Bayern 2 - Das Kalenderblatt


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29. November 1803 Clemens Brentano heiratet Sophie Mereau

Eigentlich hätten sie wissen können, dass es nicht gut gehen würde miteinander. Trotzdem gaben sich Sophie Mereau und Clemens Brentano am 29. November 1803 das Ja-Wort. Dichter trifft Dichterin, das Ergebnis war eher prosaisch.

Stand: 29.11.2011 | Archiv

29 November

Dienstag, 29. November 2011

Autor(in): Armin Strohmeyr

Sprecher(in): Ilse Neubauer

Redaktion: Thomas Morawetz

Als sich am 29. November 1803 Clemens Brentano und Sophie Mereau in Marburg das Jawort geben, verbinden sich zwei skandalumwitterte Bohemiens. Der Bräutigam ist acht Jahre jünger, er ist ein dichtender Student ohne gelernten Beruf, aber aus großbürgerlichem Haus. Die Braut ist eine Geschiedene von zweifelhaftem Ruf, und sie ist Autorin moralisch recht freizügiger Romane. Mit der Hochzeit beginnt eine Ehe zweier Romantiker, aber keinesfalls eine romantische Ehe.

Sophie wächst in Altenburg als Tochter eines Steuerbuchalters auf und erhält eine erstklassige Bildung. Zunächst scheint sie sich den Normen zu fügen. Sie heiratet 1793 den biederen, langweiligen Jenaer Juristen Karl Mereau. Sie haben zwei Kinder, doch die Ehe der grundverschiedenen Naturen scheitert bald. Sophie fordert für sich von Anbeginn "Freiheit".

Von Schiller protegiert, von Liebhabern umschwärmt

Die nimmt sie sich: Sie geht ihren poetischen Ambitionen nach und wird von Schiller protegiert. Ihr erster Roman "Blütenalter der Empfindung" macht sie berühmt. In Jena hat sie Umgang mit den Brüdern Schlegel, mit Jean Paul, Fichte und Herder. Es folgen weitere Romane, Erzählungen und Gedichte. Und sie lässt sich mit wechselnden Männern ein, vor allem mit blutjungen Studenten. Einer ihrer Liebhaber muss Jena wegen seiner Schulden verlassen. Der nächste, den sie sich angelt, ist begütert: Es ist der schwarzgelockte Student Clemens Brentano, Sprössling eines Frankfurter Banken- und Handelshauses. Im Inneren ist er recht unsicher und hegt gegenüber dem weiblichen Geschlecht konservative Ansichten. Das Paar geht bald im Zwist auseinander.

Auch von ihrem Ehemann, der Sophies Amouren geduldet hat, trennt sich die freiheitssüchtige Autorin und schlüpft bei Verwandten unter. 1801 lässt sie sich scheiden, es ist der erste behördliche Trennungsakt im Herzogtum Weimar. Sophie Mereau führt nun das selbstbestimmte Leben einer freien Autorin, die erste in Deutschland, die von ihren Honoraren leben kann.

… dann doch noch Clemens Brentano

Zwei Jahre später begegnet sie Clemens Brentano wieder. Erneut funkt es, und beinahe wider alle Vernunft heiraten die beiden. Sie ziehen nach Heidelberg, das zum geistigen Zentrum der Romantik wird. Doch Clemens erträgt die Erfolge seiner Frau nicht und hätte sie gern als häusliches Weibchen. Er ist eifersüchtig, obwohl sie es sein müsste, treibt er sich doch wochenlang mit seinem Freund Achim von Arnim in Berlin herum, eine Beziehung, der schon Zeitgenossen eine erotische Note unterstellen. Erbost schreibt Sophie nach Berlin: "Einen größern Don Quichote wie dich trug gewiss nicht die prosaische Erde!"

Die Ehe bleibt spannungsgeladen. Zwei Kinder sterben, nur wenige Wochen alt. 1806 ist Sophie wieder schwanger. Sie kommt am 31. Oktober nieder. Mutter und Tochter sterben bei der Geburt. Clemens ist untröstlich und schreibt seinem Herzensfreund Achim: "Aus dem Leben bin ich gerissen."

Das Leben war für ihn noch lange nicht zu Ende. Keine neun Monate später entführt Brentano die minderjährige Auguste Bußmann, Mündel eines Frankfurter Bankiers, und löst damit erneut einen Skandal aus.


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