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Beuys im Lenbachhaus "Der teuerste Sperrmüll aller Zeiten"

Die Städtische Galerie im Münchner Lenbachhaus ist nicht nur weltberühmt wegen der Kunstwerke des Blauen Reiter, sie besitzt inzwischen auch eine der weltweit wichtigsten Sammlungen von Werken des Künstlers Joseph Beuys. Der Erwerb der Beuys-Installation "zeige deine Wunde" vor über 30 Jahren entfachte allerdings einen Sturm der Entrüstung. - Martin Zeyn erinnert an einen Münchner Skandal, als mutige Museumsleute begannen, Werke von lebenden Künstlern zu zeigen und anzukaufen. Die Beuys-Installation "zeige deine Wunde" galt 1979 als "der teuerste Sperrmüll aller Zeiten".

Von: Martin Zeyn

Stand: 18.01.2015 | Archiv

Joseph Beuys | Bild: picture-alliance/dpa

Eben noch hatte das New Yorker Guggenheim Museum Joseph Beuys mit einer Retrospektive geehrt, da gab es 1979 hierzulande große Aufregung um den deutschen Künstler. Armin Zweite, der Leiter der Städtischen Galerie im Münchner Lenbachhaus, wollte die Beuys-Installation "Zeige Deine Wunde" ankaufen, die schon 1976 in München gezeigt worden war. Ein Sturm der Entrüstung brach los. Hauptangriffspunkt war der Kaufpreis von 270 000 DM. Der Bayernkurier monierte, für "zwei Leichenbahren" (die zentralen Objekte der Installation) sei das zu viel, einige CSU-Stadträte griffen den Museumsleiter an und beklagten die Verschwendung von Steuern.

"Zeige deine Wunde"

Joseph Beuys' Installation "Zeige deine Wunde"

Der 26. Januar 1980. Eine Podiumsdiskussion im Münchner Lenbachhaus. 400 Menschen zwängen sich dicht gedrängt in den Saal. Über 2000 Anfragen nach Karten müssen abgewiesen werden. Das Fernsehen ist da, Radioreporter, auch alle Münchner Zeitungen. Dabei wird nur eine einzige Neuerwerbung präsentiert: die Installation "zeige deine Wunde" von Joseph Beuys.

Ein Kunstwerk erregt eine Stadt. Hunderte von Artikeln erscheinen in der Lokalpresse, aber auch bundesweit wird der Ankauf kommentiert. Selbst das sonst primär auf weibliche Geschlechtsmerkmale fixierte Magazin "Penthouse" bringt ein achtseitiges Beuys-Interview. Befürworter wie Gegner schreiben offene Briefe, in denen sie ihre Argumente darlegen und die der Opponenten zerfleddern. Die Leserbriefseiten sind voll. Sogar juristisch versucht man gegen den Ankauf vorzugehen. Das Kunstwerk "zeige deine Wunde" von Joseph Beuys wird zum Skandalon. 

"Der Begriff 'Wunde' spielt im Werk von Beuys eine große Rolle. Er ist der Schmerzensmann der modernen Kunst, der auf Bildern meist den Fotografen direkt ansieht, die Züge oft entgleist, von einer großen Traurigkeit, ja von einem geradezu Buster-Keatonhaften Aus-der-Welt-gerissen-Sein. Auf eine unbestimmbare Weise sah er ihm sogar ähnlich ..."

(Martin Zeyn)

Kernstück der großen Beuys-Sammlung im Lenbachhaus

Dank des Eintretens von Winfried Zehetmeier (CSU), damals zweiter Bürgermeister, und dank des Sammlers Christof Engelhorn, der 135 000 DM für den Ankauf spendete, konnte die zentrale Arbeit schließlich doch erworben werden. Heute bildet sie ein Kernstück der großen und bedeutenden Beuys-Sammlung im Lenbachhaus.

Martin Zeyn berichtet über einen Münchner Skandal, der losbrach, als mutige Museumsleute begannen, Werke von lebenden Künstlern zu zeigen und diese Werke anzukaufen.


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