Bayern 2 - Land und Leute


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Bayerische Trojaner Der Ilias-Nachdichter Hans Jörg Schuster

Justina Schreiber erzählt die Geschichte des vielseitig begabten Graphikers und Kunstmalers Hans Jörg Schuster, der in seiner "Bayerischen Ilias" Griechen und "Malefiz-Trojaner" bayerisch parlieren ließ …

Von: Justina Schreiber

Stand: 29.11.2015 | Archiv

"Das Urteil des Paris", Gemälde von Anselm Feuerbach, 1870, Öl auf Leinwand | Bild: picture-alliance/dpa

"Amal is der Paris in Wald außiganga
Zum Champignonsuachn und Wuidentnfanga,
auf oamal, da hört er a Gflenn und a Gschroa
wia sonst nur am Marktplatz die Weiberleut toa.

'A so a Spektakl?' denkt da si der Bua,
an Kopf ziahgt er ei staad und schleicht si drauf zua
Und hinter am Buschn, jetzt da legst di nieder,
san drei junge Weiber in Rock, Hemd und Mieder!
Vor lauter Spektakln hams hochrote Köpf
Und zarrn sie anander vor Wuat an die Zöpf ..."

(Hans Jörg Schuster, 'Bayerische Ilias')

Achilleus liebte Schmalznudeln

Man kann Homers "Ilias" auch auf bayerisch erzählen! Dann allerdings lautet die entscheidende Frage, die den Trojanischen Krieg auslöst: "wer besser beieinand ist vo de drei Madel" - und wer nach dem Urteil des Paris schließlich "den Apfel kriagn ko". Außerdem stellt sich in der "Bayerischen Ilias" heraus, dass der edle Held Achilleus offenbar Schmalznudeln liebte.

"Jetzt konn den Achilles scho gar nix mehr haltn,
die ganze Armee der Trojaner is gspaltn,
auf Troja san hinter die oana Soldatn
und rettn si grad no mit Nebelgranatn,
die andern dagegn san schnell nunter zum Fluß;
dort kimmt der Achilles erst richtig in Schuß!
Grad dutzndweis daschlägt er Trojaner verbissen
Und alle werdns abgmurkst ins Wasser nei gschmissn!"

(Hans Jörg Schuster, 'Bayerische Ilias')

Hans Jörg Schuster ließ Griechen und "Malefiz-Trojaner" bayerisch parlieren

Das derb-komische Mundart-Epos fand jüngst auf verschlungenen Wegen auf die Bühne des Münchner Metropoltheaters. Der Schauspieler Rüdiger Hacker folgte nämlich der Anregung des Bavarica-Sammlers Karl Pest aus Markt Indersdorf, der wiederum eine Ausgabe der Zeitschrift "Rundfunkhörer" - Untertitel: "Organ des Verbandes der Rundfunkhörer und Fernsehteilnehmer in Bayern" - hervorgekramt hatte: in diesem "Organ" nämlich war "Die Bayerische Ilias" Ende der 1950er Jahre erstmals publiziert worden.

Schauspieler Rüdiger Hacker und Musikerin Maria Hafner ("Zwirbeldirn") in Ilias-"Schürzen"

"Und da hab ich gemerkt, mein Gott, das ist ja so eine schöne Sprache, das ist ja Musik. Net, wenn sie am Stammtisch sitzen und alles so in der Brust so drinnen ham, den Dialekt, den mog i net, aber wenn sie witzig sind und so über diesen altbayerischen Wortschatz noch verfügen, was ja fast niemand mehr tut. Wörter, die kein Mensch mehr kennt, die ich auch nicht mehr kannte… der glutschtige Lackel. Also sie ziehen sich aus, die nackerten Fackel, des hat eam gfallen dem glutschtigen Lackel. Glutschtig, ja, was ist des? Heute würde man sagen: geil ja, aber glutschtig, was ist denn das für ein wunderschönes altes Wort, irgendwas mit glitschig hat das was zu tun und rutschig zu tun, ein glutschtiger Lackel, dem fallen die Augen aus den Augenhöhlen!"

(Rüdiger Hacker, Schauspieler)

Hans Jörg Schuster, Maler und Graphiker

Hans Jörg Schuster (1970)

Ach ja … der kongeniale Nachdichter hieß übrigens Hans Jörg Schuster. Er lebte von 1910 bis 1973 in München und Herrsching. - Justina Schreiber deckt für "Land und Leute"die Geschichte des vielseitig begabten Graphikers und Kunstmalers auf, der Griechen und "Malefiz-Trojaner" bayerisch parlieren ließ …

CD-Tipps:

"Die Bayerische Ilias"
Von Hans Jörg Schuster
Vorgetragen von Rüdiger Hacker
und Maria Hafner (Musik)


"Die Odyssee auf Bairisch"
Aus dem Altgriechischen ins Bairische
übersetzt von Otto Kuen
Vorgetragen von Rüdiger Hacker


Beide CDs sind im Metropoltheater während der Vorverkaufszeiten (Dienstag bis Freitag, jeweils von 15.00 bis 19.00 Uhr) im Vorverkaufsbüro oder an der Abendkasse erhältlich.

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