Bayern 2 - Land und Leute


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Sympathie für die Roten "Buffalo Bill's Wild West Show" in München

Justina Schreiber schildert am Beispiel der "Buffalo Bill's Wild West Show", die erstmals am 19. April 1890 in München aufgeführt wurde, ein Spektakel, das wenig mit historischen Tatsachen und viel mit klingenden Münzen zu tun hatte.

Von: Justina Schreiber

Stand: 25.09.2016 | Archiv

Der Bisonjäger William Frederick Cody, auch Buffalo Bill genannt,  war der berühmteste Veranstalter der sogenannten "Wild West Shows". Die spektakulären Darbietungen seiner Truppe, die den Überlebenskampf der europäischen Siedler in den USA glorifizierten, wurden in Deutschland erstmals am 19. April 1890 aufgeführt - in München. Prinz Ludwig von Bayern und sein Hofstaat zählten zu den Ehrengästen.

"Ochsen-Willi" auf der Theresienwiese

Cowboys bei der "Buffalo Bill-Schau" auf der Theresienwiese in München.

Der "Ochsen-Willi", wie man ihn in München scherzhaft nannte, gastierte mit seiner Truppe vom 19. April bis zum 5. Mai 1890 auf der Theresienwiese, weil es in der bayerischen Hauptstadt, anders als in Berlin oder Hamburg, noch keinen Tierpark gab, wo man Völkerschauen gewöhnlich zeigte. Eine etwa 6.000 Zuschauer fassende Zirkusarena war eigens für die "amerikanische Gesellschaft" aufgebaut worden.

"Original Buffalo Bill’s Wild West" gab in München zwei Wochen lang täglich eine stets ausverkaufte dreistündige Nachmittagsvorstellung. Auch auf den Dächern der nahe gelegenen Häuser saßen Menschen, die das exotische Treiben nicht verpassen wollten. Das Programm folgte in ganz Europa demselben Schema. Die einheimische Presse übermittelte es so detailliert wie amüsiert:

"Abgesehen von kleinen Intermezzi, als da sind Pferderennen zwischen Cowboys, Mexikanern und Indianern, zwischen amerikanischen Hinterwäldler-Damen, zwischen sattellosen Indianerknaben usw., haben wir drei Hauptstücke: die brillanten Leistungen der Schützen, das unübertreffliche Reiten in jeglicher Gestalt der Cowboys und Vaqueros und drittens die interessanten Kämpfe mit den Indianern, die natürlich gegenüber dem Civilisationsmittel der Flinte stets den Kürzeren ziehen."

(Pressebericht)

Gastspiel auf dem Oktoberfest

Drei Jahre später gab die "Wild West Show" mit hundert Indianern, Bisons und 180 Pferden auch ein Gastspiel auf dem Münchner Oktoberfest. Das Zeltlager der Darsteller stand den Wiesn-Besuchern offen; man konnte Rothäute und Cowboys bei ihren angeblich alltäglichen Verrichtungen im Wilden Westen bestaunen. Atemberaubende Schießereien und wilde Reiterszenen gehörten zum Programm, mit dem Buffalo Bill (1846-1917) zum Mitbegründer des modernen Showbusiness wurde.

Der legendäre Sioux-Häuptling Sitting Bull diente Buffalo Bill als Statist

Sitting Bull, legendärer Stammeshäuptling und Medizinmann der Hunkpapa-Lakota-Sioux

William Cody war es gelungen, auch berühmte indianische Häuptlinge wie den einst gefürchteten Sitting Bull als Mitwirkende zu engagieren. 1885 nahm dieser in der Wild-West-Show von Buffalo Bill in den USA und in Kanada als Statist teil. Ihm war dabei wegen mangelnder Englischkenntnisse und Vorspiegelung falscher Tatsachen nicht bewusst, dass es sich lediglich um eine Show handelte. Vielmehr glaubte er, auf diesem Wege (er hielt Ansprachen in Lakota) über die Verbrechen der Weißen an den Indianern aufklären zu können, und erhoffte sich davon ein Umdenken. Die Teilnahme an Buffalo Bills Europatournee lehnte er 1887 ab.

"Buffalo Bill's Wild West Show" und die Indianer

Hauptmotiv der Shows war der Sieg der "Weißen" über die Indianer

Die Wild West Shows, die den Sieg der "Weißen" über die Ureinwohner als Motiv hatten, gab es lange vor dem Massaker am 29. Dezember 1890 in der Nähe von Wounded Knee/South Dakota. Damals drängte die amerikanische Armee die Sioux-Indianer in Reservaten zusammen. Die "Wilden" waren endgültig gezähmt.

Buchtipps:

Gezähmte Wilde: Die Zurschaustellung "exotischer" Menschen in Deutschland 1870-1940

  • Autorin: Anne Dreesbach
  • Broschiert: 371 Seiten
  • Verlag: Campus Verlag;
  • Auflage: 1 (20. Juni 2005)
  • ISBN-10: 3593377322
  • ISBN-13: 978-3593377322


Sitting Bull, sein Leben und Vermächtnis

  • Autor: Ernie LaPointe (Urenkel von Sitting Bull)
  • Taschenbuch: 176 Seiten
  • Verlag: TraumFänger Verlag GmbH & Co. Buchhandels KG;
  • Auflage: 3 (1. April 2013)
  • ISBN-10: 3941485202
  • ISBN-13: 978-3941485204

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