Bayern 2 - Das Kalenderblatt


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3. Mai 1973 Roxy Music treten zum ersten Mal in Deutschland auf

Die Artrock-Band Roxy Music ebnete den Weg für Musikrichtungen wie New Romantic oder New Wave. Autor: Markus Mähner

Stand: 03.05.2021 | Archiv

03 Mai

Montag, 03. Mai 2021

Autor(in): Markus Mähner

Sprecher(in): Caroline Ebner

Illustration: Tobias Kubald

Redaktion: Frank Halbach

Von dieser Band versprach man sich einiges - vor allem optisch. Mit ihren ersten beiden Alben hatten sie bereits gezeigt, wo - und vor allem: wie - der Hase langläuft. Stylisch, extravagant und vor allem sexy, das waren sie: Die Sonnyboys von Roxy Music. Glamourös für die Bühne eingekleidet von Modedesigner Antony Price, zeigten sie um was es wirklich ging im Rockgeschäft: Um gut angezogene Männer und schöne Frauen.

Wer wollte da nicht in die Rheinhalle Düsseldorf kommen, am 3. Mai 1973, zum allerersten Konzert der Band in Deutschland?

Grooaar!

Und: Roxy Music kamen nicht allein. Für ihre "For your Pleasure"-Tour wurden sie von Amanda Lear unterstützt, die die Band ansagte. Und da wusste man was kam: Amanda Lear - Model, Sängerin, Schauspielerin, Muse von Salvador Dali und damals aktuell die Freundin von Roxy Music Sänger Bryan Ferry - posierte für das zweite Albumcover der Band ganz in schwarz ,in High-Heels und hautengem Lederkostüm! An der kurzen Leine: ein Schwarzer Panther. Grooaar!!!

Doch auch die Band selbst hatte viel zu bieten. Bryan Ferry stand auf der Bühne in silbernen Plateauboots und schwarzem Glitzerkostüm wie direkt aus Shakespeares Sommernachtstraum entstiegen. Und er sang von der Idealen Schönheit, deren seidene Tränen sich im samtenen Licht des blassen Mondes widerspiegeln. Da war viel Décadènce darin. Oder auch - wie das Rolling Stone Magazine schrieb: eine Revue für Psychotiker. Oscar Wilde wäre stolz gewesen!

Musikalisch changierte das Ganze irgendwo zwischen Artrock, Psychedelischem Jazz, postmoderner Collage und so etwas wie der Frühform des Punk.

Immer wieder unterbrochen von irgendwelchen - nicht immer schönen - Klängen, die der Sound- und Synthesizertüftler Brian Eno aus seiner Höllenmaschine herausquälte. Überhaupt Eno! Vielleicht stahl er mit seiner Bühnenperformance sogar Amanda Lear die Show: Langes, glattes, blondes - wenn auch etwas schütteres - Haar fiel auf Schultern, auf denen riesige weiße Kotflügel thronten. Mit diesem Kostüm und bunt geschminktem Gesicht wirkte er wie ein transsexueller Außerirdischer - tatsächlich nahm sich der Film Rocky Horror Picture Show ihn als Vorbild. Und wenn er nicht mit seinen reichlich überdimensionierten Schulterpolstern auftrat, dann als Paradiesvogel mit Federn. Das lies selbst David Bowie blass aussehen, maximal Elton John kam da noch mit. Die Presse betitelte 1973 Eno denn auch als DAS optische Phänomen des Jahres!

Unwiederholbar

Definitiv ein Abend, der nie mehr wiederholt werden konnte!

Was kurz darauf geschah: Amanda Lear trennt sich von Ferry und beginnt eine Liaison mit dem verheirateten David Bowie. Brian Eno streitet sich mit Ferry so arg, dass er der Band den Rücken kehrt. Die Band selbst veröffentlicht noch drei kommerziell erfolgreiche Alben. Dann ist die Energie raus. Ferry verkündet das Ende der Band.

Doch einige Jahre später berufen sich eine ganze Riege neuer, romantisch verklärter Popmusiker auf Roxy Music. Schnell vereinigt sich die Band wieder - ohne Brian Eno - und nimmt drei weitere kommerziell erfolgreiche Platten auf. Dann ist abermals Schluss. Bryan Ferry löst 1983 die Band ein zweites Mal auf.

Seit 2001 - knapp 20 Jahre später - geht es wieder gemeinsam auf Tour. Doch es wird wohl nie mehr so sein wie im Mai 73.


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