Bayern 2 - Das Kalenderblatt


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24. Juli 1628 Johannes Junius schreibt Abschiedsbrief

An die 1.000 Menschen hat der Bamberger Fürstbischof Fuchs von Dornheim als Hexen hinrichten lassen - und ihr Vermögen eingestrichen. Erschütternd ist der Brief des Johannes Junius, den er am 24. Juli 1628 aus dem Kerker schrieb.

Stand: 24.07.2013 | Archiv

24 Juli

Mittwoch, 24. Juli 2013

Autor(in): Xaver Frühbeis

Sprecher(in): Johannes Hitzelberger

Illustration: Angela Smets

Redaktion: Thomas Morawetz

Das Seelenheil der Menschen ist eine wichtige Sache und den Ruhm Gottes zu mehren ehrenvoll. Problematisch wird es, wenn beides als Vorwand benutzt wird, des Nächsten Hab und Gut an sich zu reißen. Ein fanatischer Katholik und Hexenjäger war der Fürstbischof Johann Georg II. Fuchs von Dornheim. Mitten in Bamberg ließ der Bischof ein Haus bauen, in dem er jeden gefangen halten und foltern ließ, der denunziert worden war, mit dem Teufel im Bunde zu stehen. Mit der Zeit jedoch bemerkte Fuchs von Dornheim, dass das Hexenjagen ins Geld geht. Die Gefängnisinsassen mussten verpflegt werden, Kerkermeister und Rechtsgelehrte wollten bezahlt sein, und auch Scheiterhaufen gab es nicht umsonst. Ein Problem, für das sich bald eine Lösung fand. Der Fürstbischof jagte nur noch reiche Bürger, und sobald sie tot waren, nahm er ihr Eigentum an sich.

Ganze Familien ausgelöscht

Das Verfahren bewährte sich. In den acht Jahren von 1623 bis 31 hat Fuchs von Dornheim an die tausend Bamberger Bürger ums Leben gebracht. Ganze Familien wurden ausgelöscht, darunter Kinder und Schwangere, die gesamte Führungsschicht der Stadt, Hofstiftskanzler, Ratsherren, Bürgermeister, einer nach dem anderen wurde denunziert und hingerichtet und ihre Vermögen und Güter eingezogen. Es heißt, der Bischof habe auf diese Weise die ungeheure Summe von 500.000 Gulden an sich gebracht.

Natürlich war allen klar, dass das, was da in Bamberg vorging, ungesetzlich war. Der Reichshofrat am Wiener Kaiserhof forderte den Bischof mehrmals auf, seine Hexenjagden einzustellen. Doch der antwortete einfach nicht oder redete sich heraus, er zögerte sogar die Vorlage von Prozessunterlagen hinaus, um sie zuvor fälschen zu lassen. Schließlich setzte im Juni 1631 der Reichshofrat durch, dass niemand mehr auf bloße Denunziation hin der Hexerei angeklagt werden konnte. Die Hexenkommissare zogen ab, das Bamberger Gefängnishaus wurde abgerissen, der Fürstbischof selbst starb kurz danach.

Folterknechte geben guten Rat

Heute weiß man von diesen Jahren des "Terrors von oben" vor allem durch die Prozessakten, die sich erhalten haben und in denen man ein einzigartiges Zeugnis dieser Zeit gefunden hat: einen Brief von Johannes Junius, Bürgermeister und Ratsherr der Stadt Bamberg, an seine Tochter Veronica, geschrieben nach Tagen der Folter, mit zerschundenen Händen. "Unschuldig bin ich in das Gefängnis kommen, unschuldig bin ich gemartert worden, unschuldig muss ich sterben", schreibt Junius. Ausführlich schildert er, wie man ihm Daumenschrauben angesetzt hat, wie man ihn nackt ausgezogen und an auf den Rücken gebundenen Händen ins Dachgebälk hinaufgezogen hat, wie die Folterknechte ihm geraten haben, um Himmelswillen irgendetwas zu erfinden, was die Kommissare hören wollten. Und so schildert Junius, wie er zugegeben hat, Hostien geschändet und sich vom Teufel taufen lassen zu haben, "alles Lügen", sagt er, und wie er Freunde benannt hat, mit dabei gewesen zu sein, genau wie seine Freunde unter der Folter ihn benannt haben. Wer in dieses Haus kommt, schreibt Junius, der wird zum Hexer werden und es nicht mehr lebend verlassen. Und er endet mit einem Gruß an seine Tochter: "Zutausend guter Nacht", schreibt er. "Dein Vater Johannes Junius siehet dich nimmermehr."

Der Brief stammt vom 24. Juli 1628. Zehn Tage später hat man Junius zu Bamberg verbrannt. Den Abschiedsbrief hat man abgefangen und zu den Akten gelegt. Seine Tochter hat ihn nie erhalten.


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