Bayern 2 - Gesundheitsgespräch

Hintergrund Zahnerhaltung

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Zahnfüllungen Gold, Keramik und Co. – Was glänzt im Zahn?

Ein Loch im Zahn tut weh – auch dem Geldbeutel. Denn die gesetzlichen Krankenkassen zahlen im Seitenzahnbereich meist nur einen Pauschalbetrag, der die billigste Versorgung – also Amalgam – abdeckt. Um eine kosmetisch unauffälligere und trotzdem dauerhafte Lösung zu bekommen, müssen Patienten aus eigener Tasche draufzahlen. Aber lohnt sich das? Und wie dauerhaft sind Komposit, Kunststoff, Gold und Keramik tatsächlich?

Von: Isabel Hertweck-Stücken

Stand: 02.07.2016

Füllungen für den Zahn - welche ist gut? | Bild: picture-alliance/dpa

Die meisten Patienten vertrauen darauf, dass sie, wenn der Zahnarzt ihnen eine Füllung gelegt hat, zwar eine unangenehme halbe Stunde erlebt haben, sie aber dann für lange Zeit Ruhe haben.

"Zahnreport" bringt schlechte Nachrichten

Doch hier kommt eine schlechte Nachricht: Die Krankenkasse Barmer GEK hat in ihrem Zahnreport aus dem Jahr 2015 Millionen von Patientendaten ausgewertet und herausgefunden, dass jeder dritte Zahn, der beim Zahnarzt mit einer Füllung versehen wird, innerhalb von vier Jahren schon wieder behandelt werden muss.

"Und das hat uns insoweit überrascht, weil es ja im Moment ganz hochmoderne, hochentwickelte Füllungstherapien gibt, und auch die gesamte Gerätschaft letztendlich Hightech wiederspiegelt."

Gerhard Potuschek/ Barmer GEK Bayern

Unklar ist, warum Füllungen wieder behandelt werden müssen

Unklar ist, warum Zähne mit Füllung, bei jedem Dritten nach vier Jahren wieder behandelt werden müssen.

Allerdings: Aus den Daten lässt sich nicht erkennen, warum genau der betroffene Zahn wieder behandelt werden musste. Hat sich eine "Sekundärkaries" am Füllungsrand gebildet? Ist die Füllung gebrochen oder ist ein Stück vom Zahn abgesplittert? Oder wurde der Zahn an einer ganz anderen Stelle kariös, ohne dass es etwas mit der vorher vorgenommenen Behandlung zu tun hatte? Die Daten sind also nicht eindeutig – die Barmer GEK sieht weiteren Forschungsbedarf.

Zahnfüllung – gut geputzt hält länger

Warum gehen Füllungen überhaupt kaputt? Und was unterscheidet eine gute, dauerhafte Füllung von einer schlechten? Prof. Dr. med. dent. Anselm Petschelt, Chef der Zahnklinik 1 am Uniklinikum Erlangen, nennt zwei Faktoren, die für die Langlebigkeit einer Füllung entscheidend sind.

"Das ist die entsprechend ordnungsgemäße Arbeit des Zahnarztes und der richtige Einsatz des Materials und natürlich andererseits die Mitarbeit des Patienten, weil: was nützt uns die schönste Füllung, wenn der Zahn außen herum kariös wird."

Prof. Dr. med. dent.  Anselm Petschelt

Das ist eigentlich eine gute Nachricht: Durch gutes Putzen halten Füllungen länger. Es verhindert beispielsweise, dass Kariesbakterien sich an winzig kleinen Rändern einnisten.

Welches Material ist nun am haltbarsten?

Die meisten Patienten entscheiden sich für eine Kunststofffüllung. Aber wäre Amalgam vielleicht das dauerhaftere Material?

Trend im Mund – Komposit

Kompositfüllungen werden zu Unrecht häufig als Kunststofffüllungen bezeichnet. Tatsächlich handelt es sich um ein Material, das ständig weiterentwickelt wird:

"Man muss wissen, es ist ein Material, bei dem der Kunststoffanteil ungefähr 20-30 Prozent beträgt, der restliche Anteil sind Füllkörper, die in diese Matrix eingebettet sind, und dadurch kommt dann die Stabilität des Füllungsmaterials zustande. Reiner Kunststoff wäre z. B. Plexiglas. Das war natürlich vor 40, 50  Jahren in der Zahnmedizin auch der Fall, dass man mit solchen Materialien gearbeitet hat, aber da kommt natürlich auch der negative Touch dieser Materialien her, weil die nicht mundhöhlenbeständig waren auf Dauer."

