Bayern 2 - Land und Leute


14

Carola Neher Die letzten Lebensjahre einer Schauspielerin

Carola Nehers hübsches Gesicht und ihr graziler, durchtrainierter Körper faszinierten die Männer. Die Münchnerin präsentierte sich als unabhängige moderne Frau und ließ sich gerne zahlreiche Affären nachsagen – auch mit Bertolt Brecht.

Von: Lisbeth Exner

Stand: 26.02.2012 | Archiv

Carola Neher | Bild: picture-alliance/dpa

1900 in München geboren, hatte Carola Neher in Klabunds Theaterstück 'Der Kreidekreis', in Bertolt Brechts 'Dreigroschenoper' oder Ödön von Horváths 'Geschichten aus dem Wienerwald' große Erfolge gefeiert.

Die Männer

Temperamentvoll, vital, klug, hübsch und graziös hatte Carola Neher die Männer fasziniert und 1925 schließlich den Schriftsteller Klabund - bürgerlich Alfred Henschke - geheiratet. Nach seinem frühen Tod schloss sie 1932 mit dem aus Rumänien stammenden Ingenieur und Kommunisten Anatol Becker eine zweite Ehe. Mit ihm ging sie nach Moskau, wo im Dezember 1934 der Sohn Georg Becker zur Welt kam.

Zehn Jahre Haft

Ihre Schauspielkarriere konnte Carola Neher in der Sowjetunion freilich nicht fortsetzen. Wie unzählige andere Emigranten geriet sie in die Fänge des NKWD und wurde 1937 als "Botin" einer angeblichen trotzkistischen Zelle zu zehn Jahren Haft verurteilt. Anatol Becker wurde erschossen, der Sohn kam in ein Kinderheim. Carola Neher sperrte man in verschiedene russische Gefängnisse, der Kontakt zur ihrer Familie, ihrem kleinen Sohn oder zu Freunden war ihr untersagt. Sie starb nach fünf Jahren Haft 1942 in Sol-Ilezk nahe der kasachischen Grenze an Typhus.


14