Bayern 2 - Hörspiel


16

Eine Familiengeschichte "Wie grob der Filz ist, und wie warm" von Klaus Raab

"Ich habe einen Bruder, aber er lebt nicht mehr" sagt sie. "Wie grob der Filz ist, und wie warm" ist die Geschichte einer Suche nach dem, was von einem Menschen bleibt, der gestorben ist, bevor er sein Leben leben konnte. Die Geschichte einer Familie, in der ein Mensch fehlt.

Stand: 16.01.2020

Symbolbild zum Hörspiel „Wie grob der Filz ist und wie warm“ von Klaus Raab: Ein Junge klettert auf einen Baum | Bild: Unsplash/Annie Spratt

Natürlich konnte er das damals nicht wissen. Dass die Leerstelle, die Julias Bruder in ihrem Leben hinterlassen hatte, von nun an auch zu ihm gehören würde: Wie ein Pop-up-Fenster legt sich die Existenz des Mannes, der sein Schwager wäre, immer wieder über das Leben des Ich-Erzählers. Ihre Wege kreuzen sich im Nachhinein. Der tote Bruder seiner Frau begegnet ihm bei Partygesprächen, beim Abendessen mit den Schwiegereltern, im Kreißsaal. Irgendwann beginnt er sich zu fragen, wer dieser junge Mann gewesen ist, den er nie kennengelernt hat, der aber im Leben seiner Frau nach wie vor eine große Rolle spielt. Und er stellt fest, dass sein eigenes Leben anders verliefe, wäre der Schwager nicht viele Jahre zuvor gestorben.

"Wie grob der Filz ist, und wie warm" ist die Geschichte einer Suche nach dem, was von einem Menschen bleibt, der gestorben ist, bevor er sein Leben leben konnte. Eine Geschichte über die Grenzen des Erinnerns, über Sprachlosigkeit im Umgang mit der Trauer; aber auch über die Bedeutung besonderer Momente und über die Wärme, die ihnen eingeschrieben ist. Das Hörspiel erzählt auch einen Spin-off der deutschen Davis-Cup-Erfolge 1988/89 – mit dem Schwager im Zentrum, der im Teenageralter zu den besten deutschen Tennisspielern seiner Generation gehört hatte: Während seine ehemaligen Kollegen Spiel um Spiel gewinnen, kämpft er gegen seine Krankheit mit Methoden, die er auf dem Platz gelernt hat. Das Hörspiel beruht auf einer wahren Begebenheit.

„Wie grob der Filz ist und wie warm“ von Klaus Raab

Mit Florian Fischer, Kathrin von Steinburg, Aurel Manthei, Ilona Grandke , Tommi Piper Ann-Sophie Ruhbaum, Hanna Scheibe, Stefan Hunstein, Beate Himmelstoß, Florian Schwarz, Jennifer Güzel und Clemens Nicol // Komposition und Regie: Ron Schickler // BR 2020

Der Autor

Klaus Raab, geb. 1978 in Bamberg, freier Journalist und Autor. Veröffentlichungen u.a. in diversen Magazinen, Tages- und Wochenzeitungen, vornehmlich über gesellschaftliche Aspekte der Digitalisierung, Tourismusphänomene, das Fernsehprogramm und Entwicklungen der Medienlandschaft. Werke u.a. Rapping the Nation. Die Aneignung von HipHop in Tanzania (2006), Wir sind online – wo seid ihr? Von wegen dummgesurft. Die unterschätzte Generation (2011), Die ultimativen Fernsehfamilien der Achtziger (2015). Wie grob der Filz ist und wie warm ist sein Hörspieldebüt.


16