Prof. Dr. med. dent. Anselm Petschelt

Diese Füllungen galten bisher als günstig – aber eben nicht so langlebig wie zum Beispiel die teuren Goldfüllungen.

Komposit ist dem Gold auf den Fersen

"Wenn wir ältere Literatur anschauen, dann war es eindeutig so, dass Gold das langlebigste Füllungsmaterial ist. Aber wie gesagt, es sind ältere Untersuchungen, aber wenn wir den Vergleich zwischen den älteren und den neueren Untersuchungen nehmen, dann kommen die Komposite immer näher an diese langlebigen Goldfüllungen heran."

Prof. Dr. med. dent. Anselm Petschelt

Komposit wird ständig weiterentwickelt.

Komposit liegt im Trend: Es ist günstiger als Keramik oder Gold und – im Unterschied zu Amalgam – zahnfarben. Amalgam wurde übrigens an der Uni Erlangen fast komplett aus dem Lehrplan der angehenden Zahnärzte gestrichen, zu gering ist die Nachfrage bei den Patienten.

Komposit schont die Zahnsubstanz

Wenn mit Komposit gearbeitet wird, muss nur wenig vom gesunden Zahn weggebort werden.

Eine weiterer Vorteil von Kompositen ist, dass sie minimalinvasiv verarbeitet werden können. Das heißt, dass der Zahnarzt im Vergleich zu Gold- oder Keramikinlays weniger vom gesunden Zahn wegbohren muss. Das passt in die aktuelle Philosophie der Zahnmedizin:

"Auch eine noch so gut gelegte Füllung hat nicht das ewige Leben. Das heißt: ob sie jetzt in 8 oder in 10 Jahren, oder in 20 Jahren ausgetauscht wird, die neue Füllung ist größer. Und das kann man natürlich nicht x-beliebig weitermachen, weil irgendwann nichts mehr da ist. Das heißt, die Philosophie ist, dass wir Zahnhartsubstanzschonen, und somit auch den eigenen Zahn für das höhere Lebensalter retten."

Prof. Dr. med. dent. Anselm Petschelt

Substanz schonen und abwarten, so lautet die Devise. Doch bei manchen Patienten muss eine Kunststoff-Füllung deshalb ausgetauscht werden, weil sich entweder eine Sekundärkaries gebildet hat, der umgebende Zahn geschädigt wurde oder weil das Material schadhaft wurde.

Nachteile von Komposit

Komposit ist zahnfarben - das hat auch den Nachteil, dass der Zahnarzt kaum einen Unterschied zum echten Zahn sehen kann.

Kompositfüllungen gelten als "techniksensitiv". Das bedeutet – sehr einfach übersetzt – dass alles wunderbar funktioniert, wenn der Zahnarzt die Technik richtig einsetzt, dass es aber auch einige Fehlerquellen gibt. Amalgam war einfacher. Und der Austausch einer Kompositfüllung ist nicht einfach, denn der Zahnarzt kann nicht genau zwischen zahnfarbener Füllung und Zahnsubstanz unterschieden.

Flicken ist modern

"Beim normalen Füllungstausch ist immer die Gefahr relativ groß, dass man auch gesunde Zahnsubstanz entfernt, wenn man die komplette Füllung entfernen will,  in diesem Fall versuchen wir wirklich nur den Teil der Probleme macht, (..)auszutauschen und zu reparieren."

Dr. med. dent. Andreas Koch

Das ist eine gute Nachricht für den Patienten: Eine Füllung zu reparieren statt sie komplett auszutauschen, ist kein Flickwerk, sondern entspricht dem modernsten Stand der Zahnmedizin.

"Das funktioniert seit ein paar Jahren immer besser, weil sich einfach in der Entwicklung, in der Werkstoffkunde sehr viel getan hat, und die Kleber, die wir verwenden,  einfach von der Haftkraft am Zahn und an der Füllung so gut geworden sind, dass man das machen kann."

Dr. med. dent. Andreas Koch

Nichts ist besser als der eigene Zahn

Es gibt also derzeit schlechte aber auch viele gute Nachrichten zum Thema Zahnfüllungen. Aber denken Sie daran: Auch mit dem besten Material lässt sich nichts herstellen, was so gut und dauerhaft ist wie die eigenen Zähne.


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