Bayern 2 - Das Kalenderblatt


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25. Januar 1759 Burns Supper in Schottland

Alljährlich feiern die Schotten ihren Dichter Robert Burns. Auf der Speisekarte steht immer das gleiche: Haggis. Autorin: Justina Schreiber

Stand: 25.01.2021 | Archiv

25 Januar

Montag, 25. Januar 2021

Autor(in): Justina Schreiber

Sprecher(in): Christian Baumann

Illustration: Tobias Kubald

Redaktion: Frank Halbach

Die spinnen, die Schotten. Aber hat nicht jedes Volk seine eigenen Bräuche? Und vor allem seine ganz eigenen Helden, male first of course. Und derer will gedacht sein, mit allem Brimborium und Tamtam. Im schottischen Fall selbstverständlich mit Dudelsäcken, geblasen von Männern in karierten Röcken, und der schottische Whiskey fließt in Strömen. Das Klischee erfüllt sich Jahr für Jahr aufs Spleenigste am 25. Januar, wenn die Schotten (seit 1975 dürfen auch Schottinnen teilhaben, nachdem man sie 174 Jahre lang von dem identitätsstiftenden Event fernhalten konnte) wenn sie also den Geburtstag ihres größten Säufers, sorry, Dichters feiern.

Schafsmagen-Lyrik

Robert Burns (schon mal gehört?) Robert Burns kam nämlich am 25. Januar 1759 in bitterarmen Verhältnissen zur Welt, entwickelte sich aber dennoch oder gerade deshalb zum bedeutendsten schottischen Nationaldichter. So verdankt ihm die Nachwelt, die schottische insbesondere, das Preisgedicht "Address to a Haggis". Wobei man für den Nicht-Schotten respektive, die Nicht-Schottin anmerken muss, dass so ein Haggis rein optisch oder überhaupt ästhetisch eine gewisse Zumutung darstellt. Denn…Vegetarier kurz mal weghören! es handelt sich um einen Schafmagen, gefüllt mit den gehackten Innereien des Tieres plus Hafermehl und Zwiebeln. Auf dem Höhepunkt des Burns Supper genannten Festessens, das am heutigen Tag rund um den Globus immerhin etwa 9 Millionen Menschen oder besser gesagt: Schotten in sogenannten Burns Clubs zelebrieren, wird dieser zum Platzen dicke, gräuliche Ballon unter Dudelsackgedudel in den Saal getragen. Die Festgemeinde hat sich von den Plätzen erhoben. Der Gastgeber deklamiert jetzt ergriffen alle acht Strophen von Burns Lobpreis des gefüllten Schafmagens und während er den Vers spricht "His knife see rustic Labour dicht, / An' cut you up wi' ready slicht", sticht er tatsächlich mit dem Messer zu und die Innereien fließen aus dem Haggis auf die silberne Platte. Prost Mahlzeit! Dazu gibt es mashed potatoes und weitere Toasts, unter anderem wird immer wieder des unsterblichen Robert Burns gedacht, indem Stationen seines unsteten Lebens repetiert und seine schottisch sprachigen Gedichte rezitiert oder im Falle einer Vertonung gesungen werden.

Ungewiss ist alle Wiederkehr

Beim Schlussakt des Zeremoniells können dann auch die des Schottischen nicht mächtigen Gäste einstimmen oder zumindest doch mitsummen oder lallen – je nach erreichtem Alkohollevel. Denn die Melodie von "Auld Lang Syne" kennt ja wohl jeder oder jede. Sie basiert zwar auf einem traditionellen (wen wundert’s) schottischen Volkslied, ja, lang, lang ist’s her, und der schottische Text stammt von Robert Burns (wem sonst?). Aber der Song hat sich weltweit verbreitet. Auch deutsche Pfadfinder (und nicht nur die) singen ihn mit Inbrunst, wenn es ans Lebe-wohl-Sagen geht. Also, jetzt bitte alle noch einmal aufstehen, sofern möglich, und los geht’s in memory of Robert Burns: "Nehmt Abschied, Brüder (und Schwestern), ungewiss ist alle Wiederkehr." Wem da nicht die Tränen kommen. Rührung und Sentimentalität sind schließlich keine urschottischen, sondern allgemein menschliche Eigenschaften. In diesem Sinne: hoch die Gläser! Slàinte, Robert Burns!


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