Bayern 2 - Land und Leute


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"Emigrant in der Heimat" Leonhard Frank in München (1950 - 1961)

Remigranten unerwünscht. Als Leonhard Frank 1950 aus dem amerikanischen Exil zurückkam, hoffte er an seine früheren großen Erfolge als Schriftsteller anknüpfen zu können. Vergeblich. Er blieb ein "Emigrant in der Heimat". Seine Geschichte wirft - so Ulrike Voswinckel - auch ein Licht auf die Literaturpolitik der 50er Jahre.

Von: Ulrike Voswinckel

Stand: 16.10.2011 | Archiv

Leonhard Frank | Bild: Urheber unbekannt

Als Leonhard Frank aus Amerika, seinem zweiten Exil, 1950 zurückkam nach Deutschland, hatte er zumindest die Hoffnung gehabt, nach frustrierenden und kärglichen Jahren wieder an seine früheren großen Erfolge als Schriftsteller anknüpfen zu können. Doch schon bei der ersten Frage in einer Buchhandlung nach seinen Büchern, musste er feststellen, dass nicht nur seine Bücher nicht vorhanden waren, sondern dass auch der Buchhändler seinen Namen noch nie gehört hatte. „Im Land seiner Sprache waren Michaels Bücher verboten und verbrannt. (...) Über Michael hatte Hitler gesiegt.“ Michael ist Franks alter ego in dem Roman „Links wo das Herz ist“, dem ersten Roman, den er in Deutschland 1952 schrieb und der schon mit seinem Titel aneckte in einer Zeit, in der die restaurative Bundesrepublik mit Linken wieder nichts zu tun haben wollte und die DDR einen anderen Begriff von Links hatte als Leonhard Frank. So war seine lang ersehnte Heimkehr von großen Schwierigkeiten begleitet. Der erst langsam wieder beginnende Literaturbetrieb in Westdeutschland war einerseits von denen beherrscht, die ihre eigene „innere Emigration“ während der Nazizeit behaupteten (die Darmstädter Akademie für Sprache und Dichtung in ihren ersten Jahren), andererseits von den jungen Leuten, die gerade aus dem Krieg gekommen waren und ihre schrecklichen Erfahrungen schreibend und lesend austauschen wollten (die Gruppe 47). Beide Gruppierungen wollten nichts von Exil, Pazifismus, Naziverbrechen und dem Kampf dagegen hören – Emigranten waren per se suspekt.

Desinteresse im Westen - Angebote aus dem Osten

Johannes R. Becher

Nachdem Leonhard Frank sich in München niedergelassen hatte, nicht unfreundlich begrüßt vom Oberbürgermeister und dem Kulturbeauftragten Hans Ludwig Held, der noch ein Freund aus früheren Tagen war, stellte er das vollkommene Desinteresse an seinem Werk im Westen fest – und wurde gleichzeitig heftig umworben von Verlagen aus der DDR, wo inzwischen auch ein alter Freund aus Münchner Bohèmezeiten, Johannes R. Becher eine maßgebliche Rolle spielte. In der DDR wurden dann alle seine alten Romane und Stücke in sehr großen Auflagen gedruckt und verkauft; er wurde hofiert und herzlichst eingeladen, in den Osten umzuziehen - was er nicht tat, weil er inzwischen gesehen hatte, mit welchen Abhängigkeiten und totalitären Schikanen die DDR-Autoren zu kämpfen hatten. Also fühlte sich Leonhard Frank in seinen letzten Lebensjahren wieder als Emigrant, als „Emigrant in der Heimat“, und seine Geschichte wirft - so Ulrike Voswinckel - auch ein Licht auf die politischen Verhältnisse in der Literatur der 50er Jahre.


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