Bayern 2 - Das Kalenderblatt


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9. Juli 1357 Karl IV. legt Grundstein für Karlsbrücke

Kein Pragurlaub ohne Karlsbrücke: Touristen walzen in langen Schlangen hier über die Moldau. Brückenerbauer Kaiser Karl IV hätte sich gefreut, er wollte ein Wahrzeichen, das wahrgenommen wird. Autorin: Isabella Arcucci

Stand: 09.07.2019 | Archiv

09 Juli

Dienstag, 09. Juli 2019

Autor(in): Isabella Arcucci

Sprecher(in): Ilse Neubauer

Illustration: Tobias Kubald

Redaktion: Susi Weichselbaumer

Für Touristen ist sie ein Sightseeing-spot, der abgehakt werden muss, für den tschechisch-amerikanischen Schauspieler Jan Triska war sie ein Herzensort: die Karlsbrücke in Prag. Ein Herzensort, der ihm zum Verhängnis werden sollte. Triska kam hierher, um Kraft zu tanken. Er kannte die steinerne Brücke seit seiner Kindheit, hatte sie zu allen Jahreszeiten erlebt, ihren Zauber in sich eingesogen: prächtig im gleißenden Sonnenschein, melancholisch-düster im Nebel, märchenhaft verwunschen im Schnee. Und frühmorgens, wenn die Sonne eben über der Moldau aufgeht und die Heiligenstatuen der Brücke in ein unwirklich, rosa schimmerndes Licht taucht. Jan Triska liebte die Karlsbrücke auch dann noch, als die tagtäglichen Touristenmassen über sie hinwegtrampelten und Horden von Jungesellenabschiedsgruppen stockbesoffen in die Moldau reiherten.

Ein Must-go für alle Welt

Den Erbauer und Namensgeber der Brücke, Kaiser Karl IV., hätte diese Entwicklung wohl weniger schockiert. Er wollte die Brücke genau zu dem machen, was sie heute ist: nicht zu einem romantischen Ort des Verweilens, sondern zu einem Must-go für alle Welt!  Als Karl am 9. Juli 1357 den Grundstein für die Brücke legte, gab es in ganz Prag und seiner näheren Umgebung keinen festen Übergang, der die Moldauufer miteinander verband. Die Judithbrücke, welche zuvor an dieser Stelle gestanden hatte, war von einem Hochwasser zerstört worden. Die neue Brücke wurde zu DEM Hauptverkehrsknotenpunkt der Region. Und zum Wahrzeichen der Stadt Prag.

Im 20. Jahrhundert erkannte auch Hollywood die Magie, die von der Karlsbrücke ausgeht. Im Action-Streifen Mission Impossible stürmt Tom Cruise, in Smoking und Fliege, im Laufschritt die Karlsbrücke, als sein Agentenkollege Jim Phelps in die Moldau stürzt.

Der Sturz in die Moldau

Im Film nur ein mieser Trick des verräterischen Agenten Phelps, im echten Leben ein Todesurteil. So eben auch für den Schauspieler Jan Triska. Der gebürtige Prager, der in Hollywoodfilmen wie Karate Kid III spielte, kam vor jedem neuen Dreh auf seine geliebte Karlsbrücke, um die Heiligen Statuen, die seit dem 17. Jahrhundert das steinerne Geländer der Brücke schmücken, zu berühren und um Glück zu bitten. Vielleicht berührte er an diesem Septembertag 2017 auch die Statue des Heiligen Nepomuk. Nepomuk, der heute gemeinhin als Schutzheiliger aller Brücken gilt, wurde zum Opfer eines Machtkampfes zwischen Kirche und Krone. Im Jahr 1393 ließ ihn König Wenzel IV. von der Karlsbrücke in die Moldau stürzen, wo er ertrank.

Vermutlich verlor der Schauspieler beim Versuch, eine der Figuren zu berühren, den Halt - und stürzte in die Moldau. Es waren zwei Touristen, die Triska aus dem Wasser zogen und wiederbelebten. Vergebens. Denn Jan Triska starb zwei Tage später im Krankenhaus.

Über seine geliebte Karlsbrücke aber, strömen weiter die Menschenmassen, als sei nichts gewesen.


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