Bayern 2 - Das Kalenderblatt


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12. September 1835 Die Tuba wird patentiert

1835 entwickelten zwei Berliner - Wilhelm Wieprecht, Direktor sämtlicher Musikchöre des Königlich Preußischen Garde-Corps, und Johann Gottfried Moritz, Hof-Instrumentenmacher, ein neues Blasinstrument, das bald aus der preußischen Musik nicht mehr wegzudenken war - die Basstuba.

Stand: 12.09.2011 | Archiv

12 September

Montag, 12. September 2011

Autor(in): Xaver Frühbeis

Sprecher(in): Johannes Hitzelberger

Redaktion: Thomas Morawetz / Wissenschaft und Bildung

Zuweilen werden die Dinge ganz grässlich zweckentfremdet. Ökosteuern wandern in die Rentenkasse, Frauen gehen putzen, und die Basstuba, das tiefste aller Blechblasinstrumente, darf als Blumentopf herhalten, nur weil sie oben so ein großes Loch hat. Der Kalenderblattautor erinnert sich noch genau daran, wie sein noch viel weltberühmterer Bruder ein großes schmutziges Etwas erstand, dessen Inneres voller Blumenerde war, das sich aber nach einem ausgiebigen Reinigungsvorgang als wunderbare, versilberte, vierventilige Besson Tuba entpuppte.

Heute also hat die Tuba Geburtstag. So richtig Geburtstag eigentlich nicht, aber: die beiden Väter der Tuba, Mütter gab es keine, haben am 12. September 1835, die freudige Nachricht erhalten, dass ihr Kind ein echtes sei, und außerdem das ihre, und dass keiner außer ihnen noch so eins machen dürfe, außer: er zahlt dafür. Am 12. September 1835 erhielten Wilhelm Wieprecht, Direktor sämtlicher Musikchöre des Königlich Preußischen Garde-Corps, und der Hof-Instrumentenmacher Johann Gottfried Moritz, beide: Berlin, ein zehnjähriges Patent auf die Erfindung eines neuen Blasinstruments namens Basstuba.

Die Freude war groß, denn jahrzehntelang hatte man gesucht: nach einem Instrument in der Blechbläserriege, das tief klang, aber nicht mickrig oder zittrig oder gar unsauber. Frühe Experimente waren in der Existenz rätselhafter Geräte wie der Ophikleide oder des schlangenförmigen Serpents gemündet. Im Grunde waren die Instrumentenbauer daran gescheitert, dass es die Ventile noch nicht gab, jene geniale Knopfdruckvorrichtung, mittels derer ein Blechbläser alle Töne der Tonleiter in reiner Form hervorbringen kann.

Nun aber waren die Ventile erfunden, und die Tuba stand da und wartete darauf, gespielt zu werden. Wieprecht als Chef der preußischen Militärmusik verpflichtete jede Kapelle dazu, zwei Basstubisten zu besetzen.

Die Dirigenten der klassischen Orchester wollten diese wunderbaren neuen Töne auch haben, und so war die Tuba schon bald aus der gesamten preußischen Musik nicht mehr wegzudenken.

Und auch das Ausland interessierte sich dafür. Aus Frankreich eilte herbei: Hector Berlioz, Komponist und großer Wegbereiter des modernen Orchesterklangs. Auf einer Deutschlandtournee begegnete er den ersten Basstuben seines Lebens, kurz nachdem sie in Preußen eingeführt worden waren. Und er berichtete begeistert nach Hause: der Effekt, den eine große Zahl Basstuben in einer Militärkapelle mache, sei jenseits jeder Vorstellung.

So also war der Siegeszug der Tuba nicht mehr aufzuhalten, auf allen Musikbühnen der Welt sitzen rotgesichtige Herren hinter großen Blasegeräten und pusten tiefe Töne heraus, und wenn sie ihre Tuba einmal gar nicht mehr ausstehen können, dann stellen sie sie in die Ecke, füllen Blumenerde hinein und lassen Geranien draus wachsen. Auch das kann schön sein.


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