Bayern 2 - Das Kalenderblatt


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27. Dezember 1932 Eröffnungstag der Radio City Music Hall in New York

Im Herzen von Manhattan steht die Radio City Music Hall: in den 1920er Jahren das Mekka der Radioausstrahlung, später das größte Filmtheater seiner Zeit. 1932 wurde es mit einer spektakulären Bühnenshow für das Publikum geöffnet. Autor: Martin Trauner

Stand: 27.12.2019 | Archiv

27 Dezember

Freitag, 27. Dezember 2019

Autor(in): Martin Trauner

Sprecher(in): Hans-Jürgen Stockerl

Illustration: Tobias Kubald

Redaktion: Frank Halbach

100.000 New Yorker reißen sich um die Eintrittskarten, sie wollen das Spektakel des Jahres, das Spektakel des Jahrzehnts, ach was, sie wollen die "biggest show in history" miterleben. So hat es zumindest der Impresario Samuel Lionel Rothafel, oder kurz:  "Roxy" - wie er sich selbst ganz schlicht nennt - vollmundig angekündigt. Das Beste und Größte aus Vaudeville und Varieté soll zur Eröffnungsveranstaltung der Radio City Music Hall geboten werden. Zur Eröffnung des schönsten und: na klar: des größten, ach was: des allergrößten Konzertsaals aller Zeiten...

Größer

Es fanden dann am 27. Dezember 1932 "nur" 6201 auserlesene Premierengäste Platz in der Radio City Music Hall. Doch die, die hatte es tatsächlich in sich: Das Gebäude, das der Öl-Mogul John Rockefeller Jr. hatte bauen lassen - der war übrigens damals der allerreichste Mann der Welt - beeindruckte nicht nur durch seine Superlative, sondern auch durch seine "schlichte" Eleganz. So wollte es jedenfalls der Architekt. Der ließ den Saal mit edlen, roten Sitzen ausstatten - die Decke formte er mit Hilfe von Lichteffekten so, dass der Zuschauer den Eindruck eines Sonnenuntergans auf dem Meer hatte.

Für das Programm des Eröffnungstages sorgte der Impresario Roxy höchst selbst. Er: ein Tausendsassa, ein typischer "Macher" halt. Er: Roxy, er suchte in den USA und in Europa nach den allerbesten und allergrößten Künstlern und die engagierte er für die Show Weihnachten 1932. - 19 "Acts" plante er ein, vom "Fräulein Vera Schwarz", einer Sängerin der Berliner Staatsoper, bis zu einer "Symphony of the curtains". Ungefähr zweieinhalb Stunden hätte das dann alles dauern sollen. Hätte...

Am Größten

Mit der Symphonie der Vorhänge beginnt der große Abend. Hauptrolle hat der große Bühnenvorhang mit seinen drei Tonnen Gewicht. Er ist der "biggest curtain", ach was, der allerbiggest Bühnenvorhang aller Zeiten, der sich im Rhythmus des Orchesters und zweier Wurlitzer Orgeln öffnet und zuzieht.

Währenddessen tritt ein Schauspieler metaphorisch als "Vater Zeit" auf und blickt zurück, in die großartige amerikanische Geschichte. Und, um metaphorisch zu bleiben, so wie der Vorhang sich auf und zuzieht, zieht sich auch die Zeit. Aus den geplanten zweieinhalb Stunden großartigsten Varietés werden endlose, meist langweilige, sechs Stunden. - Wie viele von den 6201 Premierengästen bis zum Schluss geblieben sind, das ist nicht überliefert.

Doch wer bis zum 13. "Act" durchgehalten hat, der konnte tatsächlich Sensationelles erleben: 36 Balletttänzerinnen, die ihre Beine in einer hinreißenden Choreografie a la Cancan geschwungen haben. Die Tänzerinnen hatte selbstverständlich Roxy entdeckt und sie gemanagt. Die "Rockettes" -  Roxy nannte sie für diesen Auftritt die "Roxyettes", sollten die Geschichte der Radio Music Hall in New York prägen. Jedes Jahr, bis heute, treten die "Rockettes" in der Weihnachtszeit, also vom Oktober bis Januar, in der Music Hall auf. Sie erzählen die Weihnachtsgeschichte. Und das alles in allem in gut eineinhalb Stunden. Great!


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