Bayern 2 - Das Kalenderblatt


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17. Juni 1943 László József Bíró erhält Patent auf Kugelschreiber

Wie einfach und genial zugleich kann eine Lösung sein? Der ungarische Erfinder László Bíró beantwortete diese Frage, indem er den Kugelschreiber erfand und damit die Technik des Schreibens revolutionierte. Autorin: Christiane Neukirch

Stand: 17.06.2021 | Archiv

17 Juni

Donnerstag, 17. Juni 2021

Autor(in): Christiane Neukirch

Sprecher(in): Christian Baumann

Illustration: Tobias Kubald

Redaktion: Frank Halbach

Zwei Dinge haben uns Menschen immer vorangetrieben: der Drang, Neues zu erkunden, und der, davon zu berichten. Das hat uns auch dazu gebracht, unseren Heimatplaneten zu verlassen und andere Himmelskörper anzusteuern. Der Mond war gestern, jetzt wollen wir zum Mars. Ein Flug dahin dauert viele Monate und ist nicht nur der zu befriedigenden Grundbedürfnisse wegen eine große Herausforderung. Das größte Problem ist wohl die Langeweile. Was, wenn alle Bücher gelesen, alle Spiele gespielt, alle Geschichten erzählt sind? Ja dann… dann könnte man endlich das tun, was man sonst immer verschiebt: Tagebuch schreiben - oder Briefe an die Liebsten. Doch womit, das ist die Frage! Denn im All herrschen Bedingungen, die normalen Schreibgeräten einen Strich durch die Rechnung machen.

Unerträgliches Gekleckse

Die Entwicklung der Schreibgeräte war immer schon eine Geschichte der Frustration. Am Anfang war die Keilschrift, ein umständliches Geschäft. Mit Tinte auf Pergament ging es besser, Papier war dann immerhin eine Grundlage für Jahrtausende. Federkiele wichen Füllfederhaltern oder dem Druckerstock, Bleistift und Schreibmaschine kamen ins Spiel; doch immer blieb etwas Unbefriedigendes. Tinte kleckst, Bleistifte brechen, die Schreibmaschine passt in keine Brusttasche.

Das Gekleckse des Füllers war es, das den Redakteur einer ungarischen Zeitschrift zur Weißglut trieb. László Bíró, der auch Meister im Erfinden nützlicher Dinge war, fragte sich: wie könnte man eine Tinte erfinden, die nicht schmiert? Und sie dann geschmeidig aufs Papier bringen? Seine Lösung: er steckte ein Metallkügelchen ins vordere Ende einer mit Spezialtinte gefüllten Röhre – und fertig war der Kugelschreiber.

Patentiert wurde der Wunderstift gleich zweimal: 1938 in Ungarn; aber als Jude musste Bíró noch im selben Jahr fliehen und das Patent zurücklassen. Ein zweites, weltweit gültiges Patent erhielt er dann in den USA, am 17. Juni 1943.

Im Weltall ungeeignet

Der Erfolg war überwältigend. Das Rollende Röhrchen wurde im Nu zum beliebtesten Schreibgerät der Welt. Doch auch der Kugelschreiber hat eine Schwäche: er braucht die Schwerkraft, die die Tinte auf die Kugel drückt. In der Schwerelosigkeit versiegt die Quelle.

Als die Sowjetunion und die USA begannen, Menschen in den Weltraum zu schicken, stellte sich also die Frage: womit dort schreiben? Mit Bleistift? Zu gefährlich! Graphit ist brennbar, die Mine bricht leicht. Ohne Schwerkraft schweben Bruchstücke in der Luft und können eingeatmet werden. Doch Erfinder lauern überall, in diesem Fall Paul Fisher. 1966 ließ er den ersten Space-Pen patentieren, ein Kugelschreiber, der auch in der Schwerelosigkeit, unter Wasser und auf glatten Oberflächen funktioniert. Dieser Stift, der die Tinte mittels Innendruck auf der Kugel hält, löste nicht nur das Problem eines all-tauglichen Schreibgeräts. 1968, mitten im Kalten Krieg, sprengte er auch alle ideologischen Grenzen: Sowohl die sowjetischen als auch die amerikanischen Raumfahrer bekamen Stifte spendiert. Der Hersteller gab allen den gleichen Mengenrabatt: 40 Prozent.

Bíró und Fisher sei Dank ist es also kein Problem, auf dem Mars handgeschriebene Liebesbriefe zu verfassen – nur zur Erde bringen muss man sie selbst. Es sei denn, jemand erfindet bis dahin noch die Weltraum-Flaschenpost.


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