Bayern 2 - Das Kalenderblatt


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17. September 1908 Das erste Todesopfer der motorisierten Luftfahrt

Manche Tage sind prädestinierter als andere scheint es. Nicht prädestiniert zum Oben-Bleiben ist wohl der 17. September. An dem verzeichnet die Fluggeschichte einiges an Dramatik. Autor: Thomas Grasberger

Stand: 17.09.2018 | Archiv

17 September

Montag, 17. September 2018

Autor(in): Thomas Grasberger

Sprecher(in): Johannes Hitzelberger

Illustration: Tobias Kubald

Redaktion: Susi Weichselbaumer

Streng rational veranlagte Hörer müssen jetzt ganz tapfer sein. Denn aus rein naturwissenschaftlicher Sicht begeben wir uns in den kommenden Minuten auf sehr, sehr dünnes Eis. Mit höchster Wahrscheinlichkeit würden wir auch sofort einbrechen, leisteten wir uns nicht ausnahmsweise einen intellektuellen Trick, den wir uns normalerweise völlig zu Recht versagen. Nämlich den des experimentellen Gedankenflugs, einer fast schon esoterisch anmutenden Kunstfertigkeit, mit deren Hilfe wir uns hinauf katapultieren wollen in Sphären, in denen die Logik vollends außer Kraft gesetzt ist. Dort oben werden wir dann ohne jede Zufuhr von sinnvoller Argumentation mehrere Minuten über dem Boden der Vernunft schweben, um nicht mehr und nicht weniger als ein Geheimnis zu lüften. Das Geheimnis des 17. Septembers.

Und immer wieder Fluggeschichte

Okay, zugegeben, das klingt jetzt vielleicht etwas hochtrabend. Denn eigentlich geht´s ja nur um die Frage, ob ganz bestimmte Tage im Jahr für ganz bestimmte Ereignisse besonders prädestiniert sind. Nun, der 17. September ist auf den ersten Blick eigentlich nichts Besonderes – der 260ste Tag im gregorianischen Kalender. Schaut man aber etwas genauer hin, kann man feststellen, dass an jenem Datum einige exklusive Ereignisse stattfanden, die allesamt mit der Kunst des Fliegens zu tun hatten. Beziehungsweise mit dem Scheitern in dieser Kunst. Zum Beispiel am 17. September 1908, als im US-amerikanischen Fort Myer, Virginia, ein zweisitziges Flugzeug namens Flyer A aus 25 Metern Höhe abstürzte. Neben dem Piloten saß ein Passagier namens Thomas E. Selfridge, der in den Annalen der Fliegerei traurige Berühmtheit erlangen sollte – als erstes Todesopfer bei einem Flugzeugunglück der motorisierten Luftfahrt.

Und wieder der 17.9.

Ebenfalls am 17. September war es, als der "Rote Baron" Manfred von Richthofen seinen ersten Luftkampf gewann. Zwischen den beiden Ereignissen besteht übrigens kein kausaler Zusammenhang: Richthofen landete seinen fatalen Treffer erst 1916, also acht Jahre nach dem Absturz der Flyer A.

Deutlich länger als in den ersten beiden Fällen blieb ein Herr namens Smith in der Luft, als er 1952 mit seinem Hubschrauber einen neuen Weltrekord aufstellte – 1.958,8 Kilometer ohne Zwischenlandung. An welchem Tag das war? Na, raten Sie mal. Tja, genau!

Und es war übrigens dann wieder ein 17. September – diesmal im Jahr 1959 – als erstmals ein Experimentalflugzeug mit eigenem Raketenantrieb von der Erde abhob. Auf den Tag genau 17 Jahre, bevor das Space Shuttle Enterprise aus seiner Montagehalle herausrollen sollte. Aber das allerwichtigste kommt ja erst noch: Am 17. September des Jahres 1966 wurde im deutschen Fernsehen die erste Folge der "Raumpatrouille" gezeigt. Die phantastischen Abenteuer des Raumschiff Orion, mit Dietmar Schönherr als Major Cliff Allister McLane! Tja, und wer jetzt noch behauptet, dies alles sei nur reiner Zufall, dem ist wohl nicht zu helfen. Das Geheimnis des 17. September darf jedenfalls als gelüftet gelten, dank unseres experimentellen Gedankenflugs. Womit wir uns wieder den irdischen Dingen zuwenden können. Zum Beispiel der Frage, an welchem Tag wohl dereinst die erste Landung auf dem Mars stattfinden wird? Tja, ehrlich gesagt: keine Ahnung. Aber Wetten werden gern angenommen!


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