’s eine Unendlichkeit, wo du einfach keine Ablenkung hast. Ich arbeite da schon aber die Zeit ist ausgeschaltet. Das ist eigentlich das Schöne, da wird man sehr, sehr alt, weil die Zeit nicht mehr existiert."

(Hannsjörg Voth)

'Himmelstreppe' und 'Goldene Spirale"

Hannsjörg Voth hat in der Wüste gewaltige archetypische Objekte geschaffen: Aus Lehm und Stein erbaute er eine Himmelstreppe, deren 52 Stufen hinauf ins Nirgendwo führen, und die Goldene Spirale, in der man hinabsteigen kann in die Tiefe eines Brunnens. Die Bauwerke können in Marokko besucht werden. Sie vermitteln sich in ihrer Aura der Zeitlosigkeit und Unantastbarkeit, aber auch auf den Schwarzweißfotografien von Voths Frau Ingrid Amslinger.

Ein Garten jenseits von Eden

Entwurf zur "Goldenen Spirale"

25 Jahre hat Hannsjörg Voth die Winter in der marokkanischen Wüste verbracht – im Inneren seiner Bauten, in denen er Räume zum Leben und Arbeiten einrichtete. Bis ihn vor einigen Jahren ein aggressiver Offroad-Tourismus aus der stillen Einkehr seiner Traumzeit riss. Voth ist ganz zurückgekehrt, nicht nur nach München, von wo aus er seine selbst finanzierten Projekte vorangetrieben hatte, sondern auch nach Niederbayern, wo er dabei ist, einen Garten anzulegen – jenseits von Eden. Garten und Wüste sind dabei kein Gegensatzpaar. Ob in der Beschaulichkeit der bayerischen Landschaft oder auf der Hochebene des Atlas: Im wuchernden Grün wie in der kargen Weite der Wüste sucht Hannsjörg Voth Räume, in denen Zeit nicht portioniert wird, sondern sich wie in der Kindheit als Unendlichkeit erleben lässt. - Barbara Knopf hat den Künstler in seiner niederbayerischen Gartenarche besucht.

Kein Marokkaner, kein Bayer - Emigrant

Hannsjörg Voth vor seiner "Himmelstreppe"

Mag sein, daß das Paradies ein Garten Eden ist. Wenn man das Paradies auf Erden aber vielleicht gar nicht finden will? Hannsjörg Voth jedenfalls ist noch unterwegs. Er ist und bleibt ein Schein-Sesshafter.

"Ich kann kein Marokkaner werden, ich kann kein Bayer werden, ich will kein Niedersachse bleiben, ich muß Widerstand spüren, wie ein Emigrant, der guckt, für mich ist Bayern ein fremdes Land" (Hannsjörg Voth)


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