Bayern 2 - Hörspiel


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Kann man Heimat bauen? „Heimsuchung“ - Hörspiel nach dem Roman von Jenny Erpenbeck

Ein Haus im Brandenburgischen: Über ein Jahrhundert hinweg, von der Kaiserzeit bis in die Nachwendezeit, verfolgt das zweiteilige Hörspiel, nach dem gleichnamigen Roman von Jenny Erpenbeck, die Lebenssituationen der wechselnden Bewohner, Nachbarn und Besucher.

Stand: 23.08.2019 | Archiv

Autorin Jenny Erpenbeck angelehnt an Säule | Bild: Katharina Behling

Ein Haus in Brandenburg im Lauf der Zeit

Kann man Heimat bauen? Ist sie tatsächlich festzulegen auf einen Flecken Erde und den Besitz eines Hauses? Oder ist Heimat die Kindheit in einem anderen Land, die mit Kriegsausbruch für immer verloren ging? Kann Heimat ein Land sein, aus dem man vertrieben wurde? Von der "Heimsuchung“ erzählt das zweiteilige Hörspiel nach dem gleichnamigen Roman von Jenny Erpenbeck.

Über ein Jahrhundert hinweg, von der Kaiserzeit bis in die Nachwendezeit, verfolgt es die Lebenssituationen der wechselnden Bewohner, Nachbarn und Besucher eines Hauses im Brandenburgischen. Die Geschichte Deutschlands bzw. Europas spiegelt sich an dieser Heimstatt. Den Anfangspunkt dieses historischen Reigens bildet ein Großbauer, der sein Waldgrundstück an einem märkischen See verkauft: unter anderem einem Architekten und einem jüdischen Tuchmacher. Der Grund, der stets für die landwirtschaftliche Nutzung und als Mitgift vorgesehen war, wird zu einer Erholungsoase für Berliner Sommerfrischler. Mit großer Liebe zum Detail errichtet der Architekt in den 1920er Jahren für sich und seine Frau ein Sommerhaus. Von den politischen Veränderungen der Nazizeit profitiert er. Dem jungen jüdischen Nachbarn, der seine Familie zurücklässt und emigriert, kauft er sein Erbgrundstück für die Hälfte des Verkehrswertes ab. 1945 wird das Haus von der roten Armee besetzt. Nachdem die Besitzer, ein Architektenpaar, in den Westen fliehen, pachtet eine Schriftstellerin das Grundstück am See, eine überzeugte Sozialistin. Doch die Realpolitik der DDR treibt sie in die innere Immigration. In der Nachwendezeit fordern die Erben des Architektenehepaars das Grundstück zurück und zwingen die Enkelin der Schriftstellerin zur Räumung des mittlerweile baufälligen Hauses. Dem Gebäude droht der Abriss.

Jenny Erpenbeck stellt den historischen und politischen Umwälzungen die Figur eines Gärtners gegenüber. Jahr um Jahr gießt er im Sommer die Blumen, harkt im Herbst das Laub, spaltet Holz für den Winter, beschneidet Obstbäume und mäht im Frühjahr das junge Gras. 

Jenny Erpenbeck, geboren 1967 in Ost-Berlin, Schriftstellerin, Regisseurin. Veröffentlichungen u.a. "Tand" (2001), "Heimsuchung" (2008), "Gehen, ging, gegangen" (2015). Auszeichnungen u.a. Joseph-Breitbach-Preis (2013), Hans-Fallada-Preis (2014), Thomas-Mann-Preis (2016), Bundesverdienstkreuz am Bande (2017). Weitere Hörspieladaptionen "Geschichte vom alten Kind" (SRF 2000), "Katzen haben sieben Leben" (Deutschlandradio 2003).


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