Bayern 2 - Jazz & Politik


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Ein Abgesang Wir waren so frei

Freiheit ist ein großes Wort. Wovon wollten wir sie noch mal haben? Wofür setzen wir sie ein? Man wird sich doch frei fühlen dürfen. Die Frage war wohl schon immer: Wo hört die Unmündigkeit auf und fängt Freiheit richtig an?

Von: Lukas Hammerstein

Stand: 28.10.2019

Man kann sich frei fühlen andern zu helfen - oder ihnen Unrecht anzutun. Man kann die Freiheit für sich reklamieren immer nur auf sich zu achten. Me first! Me too? Was nützt uns alle Freiheit, wenn wir nur wieder zurück zur neuen Knechtschaft streben?

Todsicher

Wer sich dem weisen oder wüsten Ratschluss irgendwelcher Herrscher überlässt, muss sich ja unfrei fühlen. Dafür weiß er todsicher, was auf ihn zukommt, jetzt mal abgesehen vom sicheren Tod am Ende des Lebens. Wann er mit spielen und marschieren darf, wann er nicht über, sondern ins Gefängnis geht. Unfrei kann man sich arg sicher fühlen, einerseits.

Unsicher

Nicht jedefrau und jedermann halten die Freiheit wirklich gut aus. Es kann so fürchterlich anstrengend sein, sich jeden Tag entscheiden zu müssen, was ziehe ich an, was für Musik höre ich, welches Thema interessiert mich wirklich, welche Partei wähle ich, welch Gefühl leiste ich mir - Liebe oder Wut oder Trotz? Nur wer schwindelfrei ist, kann freie Stadtluft atmen. Ist das nicht irre?

Vogelfrei

Der Vogelfreie wiederum mag sich rasend frei fühlen, allzu sicher sollte er sich nicht sein, dass man ihm nicht nachstellt, ihn aufspürt anhand seiner Social-Media-Spuren und dann einsperrt wie in Erdogans Türkei. Dabei wären wir alle frei genug, einem Gauland nicht zu folgen, wenn er sagt, "Höcke ist nicht radikal". Oder Trump einfach zu entfolgen, weil er immer weiter lügt. Aber halten wir es auch aus?

Jazz & Politik, Samstag, 2.11.2019, 17:05 Uhr, Bayern2

  • Geben Sie Gedankenfreiheit! Das Ende der Knechtschaft (Rainer Volk)
  • Aber sicher. Wie es kam, dass wir der Freiheit überdrüssig wurden (Jean-Marie Magro)
  • Adé, wilde große Freiheit - von grenzenloser Liebe und falscher Macht (Joana Ortmann)
  • Von der Freiheit alles zu sagen und der Möglichkeit auch mal zu schweigen (Niklas Schenk)
  • Die Freiheit des Einzelnen - die Freiheit des Menschen. Eine Ambivalenz (Linus Lüring)
  • Politik der freien Hand - ist nicht genug. Gerechte Freiheit von Philip Pettit (Sprecher: Axel Wostry)

Redaktion und Moderation: Lukas Hammerstein
Musikauswahl: Roland Spiegel


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