Bayern 2 - Das Kalenderblatt


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13. August 1876 Wagners "Ring"-Uraufführung beginnt

Monumental, erhaben, kongenial, das hätte die erste Aufführung von Richard Wagners Tetralogie "Der Ring des Nibelungen" werden sollen. Doch es wurde der Ring, der nie gelungen, wie viele spotteten.

Von: Frank Halbach

Stand: 13.08.2019 | Archiv

13 August

Dienstag, 13. August 2019

Autor(in): Frank Halbach

Sprecher(in): Christian Baumann

Illustration: Tobias Kubald

Redaktion: Susi Weichselbaumer

17 gewonnene Oscars! " Monumental", "erhaben", "kongenial", jubelt die Filmkritik angesichts von Peter Jacksons Filmtrilogie "Der Herr der Ringe" nach J.R.R. Tolkiens gleichnamigen Romanen zu Beginn der 2000er Jahre.

"Dramaturgie, Optik oder Inszenierung lassen keine Wünsche offen".

Monumental, erhaben, kongenial

Keine Wünsche offen lassen wollte allerdings schon 125 Jahre vorher ein Blockbuster mit gleich vier Teilen. Richard Wagners "Der Ring des Nibelungen". Die Parallelen zwischen Jacksons Fantasy-Reihe und Wagners Musikdramen-Zyklus sind verblüffend: In beiden Handlungen bildet ein unheilbringender Ring der Macht das Zentrum der Handlung, in der es vor Fantasy- beziehungsweise mythologischen Figuren nur so wimmelt.

Während das Kino mit digitalen Special Effects die Leinwand erfüllt, musste im 19. Jahrhundert das Monumentale, Erhabene und Kongeniale anders hergestellt werden.

Und das fing bei Wagner mit der Spielstätte an. Ein eigens für den "Ring des Nibelungen" erbautes Theater, das Festspielhaus in Bayreuth, musste her. "Die Scheune“, wie die Bayreuther den doch eher pragmatischen Kasten auf dem grünen Hügel bald nannten. Doch schließlich ging es um das, was in der Scheune passierte.

Der Ring, der nie gelungen

Am 13. August 1876 war es dann endlich so weit: Die erste komplette Aufführung aller vier Teile des "Rings" begann. Schon mit dem Auftakt "Das Rheingold" griff Wagner tief in die Trickkiste überraschender Spezialeffekte: Verführerische Wassernymphen, die Rheintöchter, sollten in anmutig schwimmenden Bewegungen quer über die Bühne tauchen und dabei "Wagalaweia, Wallala, Weiala weia" trällern. Die kongeniale Lösung der Bühnentechniker: Sie konstruierten eigens Schwimmwägen, auf die die Sängerinnen in schwindelerregender Höhe geschnallt wurden.

Leider quietschten die Räder der Konstruktion gar gotterbärmlich und die Wägen schwankten so bedenklich, dass manche sagen, man habe Rheintöchter kotzen gesehen.

Wagner setzte daher große Hoffnungen auf Teil 3, "Siegfried“, in dem der fruchterregende Drache Fafner dem Publikum das Fürchten lehren sollte. Für viel teures Geld hatte Wagner dazu einen Lindwurm eigens von einer Spezialfirma in London anfertigen lassen. Doch die Probleme mit der Post gab es schon damals. Der gruselige Drache wurde leider ohne den Hals geliefert – der ging irgendwo unterwegs verloren, was der Wirkung des Ungetüms…nun ja… abträglich war. Und dann meinten einige Banausen auch noch, die Kostüme erinnerten durchweg an Indianerhäuptlinge und alles trüge den Stempel "Kleine-Theater-Geschmacklosigkeit". Nach der "Götterdämmerung" schließlich tut Wagner sich so furchtbar leid, dass "er sagt, er möchte sterben“, wie seine Gattin Cosima notiert. Wagners monumentale, erhabene und kongeniale Aufführung wurde zum Ring, der nie gelungen.

Vielleicht war die Zeit aber damals auch einfach nicht reif für echte Fantasy-Stoffe: Eine Gesellschaft die sich und die Welt in herzlosem Gewinnstreben vernichtet? Das gibt es ja gottseidank nur im Fantasy-Film oder auf der Opernbühne.


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