Bayern 2 - Jazz & Politik


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Sprechen nach der Diskriminierung Das Gewicht der Wörter

Jetzt mal im Ernst - was ist am Z-Schnitzel so falsch? Warum ist das N-Wort verboten? Ist "Oberlehrer" wirklich diskriminierend, und wenn ja warum (wegen "Ober"?). Wörter zeigen, wie wir fühlen, was wir denken. Sie (ver)leiten uns an.

Von: Lukas Hammerstein

Stand: 11.02.2021

Ein Kulturkampf tobt - um die Sprache, unser Sprechen. Diskriminierung fängt beim Reden an und hört beim Schreiben längst nicht auf. Am Anfang aber war das Wort - und steht unser Bemühen um eine gerechte Sprache. Wir wollen nicht mehr so drauf los formulieren.

Sprache

Wir reden, wie uns der Schnabel gewachsen ist. So essen wir Schnitzel und tunken alles in die fette alte weiße Machtsoße. Denn natürlich bilden sich gesellschaftliche Verhältnisse in unseren Worten und Sätzen ab. Verraten uns flapsige Bemerkungen. Erziehen wir uns selbst zu mehr Gerechtigkeit und Achtsamkeit - auch und gerade in der Sprache.

Sein

Am Anfang war das Wort. Logos. Von ihm geht vieles aus, auch die Frage, wie wir es mit Minderheiten halten, Marginalisierten, Machtlosen. Ob wir Mann und Frau wirklich gleichberechtigt sehen. Ob wir die eine oder andere Minderheit diskriminieren. Sprache als "Leitkultur" ist selten unschuldig - natürlich sind nicht die Wörter schuld, aber wir, die durch sie sprechen.  

Besser werden

Genügend Leute meinen, man dürfe bald gar nichts mehr, nicht mal mehr drauflos reden, mit dem Herzen am rechten Fleck. Es schlägt nun mal links und lebt von der Sprache, von ihren Wertungen, vom Spiel der Macht mit der Ohnmacht, dass wir nicht länger weghören und -lesen können. Es kommt auf jede und jeden von uns an.

Jazz & Politik, Samstag, 27.2.2021, 17:05 Uhr, Bayern2

  • Wir müssen bei den Wörtern anfangen! "Sprache und Sein" von Kübra Gümüsay (Sprecherin: Katja Schild)
  • Im Echoraum - das N-Wort, rassistische Speisezettel, alltägliche Diskriminierung (Jean-Marie Magro)
  • Zunehmende Verengung? Wissenschaftler rufen zum Canceln der Cancel Culture auf (Christian Schüle)
  • Die Sternchen vom Himmel holen. Wie man mit der Sprache anfängt und lange nicht aufhört (Joana Ortmann)

Redaktion und Moderation: Lukas Hammerstein
Musikauswahl: Roland Spiegel


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