Bayern 2 - Das Kalenderblatt


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25. November 1865 Heinrich Barth gestorben, Sahara-Forscher

Heinrich Barth war der erste Weiße, der es schaffte, die Sahara zu durchqueren. Seine jahrelange Erkundung der Wüste verschaffte ihm sogar den Respekt der Menschen dort. Autor: Hans-Werner Gille

Stand: 25.11.2016 | Archiv

25 November

Freitag, 25. November 2016

Autor(in): Hans-Werner Gille

Sprecher(in): Andreas Wimberger

Illustration: Tobias Kubald

Redaktion: Frank Halbach

Wieso es der eine schafft und der andere nicht - wir können es nur ahnen. Alle, die Mammutleistungen vollbringen, wissen genau was ihnen bevorsteht, wenn es erst einmal losgegangen ist: Und so spielen sie vorher noch ein bisschen herum.

Heinrich Barth zum Beispiel, der als erster Weißer die Sahara durchquerte - von 1850 bis 1855 -, begann seinen Tag mit einem Blick auf das Wappenbild seiner Heimatstadt Hamburg. Kühler Wind und Regenschauer. Vielleicht halfen ihm die Gedanken daran, durch Nordafrikas Wüsten weiterzuziehen, nicht aufzugeben bei 40 Grad im Schatten, bei Staubstürmen, die jede Pore seiner Haut verstopften. Selbst als er von Nomaden ausgeraubt worden war, ihn Fieber und Erschöpfung niedergeworfen hatten, als er in Timbuktu als Christ von fanatischen Muslimen beinahe gesteinigt worden wäre, gab er nicht auf. Er kaufte sich mit einem Lösegeld frei und ließ sich hinausjagen in die hitzeflimmernde Wüste.

15.000 Kilometer zu Fuß und auf Kamelen

Ein starker Charakter. Vielleicht ein Grundzug im Wesen aller großen Abenteurer und Forscher. Sieht man sich die Arbeitsbedingungen und die Arbeitsleistungen dieser Menschen an, dann fragt man sich, woher sie die Kraft nehmen. Heinrich Barth, um bei ihm zu bleiben, legte 15.000 Kilometer zu Fuß und auf Kamelen durch die Sahara zurück, lernte dabei arabisch und zehn afrikanische Sprachen und schrieb jede Beobachtung zweimal auf - einmal in sein Tagebuch, das er bei sich trug, zum zweiten Mal in ein Heft, das er den Karawanenführern mitgab, zu denen er Vertrauen hatte. Sie sollten es für ihn zu einem europäischen Konsul in einer der Küstenstädte bringen. Sollte er eines Tages spurlos in der Wüste verschwinden, so wären durch diese Vorsichtsmaßnahmen wenigstens seine Beobachtungen gerettet.

Und - die waren es wert. Er zeichnete die Geschichte der Wüstenstämme auf, ihre Sitten, die Art der Land- und Viehwirtschaft, beschrieb Tiere, Pflanzen und Oasen, hielt die Tag- und Nachttemperaturen fest...

Heute stützen sich selbst afrikanische Universitäten auf seine Aufzeichnungen, denn Barths Tagebücher gehören zu den ganz wenigen schriftlichen Quellen über das Leben in der Sahara um die Mitte des 19. Jahrhunderts.

Abd el Kerim - der Diener des Allerhöchsten

Für die Beduinen aber ging das, was dieser Deutsche tat, offenbar nicht mit rechten Dingen zu. Jahr um Jahr durch Gebiete zu ziehen, die als "Grab des weißen Mannes" in die Geschichte eingingen - nein, das tat kein Mensch aus eigenem Antrieb; da musste der Teufel oder Gott seine Hand im Spiel haben. Die Wüstensöhne entschieden sich für letzteres. Und so gaben sie ihm den Beinamen Abd el Kerim - der Diener des Allerhöchsten.

Das war nicht nur ein Name; das sollte ein Schutzbrief werden. Viele Jahre nach Heinrich Barths Tod am 25. November 1865 in Berlin zog der französische Forscher Emile Hourst durch die Sahara. Stammeskämpfe machten die Oasen unsicher und bedrohten auch seine Expedition. Hourst fragte einen angesehenen Häuptling der Tuareg um Rat. "Sage, du seiest ein Sohn Abd el Kerims, dann tut dir keiner was", war die Antwort.

Wie angenehm ist es doch, in Länder zu reisen, in denen man sich auf solche Schutzbriefe verlassen kann.


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