Bayern 2 - Das Kalenderblatt


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23. Juli 1697 Erste deutsche Klassenlotterie in Leipzig

Wenn ich einmal reich wär… denken sich nicht wenige und versuchen ihr Glück an der Lostrommel. Nicht immer lohnt der Einsatz. Manchmal aber sehr, denn manches Lottoglück ist reine Mathematik. Autor: Martin Trauner

Stand: 23.07.2019 | Archiv

23 Juli

Dienstag, 23. Juli 2019

Autor(in): Martin Trauner

Sprecher(in): Krista Posch

Illustration: Tobias Kubald

Redaktion: Susi Weichselbaumer

Als Kind hat man noch Träume. Etwa: Ich will den großen Plüschbären gewinnen, der da rechts oben beim Glückshafen hängt. Hauptgewinn! - Klar, mit einem einzigen Los ist es da nicht getan. Aber, als Kind hat man ja auch Ideen - was wäre, wenn man alle Lose kaufen würde, also wirklich alle, dann müsste man den Plüschbären doch tatsächlich in Händen halten. - Ja, und als Erwachsener denkt man manchmal immer noch kindlich, etwa: was wäre, wenn man alle Lottozahlen ankreuzen würde, alle möglichen Kombinationen, dann müsste man doch einigermaßen reich werden. Oder?

Wer gewinnt? - Na, wer wohl?

"Nun mal sachte", spricht der Mathematiker. Geht nicht. Besser man kauft seinen Glücksbären im Geschäft und noch besser: "Spiel nicht Lotto!" - Denn, so fährt der Mathematiker fort: "im Erwartungswert verliert der Spieler die Hälfte seines Einsatzes". Klingt kompliziert, ist es aber nicht: Es gewinnt immer nur der Staat!

Wer gewinnt? - Die Armen...

Oder es gewinnen die Armen und Bedürftigen. Dachte sich im 17. Jahrhundert der sächsische Mathematiker und Philanthrop Ludolf Hiob. Der war durch die Niederlande gereist und hatte gesehen, dass man dort mit den Erlösen aus Lotterien Waisenhäuser und Spitäler bauen konnte. Er schrieb mehrere Büchlein, um die Oberen anzuhalten, Lotterien nach seiner neuen Methode abzuhalten. - Seine neue Methode? Die war nicht ganz unkompliziert... Jedenfalls, so glaubte er, hätte er eine Lotterie entwickelt, bei der Arme reich werden könnten und Reiche noch reicher, indem sie Lose kauften. Nach dem Motto: Lotterie macht uns alle glücklich. (Er bastelte ein komplexes System, in dem sogar die Ziehung der Zahlen der höheren Mathematik folgte: - "So oft verloset werden soll, so werden zuvorderst bei der Hand sein: 10 Kügelgen, unter welchen neun weiße sind und ein schwarzes".)

Wer gewinnt? - Die Mathematik!

Und er hatte Erfolg. Nicht soweit, dass alle reich und glücklich wurden, aber zumindest: Am 23. Juli 1697 veranstaltete die Stadt Leipzig die erste deutsche Klassenlotterie. - Klassenlotterie? So heißt das heute. Ein kompliziertes System, bei der man mit Gewinnplänen und Spielplänen versucht, die Spieler bei der Stange zu halten. Heute läuft eine Klassenlotterie über 6 Monate, es werden mehrmals Geldpreise verlost, oder auch: lebenslange Renten, Sachpreise... und in jeder Klasse, also jeden Monat, steigen die Gewinne. Ja, so was können sich nur Mathematiker ausgedacht haben.

Wer gewinnt?  - "the winner takes it all"

Und wie überlistet man die Mathematik? - Natürlich mit der Mathematik! Dachte sich im 18. Jahrhundert zumindest der Philosoph und Weltweise Voltaire. Er und der französische Staat hatten Geldprobleme. Die Lösung: Nun: Der französische Staat, der ließ dafür von einem Mathematiker eine Lotterie entwickeln, um wieder in die schwarzen Zahlen zu kommen: Klar: hoch komplex, kaum durchschaubar. - Und Voltaire? Der stellte mit einem Freund fest, der selbstredend ein passionierter Mathematiker war, dass sich der Staat verrechnet hatte. Voltaire kaufte alle Lose. Alle. Und tatsächlich: Voltaire wurde reich! - Na also. Geht doch.


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