Bayern 2 - Katholische Welt


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Papst Franziskus und der Katakombenpakt

Von: Martin Maier SJ

Stand: 04.07.2014 | Archiv

Papst Franziskus | Bild: picture-alliance/dpa

40 Bischöfe, die sich "Gruppe Kirche der Armen" nannten, unterschrieben im November 1965 in den Domitilla-Katakomben am Rande Roms den sogenannten Katakombenpakt. Dieser griff das Leitwort des Konzilspapstes Johannes XXIII. von einer "Kirche der Armen" auf.

Wesentliche Punkte des Paktes

  • Wir wollen im Blick auf Wohnung, Essen und Verkehrsmittel so leben, wie die Menschen um uns herum.
  • Wir verzichten darauf, auch was unsere Amtskleidung angeht, als Reiche zu erscheinen.
  • Wir wollen weder Immobilien noch Mobiliar besitzen.
  • Wir lehnen es ab, mit Titeln angesprochen zu werden.
  • Wir werden jeden Eindruck vermeiden, Reiche und Mächtige zu bevorzugen.
  • Wir wollen uns vor allem den Benachteiligten und Unterentwickelten zuwenden.
  • Unsere sozialen Werke, die wir unterstützen, sollen sich auf Liebe und Gerechtigkeit gründen und Frauen und Männer in gleicher Weise im Blick haben.
  • Das Gleiche wollen wir durch unseren Einsatz bei den Verantwortlichen unserer Regierungen durchsetzen.

Zunächst in Vergessenheit geraten, hat der Katakombenpakt mit Papst Franziskus einen neue Aktualität gewonnen. Bewußt oder unbewußt hat er sich eine ganze Reihe der hier beschlossenen Vereinbarungen zu eigen gemacht. So fiel bereits am Abend seiner Wahl zum Bischof von Rom auf, daß der ehemalige argentinische Kardinal Jorge Mario Bergoglio auf den päpstlichen Schulterumhang, die Mozetta verzichtete. An Stelle eines goldenen Kreuzes trug er ein einfaches Metallkreuz. Damit entsprach er mindestens annäherungsweise dem, was der algerische Bischof George Mercier vor mehr als 50 Jahren den Konzilsvätern vorgeschlagen hatte: ihre goldenen Brustkreuze abzulegen und stattdessen Holzkreuze zu tragen. Papst Franziskus‘ Bitte um das Gebet der auf dem Petersplatz versammelten Gläubigen vor dem Segen war zudem eine ungewohnte Geste der Demut.


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