Bayern 2 - Das Kalenderblatt


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22. Februar 1632 Galilei veröffentlicht seinen „Dialogo“

Galileo Galilei hatte richtig Ärger mit der Inquisition bekommen, als er am 22. Februar 1632 sein „Gespräch über die zwei wichtigsten Weltsysteme“ unter die Leute brachte. Dabei war seine Behauptung, die Erde drehe sich um die Sonne und nicht umgekehrt, noch nicht einmal des Problem dabei.

Stand: 22.02.2010 | Archiv

22 Februar

Montag, 22. Februar 2010

Autor(in): Christian Feldmann

Redaktion: Thomas Morawetz

Wir wollen nicht ungerecht sein: Wichtige astronomische Erkenntnisse gehen schon auf sein Konto. Galileo Galilei beobachtete, dass die Mondoberfläche einem Gebirge mit Tälern und Kratern gleicht; er fand heraus, dass die Milchstraße kein gigantischer kosmischer Nebel ist, sondern eine Ansammlung zahlloser Sterne; er entdeckte die größten der Jupitermonde, zu Recht heißen sie heute noch die „Galileischen Monde“. Aber die wissenschaftliche Revolution, die er sich gern auf die eigene Fahne geheftet hätte, die hatte schon ein Jahrhundert zuvor der fromme ermländische Domherr Nikolaus Kopernikus vollzogen. Kopernikus im Jahr 1507: „Die Erde ist nicht der Mittelpunkt der Welt.“ – „Die Sonne dreht sich nicht um die Erde, sondern umgekehrt.“

Galilei ist auch alles andere gewesen als ein skeptischer Atheist und Rebell gegen die Lehrautorität der Kirche. Er hatte Mönch werden wollen. Römische Jesuiten, Vatikanbeamte, Kardinäle bewunderten und förderten ihn, im Wissen, dass das alte Weltbild – die Erde als Mittelpunkt des Weltalls – ausgedient hatte. Und trotzdem – urplötzlich – fiel Galilei in Rom in Ungnade. Am 22. Februar 1632 hatte er dem Großherzog der Toskana seinen „Dialogo (…) sopra i due Massimi Sistemi del Mondo“ gewidmet, das erste gedruckte Exemplars des „Gesprächs über die zwei wichtigsten Weltsysteme“. Prompt zwang ihn die Inquisition zum Abschwören und steckte ihn in Hausarrest. Warum? – Das ist nun wiederum eine höchst verzwickte Geschichte.

Denn gegen die Grundaussage dieses fiktiven Gelehrtengesprächs, dass nämlich erheblich mehr für das neue kopernikanische Weltbild mit der Sonne als Zentrum des Kosmos spreche als für die alte ptolemäische Weltsicht, dagegen hatte man im Vatikan herzlich wenig. Man verübelte Galilei vielmehr die selbstverliebte Arroganz, mit der er sämtliche schlechten, veralteten Argumente einer lächerlichen Figur namens Simplicio in den Mund legte. Denn dieser Simpel trug unverkennbar die Züge von Papst Urban VIII. Ausgerechnet Urban, der Galileis größter Gönner gewesen war, als er noch Kardinal Maffeo Barberini hieß und auch jetzt noch seine schützende Hand über ihn hielt! Und Galilei war nicht bereit, seine Idee als Hypothese zu kennzeichnen, wie von Rom gefordert; nein, er vertrat sie kühn als der Weisheit letzten Schluss.

Das klingt sympathisch, aber es gibt kluge Leute, die meinen, damals hätte Rom mit seinem geschmeidigen Abwarten die Position der Vernunft vertreten und Galilei habe sich nach modernen wissenschaftlichen Maßstäben wie ein altmodischer Fanatiker verhalten. So argumentierte etwa 1976 der österreichische Philosoph Paul Feyerabend. In der Tat war Galilei niemals bereit, die eigene Überzeugung zu relativieren. Bescheidenheit oder gar Selbstironie war seine Sache nicht. „Mir allein war es vergönnt, alles Neue am Himmel zu entdecken, niemand anderem als mir allein!“ prahlt er in seinen privaten Briefen.

Man hat ihn weder gefoltert noch eingekerkert noch exkommuniziert – alles Legenden. Während des Prozesses wohnte er privat bei einem Inquisitionsbeamten

und ließ sich aus der Küche der florentinischen Botschaft verköstigen, die als die beste von ganz Rom galt. Und nach seiner Verurteilung – die Papst Urban übrigens nicht unterzeichnete – gab es lediglich Hausarrest und ein Verbot, zu publizieren; forschen durfte er weiterhin.

Selbstverständlich tat Papst Wojtyla 1992 dennoch Recht daran, Galilei ohne Wenn und Aber zu rehabilitieren. Erzbischof Ravasi, der Präsident des Päpstlichen Kulturrates, dachte inzwischen laut darüber nach, welch hervorragenden Schutzpatron für den Dialog zwischen Wissenschaft und Glauben Galilei abgäbe. Galileo Galilei: Brückenbauer und Grenzgänger. Denn der neuzeitliche Individualist und Selbstinszenierer war in seinem sturen Bekehrungseifer doch zugleich noch ein ganz mittelalterlicher Mensch.


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