Bayern 2 - Das Kalenderblatt


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29. Juli 1836 Pariser Arc de Triomphe fertiggestellt

Der Arc de Triomphe war bei seiner Einweihung am 29. Juli 1836 nach dem Notre Dame das höchste Bauwerk in Paris. Weniger bekannt ist, dass an seiner statt einmal ein riesiger Elefant angedacht war! Autorin: Magdalena Grundmann

Stand: 29.07.2019 | Archiv

29 Juli

Montag, 29. Juli 2019

Autor(in): Magdalena Grundmann

Sprecher(in): Andreas Wimberger

Illustration: Tobias Kubald

Redaktion: Frank Halbach

Der größte aller Triumphbögen wurde nicht etwa von den Römern erbaut, sondern erst von Napoleon in Auftrag gegeben. Der Arc de Triomphe in Paris war zur Zeit seiner Erbauung - Anfang des 19. Jahrhunderts - bis auf den Notre Dame sogar das höchste Gebäude der Stadt. Er ist 50 Meter hoch, fast ebenso breit, ein Koloss - mitten in der Stadt.

Riesiger Elefantenbrunnen

Im Jahr 1805 hatte Napoleon bei Austerlitz seinen Soldaten ein großes Versprechen gemacht: "Nur unter Triumphbögen kehrt ihr in eure Heime zurück!" hatte er verlauten lassen und kurz darauf den Bau des Arc de Triomphe veranlasst. Dieser Triumphbogen sollte etwas völlig Neues werden, keine simple Replik der römischen Vorbilder. Und so verzichteten Napoleon und seine Architekten ganz bewusst auf die üblichen Säulen, Nebenbögen und Schnörkel und setzten auf eine ganz direkte Wirkung, auf die Gewalt des nackten Steins, die reine Mauermasse. Gerade durch die schlichte aber majestätische Größe eines einzigen massiven Marmorbogens sollte die Macht des Herrschers demonstriert werden.

Doch Napoleon selbst erlebte die Fertigstellung des Arc de Triomphe auf dem Place de l'Etoile - dem heutigen Place Charles de Gaulle - nicht mehr. Erst nach dreißigjähriger Bauzeit konnte er schließlich eingeweiht werden. Am 29. Juli 1836 widmete König Louis Philippe den Triumphbogen nicht etwa dem Auftraggeber, sondern dem Ruhm der französischen Armee.

Eigentlich hätte der Arc de Triomphe zunächst an einer ganz anderen Stelle in Paris gebaut werden sollen, auf dem Place de la Bastille. Doch dort hatte Napoleon dann eine noch großartigere Idee: Er wollte einen riesigen Elefantenbrunnen erbauen lassen. Denn im 19. Jahrhundert galt der Elefant als ebenso königliches Tier wie der Löwe. Er symbolisierte Mut, Tapferkeit, Weisheit und Stärke.

Schon ein halbes Jahrhundert zuvor, unter König Louis XV. war dazu ein Vorläuferprojekt kühn ins Auge gefasst worden: Der Architekt Charles-Francois Ribart hatte einen monströsen - einen 100 Meter hohen Elefantenbrunnen entworfen, in dessen Innerem verschiedene Säle und Kabinette erbaut werden sollten. Selbst einen Ballsaal mit Orchester sollte es geben und um dem Ganzen die Krone aufzusetzen, hätten die Ohren des Elefanten als riesige Lautsprecher den Klang des Orchesters weit ins Land hinaustragen sollen.

Ewige Flamme

Selbstverständlich scheiterte dieses herrliche und ehrgeizige Projekt an den technischen Möglichkeiten, und auch Napoleon konnte den gigantischen Elefantenbrunnen nie verwirklichen. Die Botschaft des Ganzen aber war ebenso klar, wie die der Triumphbögen und Siegessäulen auch: Dem gemeinen Volk sollte die Macht des großen Herrschers und der Stolz der Nation demonstriert werden. Zwar musste sich Napoleon schließlich mit einem einfachen Triumphbogen begnügen, statt das Mammutmonument erbauen zu können, aber zumindest wurde der Arc de Triomphe der größte und mächtigste Triumphbogen aller Zeiten.

Seit 1921 beherbergt der Arc de Triomphe ein Grabmal zu Ehren eines unbekannten Soldaten. Auf der Inschrift ist zu lesen: "Hier ruht ein französischer Soldat, der für das Vaterland starb." Auf seinem Grab brennt eine ewige Flamme, die jeden Abend feierlich neu entzündet wird.

Trotz der gut 170 Jahre, die der Arc de Triomphe heute auf dem Buckel hat, ist seine Symbolkraft ungebrochen. Heute ist er ein Nationaldenkmal, das nicht mehr nur für den Ruhm Napoleons steht, sondern für den Ruhm einer ganzen Nation. Wäre dazu der Elefant doch schöner gewesen? Vielleicht, aber dafür ist es heute wohl zu spät.


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