Bayern 2 - Das Kalenderblatt


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10. September 1811 Berzelius schlägt Schrift für chemische Elemente vor

Immer mehr chemische Elemente entdeckte man im 18. Jahrhundert, die Welt war komplexer als gedacht. Am 10. September 1811 schlug Jöns Jacob Berzelius vor, wie man die verschiedenen Elemente übersichtlich darstellen könnte.

Stand: 10.09.2014 | Archiv

10 September

Mittwoch, 10. September 2014

Autor(in): Hellmuth Nordwig

Sprecher(in): Johannes Hitzelberger

Illustration: Angela Smets

Redaktion: Susi Weichselbaumer

Irgendwo zwischen 4 waagerecht und 15 senkrecht, da gibt es in jedem Kreuzworträtsel diese zwei Buchstaben. Leichtes Spiel für die Rätselmacher: Eine Frage - über 100 mögliche Antworten. "Chemisches Element" heißt die Zauberformel. Und die Lösung, ganz nach Bedarf: Br oder Ag, Wo oder Mb. Vieles geht natürlich auch mit Autokennzeichen. Aber bei Pt, Zn oder Ti, da muss wirklich die Chemie ran.

Philosophen, Alchemisten ...

Die hat es sich früher viel leichter gemacht: Mit vier Elementen sind die alten Griechen ausgekommen. Feuer, Wasser, Luft und Erde: Damit hat zum Beispiel Aristoteles die stoffliche Seite der Welt erklärt, und das nicht mal schlecht. Man muss sich das ungefähr so vorstellen: Bier - das sind 85 Prozent Wasser,
10 Prozent Luft (nämlich der Schaum) und 5 Prozent Feuer (heute sagen wir Alkohol dazu). Die Alchemisten waren dann die ersten, die über Substanzen nicht nur philosophierten, sondern auch Experimente anstellten.

Vorgeblich ging es den Alchemisten darum, Gold herzustellen, nach dem bekanntlich alles drängt. In Wahrheit lieferten ihre "mannigfachsten" Versuche einen profunden Überblick über die Spielarten der Materie: Rubinglas, Phosphor, Schießpulver, Porzellan, Zinnober und Salmiak - das waren greifbare Ergebnisse ihrer Jahrhunderte währenden Arbeit. Im 18. Jahrhundert genügten vier Elemente nicht mehr, um all das zu erklären: "Erde" gab es offenkundig in einer "merkurialischen", "glasartigen" oder "brennbaren" Ausprägung. Zudem hatten die Meister in ihren Hexenküchen Apparate ersonnen, mit denen sie Gase genauer erforschten.

Und siehe da: Auch die "Luft" ließ sich in mehrere Bestandteile zerlegen, und dem "Wasser" ging es nicht besser. Folgerichtig nannten sich die Alchemisten nunmehr "Scheidekünstler". Kurz und gut: Das Weltbild stand auf dem Kopf, und in Frankreich war auch noch Revolution.

... Chemiker

Mitten in diesem Durcheinander ordnete ein Pariser Gemeinderat namens
Jean-Henri Hassenfratz die Welt der mittlerweile 24 Elemente neu. 1793 schlug er ein System aus Kreisen, Halbkreisen, Strichen und Buchstaben vor. Zu kompliziert, fand der Engländer John Dalton, der nur mit gemusterten Kreisen auskommen wollte. Hätte er sich durchgesetzt, wäre heute jede chemische Formel ein Bild, an dem Wassilij Kandinski seine Freude gehabt hätte.

Dass daraus nichts wurde, hat der schwedische Arzt Jöns Jacob Berzelius zu verantworten. Er nahm sich die Elemente noch einmal genau vor, fand derer
46 und verkündete am 10. September 1811: Jedes davon bekommt einen oder zwei Buchstaben. Oft stand der lateinische Name Pate für das Symbol, wie bei "argentum" für Silber, kurz Ag. Und schnell war klar: Es gibt sogar noch viel mehr Elemente, und da sind Buchstaben einfach praktischer als Bilder.

Was fürderhin also in Mineralien, Salzen und Erzen entdeckt wurde, bekam einfach ein neues Kürzel - und gut 50 Jahre nach Berzelius war das Schema fertig, das wir heute Periodensystem nennen. Da hießen die Scheidekünstler längst Chemiker und tauften die Elemente, wie es dem Zeitgeist gerade passte: Br ist vom griechischen Wort für Gestank abgeleitet, V von dem Frauennamen Vanadis, angeblich eine Göttin. Das Element mit der Nummer 116 war übrigens bislang das letzte, das 2012 seinen Namen bekam: Livermorium. Kreuzworträtsel-Fans dürfen sich das Kürzel Lv merken.


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