Bayern 2 - Jazz & Politik


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Entscheidungslösungswiderspruch Material Mensch

Was ist schon dabei etwas zu spenden? Aber wenn's um den eigenen Körper geht? Im Bundestag wird ernst debattiert. Und wir fragen uns, warum alle so scharf sind auf Herzen und Nieren - von uns. Nun, wir könnten es selbst mal brauchen.

Von: Lukas Hammerstein

Stand: 16.01.2020

Spenderinnen und Spender sind großzügig. Fällt schwer, auch wenn man tot ist. Vielen gruselt es beim Gedanken, die einst so schönen Augen herzugeben, Haut als Grundstoff für Pharmaka. Wenn der menschliche Körper zum Objekt der Begierde wird, verkümmert die Spender-Lust.

Objekt

Wenn der Fraktionszwang aufgehoben wird im Bundestag, muss es um eine große Sache gehen. Die Organspende ist sicher eine: Schlimm für den gerade noch Lebenden, weil es ihn untrennbar mit dem Tod verbindet. Schlimm für die Angehörigen, die zulassen sollen, dass der geliebte Mensch zerlegt wird. Gut für die Kranken, die auf ein Spender-Organ hoffen.

Ding

Der Mensch hat einen Körper, nicht immer ist er ihm ein guter Freund, nicht alle gehen freundlich mit ihm um. Und dann kommt der Tod. Der König hatte gar zwei Körper, aber wie es um die Monarchie steht, sehen wir gerade an Harry und Meghan. Was wir partout nicht leiden können, ist, wenn die Gier ins Spiel kommt - auf Leber, Haut und Milz. Wenn gefeilscht wird und geschoben. Dann bleiben wir lieber ganz, auch after life.

Ware

Das Dumme an der ganzen Angelegenheit ist, dass wir uns fast alle selbst zur Ware machen. Indem wir posten und tindern und unsere Wertschätzung für uns selbst auf Instagram ausstellen. Der Mensch wird nicht nur zur Ware gemacht, er führt sich selbst wie eine auf. Lässt sich "schön"-schneiden und botoxen, verkauft seine Seele an den eigenen Konsum.


Jazz & Politik, Samstag, 18.01.2020, 17:05 Uhr, Bayern2

  • Was kostet die Welt - oder ein Herz? Ein Kampf um Tod und Leben (Mario Kubina)
  • Tod des Körpers, Leben der Untoten. Kapitalismus und Todestrieb (Byung-Chul Han / Sprecher: Axel Wostry)
  • Der Mensch als Objekt - des Kapitals, des Profits, des eigenen Konsums (Julia Fitzsche)
  • Von Sozialismus bis Klimawandel: Der Mensch als Mörtel der Gesellschaft (Tobias Krone)
  • Die Frau als selbstbestimmtes Objekt? Geständnis einer Schönheitschirurgin (Joana Ortmann)
  • Die Superspender: "Alles was wir geben mussten" von Kazuo Ishiguro (Sprecherin: Katja Schild)

Redaktion und Moderation: Lukas Hammerstein
Musikauswahl: Roland Spiegel


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