Bayern 2 - Das Kalenderblatt


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1. März 40 Martial, römischer Dichter, geboren

Martial machte die Epigrammdichtung im alten Rom salonfähig machte. Seine Epigramme bieten einen tiefen Einblick in Alltag von damals. Autor: Martin Trauner

Stand: 01.03.2021 | Archiv

01 März

Montag, 01. März 2021

Autor(in): Martin Trauner

Sprecher(in): Johannes Hitzelberger

Illustration: Tobias Kubald

Redaktion: Frank Halbach

Wer kennt heute noch Epigramme? Eines vielleicht können die Gebildeten noch aufsagen: "Wanderer, kommst du nach Sparta, verkündige dorten, du habest uns hier liegen gesehen, wie das Gesetz es befahl". Eine Inschrift, die in Griechenland bei den Thermopylen an dreihundert gefallene Spartaner erinnert. Lange her. - Heute ist das Epigramm als literarische Kurzform ein wenig aus der Mode gekommen. Manchmal sieht man noch eines auf Marterln für verunglückte Bergsteiger: Da schreibt ein anonymer Dichter: "Es ist nicht weit bis zur Ewigkeit. – Um acht ging er fort, um zehn war er dort…"

CULUS

Es gibt nur einen Poeten, der Epigramme für die literarische Ewigkeit geschaffen hat. - Den Römer Marcus Valerius Martialis. Und der hat sein Leben lang tatsächlich wohl nichts anderes getan, als Epigramme zu schreiben. 12 Libri, 12 Bücher voll. Um die 1500 Stück. Doch seine Epigramme sind keine Grabinschriften für auf tragische Weise verunglückte Wanderer, Martials Epigramme sind eher "Sinnsprüche"… Mit viel Humor. Und mit sehr viel Ironie:

 "Hier ist er, den du liest und nach dem du fragst: Martial, berühmt auf der ganzen Welt wegen der witzigen Büchlein." So stellt sich Martial in einem Epigramm selbst vor. Viele seiner kurzen Gedichtlein wirken für heutige Leser alles andere als witzig; was aber schlicht und einfach daran liegt, dass wir die Anspielungen aus der römischen Antike nicht mehr verstehen können. Martial schreibt über das Alltagsleben Roms: über Aufschneider, dilettierende Ärzte, über Huren und Säuferinnen, oder über Mitgiftjäger: Etwa, warum eine junger schöner Mann eine alte hässliche Frau heiraten will. Die Pointe: Sie hustet. - Für den Lateiner ist klar, die geht bald über den Rubikon…

FUTUERE

Aber was Martial zu seiner Zeit so wirklich weltberühmt gemacht hat, ist nicht diese Art der Epigramme. "Bis hierher, ehrbare Frau, habe ich das Büchlein für dich geschrieben." – notiert er, und dann: "Du fragst, für wen das folgende ist? – Für mich!"

Und er warnt: "Reccede! –Weiche zurück" – "Wir ziehen uns aus!!" – Jetzt schaut Martial ein wenig genauer ins römische Panoptikum. - Das mit Wörtern, die in jedem lateinischen Grundwortschatz fehlen dürften: Etwa mit "mentula" oder mit "futuere". Ältere Lateinlexika übersetzten das übrigens höchst seriös mit "männliches Geschlechtsteil" und "den Beischlaf ausüben".  – Bei Martial klingt das dann so: Dem Knaben tut die "mentula" weh, dem Alten der "culus", der Hintern. "Da brauch ich nicht hellzusehen, um zu wissen was du da treibst!" – "Futuere" halt!

Wir wissen nicht viel über Martial, aber seine Epigramme übers römische Sexleben bringen ihn in späteren Zeiten den Vorwurf ein, ein obszöner Saubär gewesen zu sein, ein Charles Bukowski des alten Roms. Wieso kennt der sich so gut aus in der Unterwelt und warum schreibt er immer "ICH"? – Nun, der Vorwurf scheint heute entkräftet, das literarische martialische "ICH" war wohl nicht das wirkliche "ICH" des Marcus Valerius Martilalis. Aber immerhin: Wir glauben aus einem seiner Epigramme zu wissen, dass er am 1. März 40 geboren wurde - daher der Beiname "Martial".


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