Bayern 2 - Hörspiel


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Die Verfolgung und Ermordung der europäischen Juden durch das nationalsozialistische Deutschland 1933 – 1945. Eine dokumentarische Höredition Teil 13: Slowakei, Rumänien und Bulgarien

Stand: 06.06.2019 | Archiv

Die Quellen sprechen. Eine dokumentarische Höredition: "Dok. 07-243: Bericht über die Verordnung betreffs Schwangerschaften im" (Der Ältestenratsvorsitzende des Gettos von Kaunas schildert am 7. August 1942, wie das Geburtenverbot durchgesetzt wurde) | Bild: Keller Maurer Design, München

Hier können Sie "Die Quellen sprechen" herunterladen oder im Stream hören:

"Kittys Lehrer machte mich schon im Oktober darauf aufmerksam, daß die jüdischen Kinder aus den Staatsschulen ausgeschlossen würden. Ich war schon fast entschlossen, daß wir uns alle taufen lassen, doch konnte ich es doch nicht fertigbringen."

Béla Weichherz

Die Slowakei und Rumänien wurden 1940 Verbündete der Achsenmächte Deutschland, Italien und Japan, 1941 trat Bulgarien dem Pakt bei. In allen drei Ländern herrschten autoritäre Regime, die mit der nationalsozialistischen Judenpolitik sympathisierten, bereits vor Kriegsausbruch selbst antisemitische Gesetze erließen und schließlich auch bei der Ermordung der Juden mit der deutschen Regierung kooperierten. Die Regierungen aller drei Länder waren bereit, die Minderheiten und insbesondere die Juden preiszugeben, um eigene politische und territoriale Interessen durchzusetzen: Die Slowakei und Bulgarien lieferten Juden an die Deutschen aus und ließen sie in die Vernichtungslager deportieren; die rumänische Führung verfolgte in den annektierten und besetzten Gebieten eine eigene Politik, der Hunderttausende Juden zum Opfer fielen.

Rumänien, Bulgarien und die Slowakei sahen sich vor die Frage gestellt, ob und inwieweit sie die eigene antijüdische Diskriminierung am deutschen Vorgehen ausrichten, die deutschen Maßnahmen unterstützen oder gar übernehmen wollten. Die Praxis und die Dynamik der Judenpolitik unterschieden sich in den drei Ländern erheblich. Die Regierungen nahmen Handlungsspielraume wahr und agierten mittels Hinhaltemanövern bisweilen auch gegen deutsche Forderungen, wenn sie darin Nachteile sahen. Deutsche Judenberater und Diplomaten drängten jedoch unablässig darauf, die antisemitischen Maßnahmen zu verschärfen, die jüdische Bevölkerung an Deutschland auszuliefern sowie Juden die Flucht in sichere Staaten wie die Türkei zu verwehren.

Teil 13 der Höredition zeichnet die Ausgrenzung, Verfolgung und Ermordung der Juden in der Slowakei, Rumänien und Bulgarien seit den späten 1930er Jahren bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs nach. Die Dokumente von Opfern, Tätern und Beobachtern belegen die diversen Manöver der Regierungen in Bratislava, Sofia und Bukarest, eine eigenständige Politik der Entrechtung der jüdischen Bevölkerung zu gestalten und zeigen gleichzeitig die jeweiligen Handlungsspielräume auf. In den drei hier dokumentierten Ländern fielen etwa 450.000 Juden der Vernichtungspolitik zum Opfer.

Die Quellen sprechen. Die Verfolgung und Ermordung der europäischen Juden durch das nationalsozialistische Deutschland 1933 – 1945. Eine dokumentarische Höredition

Teil 13: Slowakei, Rumänien und Bulgarien

Mit Wiebke Puls und Michael Rotschopf und den Zeitzeugen Rudolf Gelbard, Felix Lipski, Ruth Winkelmann, Sara Bialas, Lucia Heilman, Olaf Strassmann, Leon Henry Schwarzbaum und Ivan Ivanji

Bearbeitung: Mariana Hausleitner, Souzana Hazan und Barbara Hutzelmann
Manuskript: Kirsten Böttcher
Regie: Ulrich Lampen

BR Hörspiel und Medienkunst in Zusammenarbeit mit dem Institut für Zeitgeschichte/Edition ‚Judenverfolgung 1933–1945‘, 2019


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