Bayern 2 - Land und Leute


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Bayerwald-Granit Steiniger Weg in eine bessere Zukunft

Die Granitindustrie im Bayerischen Wald hat harte Zeiten hinter sich. Der Globalisierungswahn vor allem in den 1990er Jahren trieb viele Betriebe in den Ruin. Sie konnten mit der Billig-Konkurrenz aus China und Indien nicht mithalten. Inzwischen haben sich die übrig gebliebenen Unternehmen mit innovativen Produkten neue Märkte erobert. Ulrich Zwack beschreibt die aktuelle Situation.

Von: Ulrich Zwack

Stand: 11.10.2015 | Archiv

Die beiden Geschäftsführer des "Granitzentrums", Ludwig Bauer (l.) und Winfried Helm (r.), sitzen im Logo des Granit-Gebäudes in Hauzenberg im Bayerischen Wald | Bild: picture-alliance/dpa

"Der Granit im Bayerischen Wald entstand vor 320 bis 350 Millionen aus glutflüssigem Magma. Durch Spalten in der Erdkruste stieg das Gestein in höhere Bereiche auf, schaffte es aber nicht bis ganz an die Oberfläche, sondern blieb als Pfropf stecken. Dort kühlte der Granit  langsam ab und erstarrte - je nach Dauer des Vorgangs - zu fein- oder grobkörnigem Granit. Die Region um Hauzenberg im Bayerischen Wald ist reich an Granit, steinreich. Die geographische Streuung sorgt für eine große Sortenvielfalt."

(Ulrich Zwack)

Die große Krise kam in den 1990er Jahren

Pflastesteine aus chinesischem Billig-Granit in Passau

Der Bayerische Wald und sein Granit: das ist eine Jahrtausende alte Geschichte. Die Vielfalt der Gesteine ist groß: Die Farben reichen von dunkelgrau bis graugelb, die Strukturen von fein- bis grobkörnig. Granit ist witterungsbeständig, langlebig, schön und wertvoll. Generationen von Menschen haben in gefährlicher und harter Handarbeit den Stein gebrochen und bearbeitet, bis in den 1990er Jahren die große Krise kam: Die Nachfrage nach herkömmlicher Spaltware brach dramatisch ein; die billige Konkurrenz aus China und Indien zwang viele Granitwerke in der Region zum Aufgeben. 1991/92 streikten die Steinhauer im Bayerischen Wald über zehn Monate lang, weil die Arbeitgeber die Akkordlöhne um 20 Prozent kürzten. Es war der längste Branchen-Arbeitskampf in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland. Den Niedergang einer einstmals blühenden Industrie konnte auch er nicht verhindern.

"Normalerweise gewinnt ja die Gewerkschaft den Streik immer, weil die Unternehmer untereinander san ja Konkurrenten. Die mögn sich ja eh net. Die haltn ja eh net zamm. Aber da hat a jeder gwusst, er steht an der Wand. Er kann nimmer zruck gehn. Und deshalb hat's kein Nachgeben von uns Arbeitgebern gegeben. Und die Gewerkschaft wollt ja dann den Streik schon beenden. Nach drei, vier Monat wolltens ja schon beenden. Da ham aber die Mitarbeiter net mitgmacht. Die ham weitergstreikt, so dass der Streik dann so lang gedauert hat."

(Joseph Kusser, Seniorchef der Kusser Granitwerke in Aicha vorm Wald)

Am Schicksal der heimischen Granitindustrie konnte der  Arbeitskampf  so oder so nichts mehr ändern. Nach und nach musste ein unrentabel gewordener Steinbruch nach dem anderen den Abbau einstellen. Nur eine Handvoll Betriebe überlebte - weil die Unternehmer flexibel und kreativ genug waren, völlig umzudenken:

"Fürs erste hat's natürlich scho ausgschaut wie a Katastrophe. Im Nachhinein hat es sich eigentlich positiv für uns ausgewirkt."

(Joseph Kusser)

Granit - ein Werkstoff mit Zukunft?

Kinder mit Steinkugel im Granitzentrum Bayerischer Wald | Bild: Granitzentrum Bay. Wald

Kinder mit Steinkugel im Granitzentrum Bayerischer Wald

Inzwischen hat sich das Blatt wieder gewendet: Immer mehr Unternehmen entwickeln innovative Produkte und erschließen sich damit neue Märkte. Planer und Architekten schätzen zunehmend den Naturstein aus dem Bayerischen Wald. Wie spektakulär sich dieser verarbeiten lässt und wie vielfältig die Anwendungsmöglichkeiten in unserer modernen Zeit sind, zeigt das Granitzentrum "Steinwelten" in Hauzenberg im Passauer Land: ein weltweit einmaliges Projekt mit einer spektakulären Architektur in einem aufgelassenen Steinbruch. Die Museums-Macher arbeiten eng mit den Firmen in der Region zusammen, erspüren gemeinsam Trends, entwickeln Ideen. Über zehn verschiedene Sorten Granit werden derzeit im Bayerischen Wald abgebaut und verarbeitet; die größten Steinbrüche befinden sich zwischen Hauzenberg und Fürstenzell. High-Tech-Maschinen haben die schwere Arbeit übernommen. - Granit - ein Werkstoff mit Zukunft? Ulrich Zwack ist dieser Frage nachgegangen, im Steinbruch und im Museum.


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