Bayern 2 - Das Kalenderblatt


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21. November 1980 Folge "Wer schoss auf J.R." erreicht bis dahin höchste TV-Quote

Mittlerweile sind Cliffhanger am Ende von Serien-Staffeln Usus. Der Zuschauer soll einschalten, wenn die nächste Staffel kommt. Einen der ersten und wirksamsten Cliffhanger brachte "Dallas". Autorin: Susi Weichselbaumer

Stand: 21.11.2018 | Archiv

21 November

Mittwoch, 21. November 2018

Autor(in): Susi Weichselbaumer

Sprecher(in): Christian Baumann

Illustration: Tobias Kubald

Redaktion: Frank Halbach

Sechs Morddrohungen eingegangen? Für J.R. Ewing ein Tag wie jeder andere. Das Leben als Ölmagnat fordert Opfer: Den untalentierten Bruder musste man gerade aus der Firma befördern, einen unliebsamen Geschäftspartner um 20 Millionen US-Dollar erleichtern, die Schwägerin der Prostitution anklagen und Ehefrau Sue Ellen mal wieder in die Klinik verfrachten. Jetzt ist es Nacht in Dallas – J.R. sitzt natürlich noch am Schreibtisch. Jemand schleicht ins Büro… Schuss… Mit schmerzverzerrtem Gesicht sinkt der Serienfinsterfiesling J.R. Ewing zu Boden…

Moment?!?!?!

Millionen Fernsehzuschauer sind fassungslos! Über 54 Folgen lang haben sie Intrige um Intrige der reichen Ölfamilie aus Texas mitgesponnen. Haben geliebt und gelitten. Die Seifenoper des Senders CBS ist auf Straßenfeger abonniert. Nur: Jetzt ist "Dallas"-Chef-Schurke J.R. – ja, was ist er eigentlich? Verletzt? Tot? Aber warum und durch wen? Problem: Es ist die letzte Folge der dritten Staffel. Die Serie macht Sommerpause. Und die dehnt sich aus, denn die Drehbuchautoren streiken.

Who shot J.R.?

Zeitschriften wie "Times" oder "People" titeln mit J.R.-Darsteller Larry Hagman unter großem Fragezeichen. Der Nachrichtenkanal CNN berichtet wöchentlich über das "Dallas-Phänomen". Amerika und die Welt rätseln ausdauernd. Acht Monate lang. "Who shot J.R."-Tassen, T-Shirts, Autoaufkleber finden Absatz. US-Präsidentschaftskandidat Jimmy Carter witzelt, er könnte seinen gesamten Wahlkampf finanzieren, verriete ihm wer das "Dallas"-Geheimnis. Konkurrent Ronald Reagan kontert und verteilt Buttons mit der Aufschrift "Ein Demokrat hat J.R. erschossen".

Zeitungen suchen in Wettbewerben nach der besten Tätertheorie. Wettbüros nehmen Einsätze auf sämtliche Serienfiguren an. Schauspieler Larry Hagman nutzt den Hype und pokert um mehr Gage.

Immer mal wieder lässt er in Interviews fallen, es könnte ja auch sein Ausstieg aus der Serie gewesen sein… Auf einer Gala-Veranstaltung in Großbritannien sagt er der Königinmutter sehr medienwirksam nicht, wer der Schütze war. Und auch nicht, dass er selber keine Ahnung hat. Tatsächlich wurde die Szene mehrfach gedreht, verschiedene Figuren hatten die Waffe in der Hand. Sicher ist sicher in Sachen geheimnisvoller Cliffhanger, meinten die Produzent.

Am 21. November 1980 startet die vierte "Dallas"-Staffel mit der Folge "Wer schoss auf J.R. ". So viele Menschen wie nie zuvor schalten in den USA den Fernseher ein. Zwei Drittel aller Amerikaner. Über 350 Millionen weltweit wollen die Auflösung sehen. Das türkische Parlament verschiebt dafür eine Sitzung. 250.000 Dollar kassiert Larry Hagman ab jetzt für jede Folge - einer der bestbezahlten Serien-Fieslinge. Und er ist noch am Leben. Also J.R. – Schwägerin Kristin war es. Was eigentlich naheliegt. Er hat was mit ihr, sie liebt ihn mehr als er sie, oder andersrum. Da wird man schon mal des Nachts angeschossen als Ölbaron in Dallas, Texas. Was nichts macht, denn – Überraschung – sie bekommt ein Kind von ihm. Die Aussicht auf J.R. junior stimmt finsterste Fieslinge versöhnlich.


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