Bayern 2 - Gesundheitsgespräch


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Blutbestandteile Die Vielfalt der Blutzellen

Das Blut besteht etwa zur Hälfte aus Zellen. Alle diese Blutzellen werden im Knochenmark gebildet, egal ob rote oder weiße Blutkörperchen, Blutplättchen oder Immunzellen. Und alle gehen auf Stammzellen zurück.

Stand: 02.01.2017

Blut | Bild: picture-alliance/dpa

Stark vereinfacht kann man die geteilten Stammzellen – also die Vorläuferzellen – zwei Zellreihen zuteilen: der sogenannten myeloischen und der lymphatischen Reihe. Durch weitere Zellteilungen entstehen über mehrere Zwischenstufen schließlich die verschiedenen Blutzellen, die dann aus dem Knochenmark in die Blutbahn des Körpers entlassen werden.

Rote Blutkörperchen

Die roten Blutzellen, auch Erythrozyten genannt, machen mit über 99 Prozent den weitaus größten Zellanteil in unserem Blutkreislauf aus. Sie gehören zu den myeloischen Zellen und haben im Körper eine Lebensdauer von etwa 120 Tagen. Ihre Aufgabe besteht hauptsächlich darin, den eingeatmeten Sauerstoff von der Lunge im Körper zu verteilen, und den durch die Gewebeatmung entstandenen Kohlenstoff wieder zum Ausatmen zurück zu transportieren.

Weiße Blutkörperchen

Im Knochenmark werden auch die weißen Blutkörperchen gebildet. Sie teilen sich auf in verschiedene Zellreihen und Zelltypen. Zu den myeloischen Zellen der weißen Blutkörperchen gehören beispielsweise die Fresszellen, unter anderem die recht kurzlebigen Granulozyten, oder auch die sogenannten Monozyten und Makrophagen. Die Granulozyten unter den Fresszellen haben zum Beispiel eine wesentlich kürzere Lebensdauer von nur etwa sechs Stunden. Sie müssen also etwa tausendfach häufiger nachgebildet werden als die roten Blutkörperchen. Eine andere Art der weißen Blutkörperchen entsteht aus der lymphatischen Reihe: die Lymphozyten.

Spezialfall Lymphozyten

Die Lymphozyten sind diejenigen Zellen, die zwar zunächst im Knochenmark aus den Stammzellen entstehen, dann aber meistens in peripheren lymphatischen Organen weiter heranwachsen, zum Beispiel in den Lymphknoten oder in bestimmten Gebieten des Darms. Lymphozyten bilden die Grundlage für die spezifische Immunabwehr, das heißt, sie können ein bestimmtes Bakterium oder ein bestimmtes Virus auf Dauer eliminieren und haben ein eigenes Immungedächtnis, mit dem sie sich an einen bekannten Erreger erinnern können. Die beiden bekanntesten Typen sind die sogenannten B-Lymphozyten und T-Lymphozyten.

"Von B- und T-Lymphozyten findet man sehr unreife Stufen im Knochenmark. Die weitere Ausreifung findet vor allem in den sogenannten peripheren lymphatischen Organen statt. Dort begegnen sie auch den sogenannten Antigenen, also zum Beispiel der Oberflächenstruktur eines Eindringlings in den Körper, eines Bakteriums oder Virus, gegen die dann eine Immunantwort gebildet wird – zum Beispiel beim Masern-Virus."

Prof. Reinhard Henschler, ehem. Leiter der Abteilung Transfusionsmedizin des Klinikums der LMU

Blutplättchen

Die Blutplättchen sind sehr kleine, kernlose Zellen, die dauerhaft im Blut zirkulieren. Sie bilden die Grundlage dafür, dass beispielsweise bei Gefäßschädigungen, also Verwundungen, sofort Gerinnsel gebildet werden. Der Gefäßschaden an der Gefäßwand mobilisiert zunächst einige lösliche Faktoren, und die locken dann die Blutplättchen an. Diese bilden dann vor Ort einen sogenannten Thrombus (Blutplättchen heißen auch Thrombozyten), ein Aggregat aus Blutplättchen, das den Gefäßschaden zuverlässig und dauerhaft verschließt.

Blutplasma

Das Blutplasma ist die andere Hälfte des Blutes, die nicht aus Zellen besteht. Es enthält eine Reihe löslicher Eiweiße, die im menschlichen Organismus sehr verschiedene Aufgaben erfüllen – zum Beispiel transportieren sie Eiweiße oder Gewebswasser. Die Plasmafaktoren entstehen überwiegend in der Leber, zu kleineren Teilen auch in den Gefäßwandzellen oder anderen Teilen des Körpers, sodass man bei Leberausfall große medizinische Probleme bekommt, Plasmafaktoren zu ersetzen.


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