Bayern 2 - Das Kalenderblatt


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31. Mai 1894 Patent auf Cornflakes für John H. Kellogg

John Harvey Kellogg war ein Gesundheitsapostel. Er warnte vor fleischlicher Kost, vor Sex und riet zu gründlichem Kauen. Am 31. Mai 1894 ließ er sich das Rezept für seine Cornflakes patentieren.

Stand: 31.05.2013 | Archiv

31 Mai

Freitag, 31. Mai 2013

Autor(in): Carola Zinner

Sprecher(in): Hans-Jürgen Stockerl

Grafik: Angela Smets

Redaktion: Thomas Morawetz

Des Menschen Leben währet kurz und ist geprägt von Siechtum und Krankheit: Mit Zahnausfall, Gicht und Verstopfung beginnen die Altersleiden. Und damit auch die Grübeleien darüber, was alles hätte anders laufen müssen. Ach, wäre man doch noch mal 18 und könnte von vorn anfangen. Auf jeden Fall würde man sich gesünder ernähren. Nie mehr Cola, Bier und Würstchen, stattdessen viermal Obst am Tag und zweieinhalb Liter klares Quellwasser - ganz so wie es die Diätberaterin empfiehlt.

Kein Fleisch, kein Sex, kein Alkohol, kein ...

Der Amerikaner John Harvey Kellogg ging mit seinen Tipps für ein gesundes Leben noch um einiges weiter. Fleischlos müsse es sein, lehrte er, und zwar gleich in zweierlei Hinsicht, nämlich zum einen in punkto Ernährung und zum anderen, was die Liebe angeht. Kellogg war überzeugt, dass Sexualität zu einer Vergiftung des ganzen Körpers führt. Kommt dann noch der Genuss von Kaffee, Gewürzen und Alkohol dazu, ist der Lustmensch so gut wie sicher dem frühen Tod geweiht.

Mit dieser Botschaft, veröffentlicht in mehreren Büchern, stieß Kellogg im puritanischen Amerika auf offene Ohren. Binnen kurzem waren die 700 Betten ausgebucht, die in Kelloggs Sanatorium im idyllischen Battle Creek zur Verfügung standen. In der Hoffnung auf Heilung von Übergewicht und Verstopfung unterwarfen sich die Patienten demütig den strengen Regeln des Hauses: viel Sport, Wasseranwendungen und mehrere Einläufe am Tag. Und natürlich strenge Schonkost.

Beim Essen ging es neben dem was auch um das wie: Kellogg hatte falsches Kauen als Hauptursache vieler Leiden erkannt. Also wurde das Zerkleinern der Speise im Mund erst mal richtig geübt. Zunächst mit Zwieback, dann mit einem widerstandsfähigen Spezialprodukt, das lange zerkaut werden musste, bevor es sich schlucken ließ und das Kellogg selbst erfunden hatte. Das Zeug bestand aus Mais, der erst zu Brei zerkocht, dann dünn ausgewalzt und schließlich getrocknet wurde. Wie alles, was im Sanatorium serviert wurde, schmeckten auch die so entstandenen "Cornflakes" nach nichts, denn nur so waren sie wirklich gesund. Am 31. Mai 1894 ließ John Harvey Kellogg das Rezept für seine Cornflakes patentieren - glücklich darüber, dass es endlich etwas gab, mit dem er dem Menschenkörper zurück helfen konnte in seinen paradiesischen Urzustand.

Doch wo das Paradies ist, ist der Sündenfall nicht weit. Im Falle Battle Creek war der Verräter ausgerechnet Will Kellogg, der jüngere Bruder von John Harvey. Die beiden hatten all die Jahre zusammengearbeitet und gemeinsam auch den kleinen Versandhandel gegründet, der ehemalige Patienten mit den gesunden Produkten des Hauses versorgte.

Zucker und Geld

Will scheint nicht ganz so asketisch gewesen zu sein wie sein Bruder, dafür aber umso geschäftstüchtiger. Er schmuggelte nämlich schon bald ein bisschen Zucker in den Teig. Was den Umsatz der Cornflakes deutlich steigerte, das Verhältnis zwischen den Brüdern jedoch restlos ruinierte. Will stieg daraufhin aus der Firma aus, gründete eine neue und wurde mit der Produktion seiner süßen Cornflakes steinreich, während John Harvey fortan gesunde Kost auf der Basis von Sojabohnen produzierte und zusammen mit seiner Frau sieben Kinder adoptierte. Eigenen Nachwuchs konnte das Paar nicht bekommen, da es, wie erwähnt, aus gesundheitlichen Gründen für sexuelle Enthaltsamkeit war.

91 Jahre alt ist John Harvey Kellogg auf diese Weise geworden. Und könnte damit als Beweis für den Spruch herangezogen werden: "Wer nicht schlemmt, nicht raucht, nicht trinkt und keinen Sex hat, wird 100 Jahre alt. Die Frage ist nur - wozu?"

Tja. Vielleicht - um Cornflakes zu essen.


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