Bayern 2 - Das Kalenderblatt


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5. Juli 1946 Bikini wird in Paris präsentiert

Der Krieg war gerade vorbei, und plötzlich sollten die Frauen so gut wie nackt herumlaufen - am Strand jedenfalls. Erwartungsgemäß gab es einen Skandal, als am 5. Juli 1946 in Paris der Bikini präsentiert wurde. Erfunden hat ihn ein Meister des Altherrenwitzes.

Stand: 05.07.2011 | Archiv

05 Juli

Dienstag, 05. Juli 2011

Autor(in): Prisca Straub

Sprecher(in): Krista Posch

Redaktion: Thomas Morawetz / Wissenschaft und Bildung

Frankreich im Sommer 1946: Jahrelang ist man nicht am Strand gewesen. Doch der Krieg ist inzwischen ausgestanden - jetzt geht es endlich wieder darum, eine gute Figur zu machen. Und vier winzige Stoff-Dreiecke und ein paar Kordeln sollten dabei enorme Sprengkraft entfalten.

Als der Bikini am 5. Juli 1946 der Öffentlichkeit präsentiert wurde, sorgte das Minimum an Stoff für eine Sensation. Weil sich kein seriöses Mannequin an den waghalsigen Zweiteiler herangewagt hatte, schritt schließlich eine Striptease-Tänzerin in einem Pariser Edelschwimmbad über den Laufsteg. Und den Zuschauern stockte der Atem: Die mondäne Dame war von den Keilsandalen aufwärts so gut wie nackt: knapp und knackig statt hochgeschlossen und selbstgestrickt. Die junge Tänzerin soll nach ihrem Auftritt übrigens Tausende von Verehrer-Briefen erhalten haben und wurde buchstäblich über Nacht berühmt.

Verantwortlich für die skandalös geschrumpfte Badebekleidung, die viel Haut und Gesäßmuskulatur entblößte, war Louis Réard, ein gelernter Autoingenieur - ausgestattet mit einem geschickten Händchen für Design und dem Esprit einer Stammtischrunde zu vorgerückter Uhrzeit: Eine Frau, so verkündete ein leicht angeheiterter Réard am festlich beleuchteten Beckenrand, eine Frau sei eine wunderschöne Geschenkverpackung. Hübsch anzuschauen, aber schließlich wolle man doch das Seidenband öffnen, um zu sehen, was drin sei.

Knappes Höschen, sparsames Oberteil - was die Gemüter elektrisierte und Sittenwächter erhitzte, das rief auch die katholische Kirche auf den Plan: Man zerrte den Mode-Designer vor Gericht. In Schwimmbädern schritt die Polizei ein, wenn unterm Sonnenschirm ein Bikini auftauchte. Und rund und ums Mittelmeer bekam der anstößige Zweiteiler Badeverbot: Touristinnen, die sich nicht daran hielten, wurden von eifrigen Beamten ins Hotel zurückeskortiert.

Von der skandalösen Laufbahn des Winzlings, war der Modeschöpfer selbst übrigens alles andere als überrascht. Dass das knappe Kleidungsstück einschlug wie eine Bombe, das hatte der findige Franzose sogar ganz bewusst mit einkalkuliert: Schließlich hatte Réard seinem Badekostüm einen Namen verpasst, der am Tag der Premiere bereits in aller Munde war: Vier Tage zuvor hatten die Amerikaner eine Atombombe auf dem pazifischen Bikini-Atoll gezündet. Zu Testzwecken. Die Durchschlagskraft der Kernwaffe, so Réard, zeige doch eine gewisse Verwandtschaft mit der Explosivität seiner reizenden, kleinen, zweiteiligen "Création".

Der Mann litt also nicht nur am Altherrenwitz, sondern war auch sonst nicht der Sensibelste. Es hat ihm nicht geschadet: Den Namen Bikini ließ er sich gesetzlich schützen und starb als lebensfroher Millionär hochbetagt im schweizerischen Lausanne.

Auch der Bikini ist inzwischen in die Jahre gekommen:
Er hat Brigitte Bardot überstanden, Ursula Andress und die Frauenemanzipation. Und seine Sprengkraft riecht mitunter ein wenig nach Mottenkiste: Sexbomben mit Atombusen reißen heute kaum noch jemanden vom Hocker. Der Bikini ist beliebtes, weibliches Strand-Accessoire - nicht viel mehr. Und manchmal sogar etwas weniger. Denn G-String und der minimalistische Microkini machen ihm ernsthaft Konkurrenz. Und viele Frauen lassen das Oberteil ohnehin gleich ganz weg.


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