Bayern 2 - Das Kalenderblatt


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3. September 1999 Quizshow "Wer wird Millionär" startet

Richtig reich werden ohne zu lange dafür arbeiten zu müssen – einfach weil man was weiß, oder gut raten kann? Wäre was, denken sich nicht wenige und setzen sich bei Günter Jauch auf den Quizstuhl.

Von: Christian Jungwirth

Stand: 03.09.2019 | Archiv

Kalenderblatt-Illustration, 03 | Bild: Tobias Kubald

03 September

Dienstag, 03. September 2019

Autor(in): Christian Jungwirth

Sprecher(in): Ilse Neubauer

Illustration: Tobias Kubald

Redaktion: Susi Weichselbaumer

Ich weiß, daß ich nichts weiß! Oh, là là... ob der alte Sokrates da wirklich gewusst hat, auf welch superdünnes Eis er sich damit vor rund 1.400 Jahren begibt? Okay, seinerzeit gab ́s weder Google noch Wikipedia …  Aber: nichts zu wissen, hm... Heute geht man so mitunter pleite oder verdient zumindest nichts. Heureka!

Wer weiß was?

Wie sonst wäre die mediale Massenhysterie zu erklären, als am 3. September 1999 RTL zum ersten Mal die Quizshow "Wer wird Millionär" über die bundesdeutschen Bildschirme flimmern lässt. Und uns Zusehern amüsant dramatisiertes Halbwissen frei Haus auf die Chipsteller liefert. Ein stets gut gelaunter, gut gekleideter und bisweilen listenreich argumentierender Günther Jauch - heute bekannter als manche Politiker - sitzt einer Kandidatin oder einem Kandidaten gegenüber. Beide vor sich einen Monitor. Und dann geht das los, was sich wetttechnisch schnell als "Eins aus Vier" identifiziert. Kleine Kostprobe? Ein Fußballteam, das aus weitgehend talentfreien Spielern besteht,

nennt man auch... A) Gurkentruppe, B) Tomatenhorde, C) Olivenrudel oder D) Zwiebelbande?

A, B, C oder D oder Joker?

Gut: fairerweise ist nach mittlerweile 20 Jahren "Wer wird Millionär" sattsam bekannt,

daß sich auf dem steilen Pfad zur Eine-Million-Frage das Level der Kniffeligkeit im Fragenkanon massivst steigert. Kein Lebensbereich bleibt fragetechnisch ausgespart, und weil der Euro-Aspirant im Studio nun echt nicht alles und jedes wissen

kann, stehen ihm seit Folge 1 die berühmten Joker zur Seite: 50:50, Publikum, Zusatz – und natürlich der Beste von allen, der Telefonjoker... Freunde, Ex-Lehrer, Mami, Papi, Geschwister, Stammtischbrüder, Patenonkel und so weiter. Jeder haut blitzschnell sein Statement raus... nur Pech, wenn das komplett falsch ist oder dem Telefonpartner ein "da weiß ich jetzt auch nicht weiter..." rausrutscht.

Sind alle Joker verbraten, hilft nur der Blick ins süßsaure Pokerface vom Jauch Günther, nach dem Motto: Ich sag jetzt mal gar nix...! Klappt ́s aber, ist die Million

steuerfrei! 14 Millionäre haben so schon erfolgreich geschwitzt und kassiert! Doch ... sind wir mal ehrlich: wir alle, nett zuhause, im Freizeitdress, relaxed auf der Kuschelcouch, Pils im Anschlag, vor uns Tablet und Smartphone, alle Suchmaschinen offen... und dann: zack, lösen wir jede noch so tricky Frage binnen Sekunden! Doch was bringt ́s? Allein der Bezwinger des Studiostuhls darf bestenfalls dank einer Megaportion Glück den Showtitel umtexten und dem Millionenpublikum draußen im Land zujubeln: ICH BIN MILLIONÄR!

Ende gut, alles gut. Also, wenn alle das wollen, bilden wir uns auch die nächsten 20 Jahre einmal pro Woche mit A, B, C oder D munter weiter... Und ganz entre nous: soo schwer ist das wirklich nicht – Eins aus Vier! Ach ja, bleibt noch die Antwort auf die Frage, wie man talentfreie Fußballer nennt: psst... Gurkentruppe! Äh, hätten Sie's jetzt, so aus der Lamäng, ganz ohne Nachschlagen, gewusst.


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