Bayern 2 - Land und Leute


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Franz Wieland Der Bauernrebell aus Niederbayern

Er war stur, derb und radikal - Franz Wieland aus Niederbayern, Großbauer und Rebell, Mitbegründer des Bayerischen Bauernbunds, der die Landwirtschaft Ende des 19. Jahrhunderts zum Thema Nummer 1 der Politik machte. - Elke Worg vergegenwärtigt ein spannendes Kapitel der Prinzregentenzeit.

Von: Elke Worg

Stand: 15.05.2016 | Archiv

Franz Wieland | Bild: Archiv Johann Kirchinger

"Wer uns Bürger so offen missachtet, (darf) sich auf die gleiche Missachtung gefasst machen, denn jeder Wurm regt sich, wenn er getreten wird."

(Franz Wieland in einem Brief an den Passauer Bischof)

Am Anfang stand der Kampf gegen steigende Bodenzinsen

Die Geschichte der bayerischen Bauern Ende des 19. Jahrhunderts ist schillernd und bunt. In Niederbayern hatte es zunächst eine Protestaktion gegen die katholische Zentrumspartei gegeben, deren Politik den Bauern die  Existenzgrundlage entzog.  Im Kampf gegen steigende Bodenzinsen zeigte sich vor allem ein gewisser Franz Wieland (1850 ‑ 1901) kompromisslos und durchsetzungsstark. Der reiche Großbauer aus Hierlbach in der Nähe von Straubing war ein cholerischer Dickschädel – und ein charismatischer Politiker noch dazu. Wortgewaltig schwang er sich an die Spitze des Bauernbundes und wetterte gegen Adel, Geistlichkeit und Bürokratie. Von den Bauern geliebt, von Standesherren, Klerikalen und Beamten gehasst, begehrte Wieland gegen soziale Ungerechtigkeiten auf. Überraschend wurde vor einigen Jahren der schriftliche Nachlass des umstrittenen Politikers entdeckt.

Der Bauernrebell Franz Wieland

Der Fund des Nachlasses Wieland

Dr. Johann Kirchinger, Universität Regensburg, Lehrstuhl für Historische Theologie

Im Büro des Historikers Johann Kirchinger befindet sich ein alter, roter Lederkoffer. Ein Koffer voll mit Briefen und Dokumenten aus dem späten 19. Jahrhundert. Sie geben Aufschluss über das Leben Franz Wielands. Nur durch Zufall stieß Kirchinger auf diesen sensationellen Fund.

"Ja, dann hab ich halt einig’schaut in die Briefe und das waren halt doch sehr amüsante Briefe, und dann hab ich eben das Buch daraus gemacht. Der Fund des Nachlasses Wieland war das Ausschlaggebende, weil, das ist immer so bei Biographien – irgendeinen Stoff braucht man, und da ist so ein schriftlicher Nachlass immer das Beste."

Johann Kirchinger ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für Historische Theologie der Universität Regensburg. Ohne die Aufarbeitung des Nachlasses wäre der Bauernrebell Franz Wieland vermutlich endgültig in Vergessenheit geraten. Schon nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs konnte sich kaum noch jemand erinnern an den niederbayerischen Dickschädel, der Adel, Klerus und Beamte zur Verzweiflung gebracht hatte.

Buchtipp:

Der Bauernrebell: Das Leben des streitbaren Landtagsabgeordneten Franz Wieland,
Ökonom in Hierlbach, Post Straubing


Autor: Johann Kirchinger
Gebundene Ausgabe: 288 Seiten
Verlag: Pustet, F (1. September 2010)
ISBN-10: 3791722719
ISBN-13: 978-3791722719


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