Bayern 2 - Das Kalenderblatt


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29. Juni 1956 Marilyn Monroe heiratet Arthur Miller

"Kopf heiratet Körper", so ging es durch die Presse, als sich die Filmdiva Marilyn Monroe und der Schriftsteller Arthur Miller 1956 das Jawort gaben. Und mal wieder war mit "Kopf" nicht Marilyn gemeint. Autorin: Brigitte Kohn

Stand: 29.06.2020 12:00 Uhr | Archiv

29 Juni

Montag, 29. Juni 2020

Autor(in): Brigitte Kohn

Sprecher(in): Ilse Neubauer

Illustration: Tobias Kubald

Redaktion: Frank Halbach

Als Marilyn Monroe und Arthur Miller am 29. Juni 1956 heirateten, geriet die Weltpresse regelrecht aus dem Häuschen. Der gefeierte Bühnenautor und das blonde Sexsymbol meinten es ernst miteinander, damit hatte niemand gerechnet. Kopf heiratet Körper, so rauschte es durch den Blätterwald. So einfach war die Sache nicht. Beide verstanden sich als eigenständige Künstler, die sich weiterentwickeln und aneinander wachsen wollten, gegen den konservativen Zeitgeist der 50er Jahre.

Geist und Sinnlichkeit

Der Dramatiker Miller war die große Hoffnung der Linksintellektuellen in der Zeit des Kalten Krieges und der Kommunistenhetze. Überanstrengt durch viele Kontroversen und eine lustlose erste Ehe, sehnte er sich nach der sinnlichen Erfüllung, die die komödiantisch naive Leinwandgöttin Marilyn der gesamten puritanisch verklemmten Nachkriegswelt versprach.

Miller schätzte aber auch ihre Klugheit, ihre Leidenschaft für Literatur, ihr schauspielerisches Können, und er verstand ihren Wunsch, der Welt mehr Facetten von sich zu zeigen. Beide hofften, die Zauberformel zu finden, die die Kluft zwischen Geist und Sinnlichkeit überwinden und sie als Menschen und Künstler verändern würde.

Während Miller in Marilyn einen rettenden Engel sah, ließ diese sich von jedem Filmprojekt an die Grenzen ihrer Belastbarkeit treiben. Gegen ihre Ängste und Selbstzweifel halfen weder ihre Psychoanalytiker noch ihre Schauspiellehrer, denen Miller einen Hang zu "aufgeblasenen Intellektualisierungen" vorwarf. Angesichts ihrer Krisen drohte sich Millers Liebe zu Marilyn in Mitleid zu verwandeln, das machte er ihr deutlich klar und stieß sie dadurch maßlos vor den Kopf.

Ein Männertraum

Miller versuchte, die Ehe zu retten, indem er ein anspruchsvolles Drehbuch für Marilyn schrieb:  Misfits, zu Deutsch: Nicht gesellschaftsfähig. Marilyn spielt eine geschiedene ehemalige Nachtclubtänzerin im Kreis von Cowboys, die  wilde Mustangs für die Hundefutterindustrie jagen. Ihre Menschlichkeit, ihr Mitgefühl und ihre Tierliebe üben einen humanisierenden Einfluss auf die entwurzelten Männer aus.

Da sind viele Charakterzüge eingeflossen, die Miller an Marilyn liebte, und viele biographische Details. Die Grenzen zwischen Realität und Fiktion verschwimmen, doch ihre Leinwandpersönlichkeit bleibt, wie sie immer war: ein unschuldiger blonder Männertraum. Marilyn fühlte sich festgenagelt auf ihr altes Image, eingesperrt in Millers Sichtweise und gleichzeitig bloßgestellt.

Noch bevor der Film im Kasten war, wurde die Ehe geschieden, und ein Jahr später war Marilyn tot – gestorben an einer Überdosis Schlaftabletten und am Riss zwischen Kopf und Körper, der sich durch ihr Leben zog und auch durch die Kultur, die sie zum Mythos machte.


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