Bayern 2 - Das Kalenderblatt


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4. November 1842 Abraham Lincoln heiratet Mary Todd

Eine Irre - so urteilten viele Zeitgenossen über die Ehefrau von Präsident Abraham Lincoln. Doch Mary war vor allem eins: eine Frau, die mehr Schicksalsschläge erleiden musste, als ein Mensch verkraften kann. Autorin: Isabella Arcucci

Stand: 04.11.2020 | Archiv

04 November

Mittwoch, 04. November 2020

Autor(in): Isabella Arcucci

Sprecher(in): Johannes Hitzelberger

Illustration: Tobias Kubald

Redaktion: Frank Halbach

Diese höllischen Schmerzen! Es ist der Geist! Der Geist eines Indianers…. er zieht Drähte aus Marys Kopf….  Mary weint. Der Arzt mustert kalt das aufgedunsene Gesicht der einstigen First Lady Mary Lincoln. „Alles Halluzinationen“, sagt er, doch er hilft ihr ja nicht! Und Abe ist nicht mehr da, ist tot. Nur Robert ist noch da, ihr ältester Sohn, schon erwachsen und der will sie weg haben. Weg ins Irrenhaus.

Eine Irre und Spionin?

Zuerst starb Eddie, der Kleine, einen Monat vor seinem vierten Geburtstag. Mary war es, als stürze sie in tiefe Dunkelheit. Und dann auch noch Willie…der Lieblingssohn. Mit 12 Jahren, Typhus vermutlich. Damals lebten sie im Weißen Haus, Abraham Lincoln und seine Frau Mary. Nach Willies Tod schloss Abe sich lange in sein Zimmer ein und trauerte allein. Dann arbeitete er weiter. Doch Mary weinte. Wochen. Monate. Das war nicht die Frau, die Lincoln geheiratet hatte, nicht die brillante Mary Todd aus bester Familie. Die gebildete Mary, die sein, Abrahams, Potential erkannt hatte. Die ihn geheiratet hatte, ihn den country bumpkin – den Bauerntölpel, wie Marys vornehme Verwandte schimpften. Mary heiratete ihn trotzdem. Wurde seine Vertraute, seine Beraterin.

Doch nun weinte Mary, erlitt Nervenzusammenbrüche und Abe flehte. –Reiß dich zusammen Mary, das Land braucht mich, wir haben Bürgerkrieg Mary, deine Söhne Robert und Tad brauchen dich Mary, wenn es so weiter geht musst du in eine Anstalt, reiß dich zusammen Mary! –

Und Mary riss sich zusammen. Mary kaufte ein. 84 Paar Glacéhandschuhe in weniger als einem Monat, sündhaft teure Gardinen und Schmuck für 3200 Dollar –mitten im Krieg! Und Mary machte peinliche Szenen, tobte vor ihrem Mann in aller Öffentlichkeit. Alles ein gefundenes Fressen für die vielen Neider, die sich bisher an ihrem Einfluss gestört hatten. Die „irre Präsidentengattin“! Vielleicht sogar eine Spionin? Schließlich stammte sie aus Kentucky, das auf Seiten der Südstaaten kämpfte…

Love is eternal

Doch Abe hielt zu Mary, hielt ihre Hand, hielt sie bis zum Schluss in der Theaterloge, hielt sie noch als die tödliche Kugel des Attentäters ihn traf.

Mary war jetzt Witwe - und sie war schuld. Weil außer einem befreundeten Paar keiner Lust gehabt hatte, den Lincolns in ihrer Loge Gesellschaft zu leisten. Warum? Na wegen Mary, dieser schrecklichen Person! Und nur deshalb, weil die Lincolns fast allein in der Loge saßen, war es dem Attentäter gelungen, den Präsidenten zu erschießen. All das behaupteten Marys Feinde.

Mary ging auf Europareise, mit Tad ihrem Jüngsten. Er starb kurz nach ihrer Rückkehr. Marys „Irrsinn“, ihre Schmerzen und Halluzinationen nahmen zu, bis ihr einziger noch lebender Sohn Robert sie für kurze Zeit in eine Anstalt einweisen ließ. Ein gefundenes Fressen für ihre einstigen Neider, darunter Lincolns ehemaliger Geschäftspartner, der öffentlich behauptete, Abraham Lincoln habe seine Frau nie geliebt. 

Zahlreiche handschriftliche Dokumente Lincolns beweisen das Gegenteil. Genau wie der Ring, den Abe seiner Mary am Tage ihrer Hochzeit am 4.11.1842 ansteckte. Darauf eingraviert die Worte: Love is eternal  - Liebe ist ewig.


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