Bayern 2 - Das Kalenderblatt


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13. April 1972 Das erste ZACK-Heft erscheint

Lange gab es eher wenig Comics in Deutschland. Das änderte sich mit ZACK. Das Magazin machte u.a. Lucky Luke und Spirou bei uns bekannt. Autorin: Anja Mösing

Stand: 13.04.2021 | Archiv

13 April

Dienstag, 13. April 2021

Autor(in): Anja Mösing

Sprecher(in): Caroline Ebner

Illustration: Tobias Kubald

Redaktion: Frank Halbach

Blei-Wüste? Bleiwüste, das klingt nicht nur abschreckend, das ist es auch.

Auf jeden Fall für Kinder.

Eine ganze Seite nur mit Buchstaben! Ohne Bilder? Das ist…furchteinflößend!

Und ermüdend noch dazu. Besonders dann, wenn man gerade eben mal so alt ist, dass man sich freiwillig eine Geschichte – Wort für Wort – erkämpfen kann. Durch tapferes selber-Lesen. In diesem Alter hasst man nichts mehr als Bleiwüsten: Buchseiten ohne Illustrationen.

Selbst in Kinderbüchern waren diese Wüsten lange Zeit weit verbreitet. Logisch, denn für Illustrationen braucht man Menschen und die brauchen Zeit, um sich für die Geschichten extra Abbildungen auszudenken und zu zeichnen. Das kostet.

Mehr als nur Text

Was für eine Erlösung waren da die Comics!

Revolutionär! Eine echte Befreiung für unzählige Kinder, Jugendliche und alle, die nach Geschichten lechzten und mehr wollten: Mehr als nur Text!

Comics sind Zeichenkunst voller Magie, bunt oder schwarzweiß gedruckt und gespickt mit irrwitzigen Helden: Blaue Wichtel mit weißen Mützen, die im Wald Zauberflöten herstellen? Na klar! Ein kleiner Hund, der auf dem Dach seiner Hundehütte schläft und hofft, ein Buch zu schreiben? Gibt’s im Comic genauso wie den reichen Enterich, der genussvoll hineinspringt, in die Berge von Münzen seines Geldspeichers, um darin zu baden. 

Neue alte Knüller

Reich bevölkert war die Welt der Comics schon, als in Deutschland am 13. April 1972 das erste ZACK-Heft erschien. Der große Springer Verlag hatte dafür extra den kleinen Koralle Verlag gegründet.

Man wollte mitmischen, im hierzulande noch jungen Comic-Geschäft. Und Koralle startete das ZACK als Comic-Magazin für junge Fans. Ein Heft, das von Anfang an prall gefüllt war mit einem Mix aus verschiedenen Comic-Serien, die als Fortsetzungsgeschichten abgedruckt wurden. Und das wöchentlich! Ein Paradies für alle Comic-Begeisterten!

Neu, also extra fürs ZACK gezeichnet, waren die Geschichten anfangs nicht: Lucky Luke, der Cowboy, der schneller zieht als sein Schatten, oder der coole Leutnant Blueberry, der als Yankee in den Indianerkriegen mitmischt, oder Valerian und Veronique, die Raum-Zeit-Agenten aus der Zukunft, alle diese Comics waren schon in den großen Comic-Magazinen Pilote, oder Tintin in Frankreich und Belgien erschienen. Aber in Deutschland wurden sie nun erst "ein Knüller"!

Der Springer Verlag hatte in vielen seiner Medien, von BILD über Hörzu bis Bravo, mächtig für das ZACK geworben und viel berichtet. Und so erfuhr 1972 nicht nur die junge Comic-Fan-Gemeinde sondern quasi ganz Deutschland, wie diese Kunstform aussehen kann. Für viele Eltern und Großeltern blieb sie trotzdem beunruhigend. Und war damit umso mehr pures Glück für junge Leute.

Inzwischen ist das ZACK mehrmals eingestellt worden und jedes Mal wieder neu auferstanden. Viele Leserinnen und Leser blieben ihm durch die Jahrzehnte treu - Bis heute! Inzwischen wird das Heft für Erwachsene gemacht: mit Hintergrund-Storys über die Künstlerinnen und Künstler, die hier texten und zeichnen.


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