Bayern 2 - Das Kalenderblatt


2

11. Februar 1963 Beatles nehmen "Please Please me" auf

Manchmal muss es schnell gehen, vor allem wenn es um viel Geld geht. Das kann aber auch daneben gehen, denn wer schnell voranschreitet, darf nichts überhudeln. Es sei denn, er ist einer der Beatles. Denen riss man auch Hingeschludertes regelrecht aus den Händen. Autor: Thomas Grasberger

Stand: 11.02.2019 | Archiv

11 Februar

Montag, 11. Februar 2019

Autor(in): Thomas Grasberger

Sprecher(in): Johannes Hitzelberger

Illustration: Tobias Kubald

Redaktion: Frank Halbach

Die bairische Sprache macht einen feinen Unterschied zwischen den Wörtern "ruachad" und "ruaschad"! Ruachad ist jemand, der nicht genug bekommt, also habgierig und geldgeil ist. Ruaschad hingegen ist einer, der übereilt handelt und daher dazu neigt, oberflächlich und schlampig zu agieren. Der potenzielle Zusammenhang zwischen beiden Begriffen liegt auf der Hand. Wenn der Ruach ruascht, dann bedeutet das, dass ein geldgieriger Mensch in seinem Drang nach schneller Münze die nötige Sorgfalt  bei seiner Arbeit vermissen lässt. Was bittschön hat das mit den Beatles zu tun?

Ruaschada Ruach

Nun, wir blicken kurz zurück ins Jahr 1963. In England war die Musikkapelle damals gerade dabei, so richtig berühmt zu werden. Wenige Monate zuvor hatten die Beatles mit "Love me do" ihre erste offizielle Single veröffentlicht und Rang 17 der englischen Charts erobert. Im Januar 1963 folgte die zweite Single, die es auf Rang 2 der Hitliste schaffte. "Please Please me" war der Titel des Songs auf der A-Seite. Alles roch damals nach dem ganz großen Erfolg und noch größerer Kohle. Beatles-Produzent George Martin jedenfalls erkannte die Gunst der Stunde und drängte die Band zur Eile.

Nach dem Single-Erfolg musste möglichst schnell ein ganzes Album her! Man könnte also durchaus sagen, der Produzent war ruachad - wie Produzenten halt so sind - er wollte mehr haben! Und natürlich war die Gefahr groß, dass daraus - hoppla hop! - ein Schnellschuss wird! Dass man also ruaschad und ungenau wird. Nun, in gewisser Weise kam es auch so.

Eigspuit is‘

Die vier Liverpooler gingen nämlich am 11. Februar 1963 in die Abbey Road Studios, um eine Langspielplatte zu produzieren.

Und zwar innerhalb eines Tages. Knapp 13 Stunden brauchten die Beatles, um 14 Songs aufzunehmen.

Nun gut, vier Songs hatte man ja schon im Kasten, wegen der beiden erfolgreichen Singles. Fehlten also noch vier weitere Stücke aus der Feder der Herren Lennon und McCartney. Den Rest füllte man mit sechs Stücken anderer Autoren, also Cover-Versionen, die die Band in ihrem Bühnenrepertoire hatte. Längere Proben waren jedenfalls nicht erforderlich. Das Zwei-Spur-Tonbandgerät wurde einfach eingeschaltet und dann ging es Schlag auf Schlag. Kaum war "There’s a Place" fertig, kam als nächstes "I Saw Her Standing There". Während die Techniker Mittagspause machten, feilten die Beatles im Studio noch ein bisschen an ihren Stücken. Und schon ging´s weiter. "A Taste of Honey", "Do You Want to Know a Secret". Und so weiter. Bis zum späteren Abend, als John Lennon buchstäblich mit letzter Stimmkraft "Twist and Shout" von den Isley Brothers krächzte. Dann ging das Licht aus, und am Ende erhielt jeder Musiker noch bescheidene 14 Pfund und 10 Shilling auf die Hand. Umgerechnet waren das 14 Kasten Bier. Das Debut-Album der Beatles war fertig!

Ein musikalischer Schnellschuss also, zweifelsohne, aber auch ein echtes Musterbeispiel für Arbeitseffizienz. Denn obwohl man dem Album durchaus anhört, dass es etwas ruaschad, also in Eile aufgenommen ist, wurde es doch - dem Ruach George Martin sei Dank - ein Meilenstein der Pop-Geschichte. Das Publikum jedenfalls mochte gar nicht mehr aufhören zu kreischen und zu kaufen, wenn John Lennon und Paul McCartney ins Mikro röhrten: "Come on, come on. Please please me, whoa, yeah"! 29 Wochen lang stand das Album auf Platz eins der Hitparade - und es wurden mehr als 500.000 Exemplare davon verkauft.


2