Bayern 2 - Das Kalenderblatt


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4. Juni 1629 Die Batavia läuft auf ein Riff

Die Passagiere hatten Glück im Unglück, als ihr Schiff, die Batavia, am 4. Juni 1629 auf ein Riff lief. Immerhin konnten sie sich auf eine Insel retten. Dort erst begann das Drama mit vielen Toten. Und einem kleinen Happy End.

Stand: 04.06.2014 | Archiv

04 Juni

Mittwoch, 04. Juni 2014

Autor(in): Julia Zöller

Sprecher(in): Andreas Wimberger

Illustration: Angela Smets

Redaktion: Thomas Morawetz

Seegang, kräftig, in der Ferne: ein Schiff, volle Segel, die Kamera zoomt heran: ein Dreimaster, dramatische Musik, am Heck flattert die Fahne. Klassischer Filmanfang. Aber die "Batavia" sah wirklich so aus.

Aufgelaufen, mitten in der Nacht

Von der Nähe muss sie ganz schön gestunken haben, nach sieben Monaten auf See, vollgepackt mit Handelswaren und mit Passagieren, die sich schrecklich gelangweilt haben. Die Stimmung auf der Batavia war also schon schlecht, BEVOR das eigentliche Unglück passierte. Schlimmer: die Zeichen standen auf Meuterei, als der schwere Schiffsrumpf in der Nacht auf den 4. Juni 1629 plötzlich auf einen Felsen prallt. Die Batavia legt sich auf die Seite - in den Indischen Ozean. Das ist jetzt ganz nach dem Geschmack eines Drehbuchschreibers, aber so ist es tatsächlich passiert. Zum Glück gehört zu diesem Felsen auch ein winziges Festland, gerade mal so groß, dass die etwa 240 Kinder, Frauen und Männer, die sich gerettet haben, einfache Lager bauen können, aus angeschwemmten Schiffsteilen. Von diesem Inselchen aus sehen die Schiffbrüchigen mit an, wie das Wrack der Batavia, als Wind und Meer ihr Spiel getrieben haben, zerbirst und sinkt.

Im Film würde jetzt der Kapitän im Beiboot aufbrechen um Hilfe zu holen, und genauso ist es auch gewesen. Und auf der Insel würde auf einmal noch ein Überlebender angeschwemmt werden. Das wäre zwar unwahrscheinlich, aber genauso ist es passiert. Der Mann heißt Jeronimus Cornelisz, ist Unterkaufmann, eine Autorität auf der Batavia. Er packt mit an, organisiert das Lager, gibt den Leuten Mut. Aber im Film wüsste der Zuschauer jetzt schon: das geht schief. Und da hätte er recht. Denn  Jeronimus Cornelisz hat den Teufel im Leib. Schon auf hoher See hat er eine Meuterei geplant, jetzt schart er die brutalsten und dümmsten Kerle um sich und herrscht über die Gruppe. Wer aufmuckt, wer krank ist, oder wer seinen Männern zur falschen Zeit über den Weg läuft wird einfach umgebracht.

Eigentlich sehen die Meuterer zum Schreien komisch aus, mit ihren selbstgebastelten Phantasie-Uniformen, die sie sich aus der angeschwemmten Ladung der Batavia gebastelt haben. Aber sie besitzen die Waffen und die letzten Vorratsfässer, und alle anderen besitzen: nichts.

Echter Showdown

Als wäre es ein Film, aber es war keiner, teilen sich die Männer die Frauen auf. Und als wäre es ein Film, gibt es auch echte Helden. Zum Glück. Ein paar Überlebende haben sich von der Gruppe abgesetzt, auf eine fast genauso kleine Nachbarinsel. Diese Männer helfen zusammen, finden Wasser, jagen Tiere - die Guten eben. Als Jeronimus Cornelisz Konkurrenz wittert, beschließt er anzugreifen.
Gut gegen Böse. Gut und unbewaffnet, gegen Böse und bewaffnet. Showdown auf einer felsigen Insel im Ozean. Es sieht nicht gut aus für die Guten.

Jetzt würde ein Drehbuchautor ein Schiff am Horizont auftauchen lassen. Und: WIRKLICH! Es ist so gewesen. Dem Kapitän ist es tatsächlich gelungen, sich 1000 Seemeilen bis ins heutige Jakarta durchzuschlagen. Und im letzten Moment kommt Hilfe. Cornelisz und den brutalsten seiner Helfer wird noch auf der Insel der Prozess gemacht. Wenn sie im Wind am Galgen baumeln, könnte die Kamera langsam zurückfahren und der Abspann durchlaufen. Der Schiffbruch der Batavia ist aber genauso passiert. Nur verfilmt ist er noch nicht.


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