Bayern 2 - Das Kalenderblatt


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20. November 1985 Microsoft veröffentlicht die erste Version des Betriebssystems "Windows"

Einfacher soll es werden, damit es jeder bedienen kann und kaufen will: Das neue Betriebssystem, das Microsoft auf den Markt bringt. Doch so recht mag dieses "Windows" keiner. Autor: Sebastian Kirschner

Stand: 20.11.2019 | Archiv

20 November

Mittwoch, 20. November 2019

Autor(in): Sebastian Kirschner

Sprecher(in): Krista Posch

Illustration: Tobias Kubald

Redaktion: Susi Weichselbaumer

Was haben ein U-Boot und Windows gemeinsam? Genau: Wenn du ein Fenster öffnest, fangen die Probleme an. Ein bekannter Witz über das wohl bekannteste Computer-Betriebssystem der Welt – und vielleicht ja in die Welt gesetzt vom ewigen Microsoft-Konkurrenten Apple. Schließlich ist das, was Microsoft-Gründer Bill Gates 1985 auf den Markt bringt, alles andere als lustig für Apple. Das dürfte angesichts von Millionen Windows-Nutzern heute klar sein. Ungewollt komisch geht das Ganze damals trotzdem von statten.

Wir befinden uns in einer Zeit, die technisch Äonen von heute entfernt scheint – die 1980er. Den Computermarkt bestimmen Firmen wie IBM oder Xerox. Die Geräte selbst sind meist noch so groß wie Schränke und kosten so viel wie ein neuer Kleinwagen. Selbst die Bedienung mit einer Maus ist noch so neu, dass die meisten dahinter wahrscheinlich Tierquälerei vermuten. Wer einen Computer bedienen will, muss die Kommando-Zeile beherrschen. Kryptische Programmiersprachen wie BASIC, C oder PASCAL. Weiße Codes auf schwarzem Bildschirm.

read, write

Aber hey, wen kümmert das schon? Wer glaubt denn ernsthaft, dass sich diese "Computer" je im Hausgebrauch durchsetzen werden? Computer sind doch eine Sache für echte Nerds.

Nerds wie den jungen Apple-Gründer Steve Jobs, oder eben den noch nicht einmal 30-jährigen Bill Gates. Und die haben die Zeichen der Zeit erkannt: Denn Computer werden langsam kleiner, und dadurch auch günstiger. Doch damit die grauen Kisten auch für Otto Normalverbraucher attraktiver werden, müssen sie sich intuitiver bedienen lassen. Und dazu braucht es eine grafische Benutzeroberfläche, mit Symbolen und Buttons zum Anklicken.

Wisch und weg

Die Idee ist längst nicht mehr neu: Apple hat dabei eigentlich sogar die Nase vorn – wären da nicht die schlappen 10.000 Dollar, die der Rechner kostet. Den Sprung auf den Massenmarkt hat die grafische Benutzeroberfläche bisher nicht geschafft. Geht es nach Bill Gates‘ vollmundiger Ankündigung, würde sich das schleunigst ändern – mit Microsofts "Windows".

Nun ja, vielleicht aber auch nicht ganz so schnell. Es vergeht ein Jahr der Entwicklung, und es vergeht noch eines. Und auch das dritte Jahr ist fast schon vorbei, als am 20. November 1985 Windows 1.0 endlich auf den Markt kommt. Endlich?

"Von wegen" denken die Kritiker: Die Software läuft unerträglich langsam. Sie benötigt enorm viel Speicherplatz. Und sie unterstützt oberdrein kaum Anwendungen. Und als wäre das nicht genug: Microsoft hat sich beim Aussehen offenbar auch noch fleißig bei der Konkurrenz bedient. Die Benutzeroberfläche sieht aus wie die beim Macintosh vom PC-Primus Apple. Was Apple sicher freut: Haben will Windows 1.0 so gut wie keiner. Komisch aber auch!

Microsoft kann erst 5 Jahre später darüber lachen, mit der erfolgreichen dritten Version von Windows. Doch was wäre Geschichte, wenn sie nicht immer noch einen Treppenwitz parat hätte? Als Microsoft 1987 mit Windows 2.0 auf den Markt kommt, klagt Apple gegen das unlautere Abkupfern und beginnt einen jahrelangen Rechtsstreit. Der findet erst 1997 sein Ende, als Microsoft mehrere Millionen Dollar überweist – und so den damals angeschlagenen Apple-Konzern rettet.


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