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Das Verschwinden der Schmetterlinge Verlieren wir viele Falter für immer?

Wann haben Sie zuletzt einen Schmetterling gesehen? Und wenn Sie das Glück hatten - haben sie gedacht: Habe ich doch früher viel öfter gesehen? Das Gefühl trügt leider nicht. Viele unserer Schmetterlingsarten gehen dramatisch zurück.

Von: Iska Schreglmann

Stand: 10.09.2014

Falter reagieren besonders sensibel auf Veränderungen in der Umwelt. Wenn sie aus der Natur verschwinden, ist das ein Warnsignal für die Gesundheit des ganzen Ökosystems. Wissenschaftler der Europäischen Umweltagentur EUA haben festgestellt, dass acht von 17 Schmetterlingsarten deutlich zurückgegangen sind. Das Verschwinden der Schmetterlinge ist besonders besorgniserregend, weil ihnen - ebenso wie den Bienen - bei der Bestäubung von Blüten eine wichtige Rolle zukommt.

Falter in Not

Schmetterlinge führen ein komplexes Dasein. Damit eine Art Bestand hat, braucht sie in allen Stadien des Lebens günstige Bedingungen: einen geeigneten Platz für die Eiablage, ausreichend Futterpflanzen für die oft hochspezialisierten Raupen, Schutz für die Puppe - und je nach Art ganz spezielle Blütenpflanzen als Nahrungsquelle für den Falter. Hier einige Beispiele aus unserer heimischen Schmetterlingsfauna:

Gründe für den Rückgang

Im Frühjahr 2014 hat das Bundesamt für Naturschutz einen Bericht zur "Lage der Natur in Deutschland" vorgestellt: eine umfassende Analyse von Tierarten und Lebensräumen. Bemängelt wird darin, dass es für die Natur generell zu wenig Rückzugsräume gibt. Auch eine "Vermaisung" der Landschaft wird beklagt: Auf fast ein Fünftel der deutschen Agrarflächen stehen Energiepflanzen wie Mais oder Raps.

Viele Raupen benötigen ganz spezielle Futterpflanzen - so auch dieser Ligusterschwärmer.

Eintönige Agrarflächen statt artenreicher Blumenwiesen - wo sollen da Falter noch Blüten und ihre Raupen Futterpflanzen finden? Oft bleiben ihnen nur noch schmale Grünstreifen am Rand von Fahrbahnen oder Bahnstrecken als Lebensraum - nicht genug, um langfristig zu überleben.

Auch der Klimawandel trägt zum Verschwinden der Schmetterlinge bei. Im Bild: ein Baumweißling

Auch der Klimawandel spielt eine Rolle: Schmetterlinge reagieren auf Klimaveränderungen wesentlich sensibler als Wirbeltiere. Die steigenden Temperaturen lassen viele Falter immer höher in die Berge wandern. Auch die kälteliebenden Pflanzen verlagern ihren Lebensraum stetig nach oben - allerdings geschieht das wesentlich langsamer als bei den Schmetterlingen. Genau dieser Unterschied könnte für die Falter zum Problem werden.

Tagfalter-Monitoring

Um die Bestandsentwicklung zu beobachten, gibt es seit 2005 das Tagfalter-Monitoring - eine bundesweite Zählaktion, mit der Wissenschaftler herausfinden wollen, wie es in Deutschland um die Schmetterlinge bestellt ist. Dazu sind sie auf Freiwillige angewiesen, die regelmäßig nach Faltern Ausschau halten. Und so sind zwischen April und September in Deutschland Hunderte von Falter-Zählern in Wald und Wiese unterwegs. Mit der Zählaktion lässt sich abschätzen, ob Schmetterlinge allgemein weniger werden oder ob bestimmte Arten zurückgehen. Wichtig ist, dass das Monitoring permanent über die Jahre fortgeführt wird, denn nur so lässt sich ein Trend feststellen.

Alarmierende Zahlen

Das Ergebnis: Besonders dramatisch ist der Blick auf die Gesamtzahl der Wiesen-Schmetterlinge: Insgesamt sind sie in Europa in nur zwei Jahrzehnten auf fast die Hälfte geschrumpft! Die Daten zeigen deutlich, dass Tagfalter insgesamt seltener werden - für den Zustand der Umwelt ist das alarmierend.


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