Bayern 2 - Land und Leute


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Die Sammlung Kriss Der Professor und seine Heiligen

Seit seiner Jugend hat Rudolf Kriss Hinterglasbilder, Amulette, Wachsmotive und Heiligenfiguren gesammelt - um die 25 000 Objekte, die der Volkskundler dem bayerischen Staat vermacht hat. Carola Zinner porträtiert den "Professor", wie ihn die Berchtesgadener respektvoll nannten, und erzählt die Geschichte seiner Sammlung.

Von: Carola Zinner

Stand: 03.10.2015 | Archiv

Rudolf Kriss mit Wachsvotiven, Zypern 1962 | Bild: Hubert Kriss-Heinrich

Bereits in jungen Jahren begann der Berchtesgadener Rudolf Kriss Zeugnisse religiöser Volkskunst zu sammeln. Mehr als 25 000 Objekte umfasst heute die Sammlung Kriss, die der Volkskundler bereits 1952 dem Bayerischen Staat vermacht hat.

"Heute befindet sich der größte Teil der Sammlung Kriss im Depot des Bayerischen Nationalmuseums, wo den schönsten und interessantesten Stücken, wie von Kriss verfügt, eine Ausstellung gewidmet war. Sie musste 1994 weichen, als das Museum umgebaut wurde und wanderte zunächst ins Straubinger Herzogschloss, dann in reduzierter Form ins Kloster Asbach bei Rotthalmünster, wo sie nun auf ihre glückliche Heimkehr nach München wartet."

(C. Zinner)

Für seine Forschungen  ging "der Professor" häufig auf Reisen

Rudolf Kriss war Eigentümer des Berchtesgadener Hofbrauhauses

Kriss, geboren 1903, gestorben 1973, war Eigentümer des Berchtesgadener Hofbrauhauses und der dazugehörigen Gaststätten und somit finanziell unabhängig. Auf seinem Gut Koppenleiten führte er ein "offenes Haus", in dem junge Studenten ebenso gastfreundlich aufgenommen wurden wie Künstler der nahe gelegenen Salzburger Festspiele. Daneben ging "der Professor", wie ihn die Berchtesgadener respektvoll nannten, für seine Forschungen  häufig und lange auf Reisen. Ob in Bayern, Österreich, Griechenland oder Äthiopien - überall entdeckte er im scheinbar "ganz Normalen" des regionalen religiösen Brauchtums spektakuläre Stücke für seine Sammlung. In Reisetagebüchern erzählt er von der Herkunft und Geschichte der Objekte - und von seiner Aufregung, wenn er wieder mal einem besonderen Schatz auf der Spur war:

"Der Antiquar verlangte für die antiken Votivgaben einen derart niedrigen Preis, dass mir der freudige Schreck in die Gedärme fuhr. Ich zahlte so schnell als möglich und erreichte nur noch mit Mühe und Not unser Hotel."

(Rudolf Kriss)

Bei 50 Grad Hitze quer durch Äthiopien

1963 brachen Rudolf Kriss und sein Adoptivsohn Hubert zum ersten Mal nach Äthiopien auf, um dort christliche und islamische Bräuche zu studieren. Dafür wurde eigens ein Mercedes-Transporter angeschafft und ausgebaut - mit Dusche, Kochgelegenheit und diversen Fächern, wo sich die Schätze verstauen ließen. Auf dem Dach gab es eine kleine Plattform, auf der Hubert mit der Kamera stand, um die turbulenten Feste von oben zu filmen. Das Gefährt leistete auch bei der zweiten Äthiopienreise 1971 treue Dienste. Wolfgang Till war als dritter Mann an Bord - und staunte über den Elan des damals bereits fast 70-jährigen Rudolf Kriss.

"Da konnte es halt 50 Grad haben, wenn da etwas in Gang war, eine Feier, ein Fest, dann war er einfach nicht zu bremsen."

(Wolfgang Till, ehem. Leiter des Münchner Stadtmuseums)


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