Bayern 2 - Gesundheitsgespräch


9

Böse Reisebegleiter Parasiten, Flug- und Krabbeltiere

Moskitos, Wanzen und Würmer sind nicht nur lästige Mitreisende, sie können auch gefährliche Krankheiten übertragen. Wer sich richtig schützt, hält sich ungesunde Urlaubserinnerungen vom Leibe.

Von: Johannes von Creytz

Stand: 10.07.2018

Reisegesundheit
| Bild: picture-alliance/dpa

Der wirkungsvollste Schutz gegen Insekten sind Moskitonetze. Diese schützen nicht nur in den Tropen vor Denguefieber, Zika und Malaria, sondern sorgen auch in Europa für einen ruhigen, erholsamen Schlaf. Das Netz muss ausreichend groß sein, die Maschengröße sollte für tropischen Einsatz nicht zu weit sein und das Netz sollte imprägniert sein. Ein gängiges Mittel, um Moskitonetze, aber auch Kleidung, gegen Insekten zu imprägnieren, ist das Kontaktgift Permethrin. So werden nicht nur Krankheitsüberträger ferngehalten, sondern auch andere Insekten, die die Nachtruhe unmöglich machen können. Tagsüber sollte das Netz über dem Bett zusammengeknotet werden, damit keine Insekten hineinfliegen oder krabbeln können. Bevor es vor dem Schlafen über das Bett gespannt wird, Bettzeug gut ausschütteln und anschließend das Netz rundherum unter die Matratze oder Isomatte stecken. Beim Kauf sollten sie sich am besten bei einem Camping- oder Trecking-Fachgeschäft beraten lassen.

Stehende Gewässer in den Tropen meiden

Individualreisende sollten sie sich vor der Abreise über mögliche Krankheitserreger in den Gewässern ihres Reiselandes informieren. Besonders in afrikanischen Süßwasserseen und Flüssen ist die Gefahr von Bilharziose und anderen Wurmerkrankungen sehr hoch. Badende Einheimische sind kein Zeichen für Gefahrlosigkeit. So sind z.B. in einigen Regionen am Viktoriasee rund 95 Prozent der Kinder von der Bilharziose befallen.

Mückenschutzmittel – Prävention gegen Plagegeister und ihre Krankheiten

Mücken können den schönsten Urlaub verderben. Kein Wunder also, dass der Markt an Lotionen zum Einreiben gegen Insekten groß ist. Aber nicht alles, was angepriesen wird, wirkt auch. Und nicht alles, was wirkt, ist verträglich.

Gängige Wirkstoffe

Marken wie Autan, Antibrumm oder Nobite, um nur einige zu nennen, verwenden in verschiedenen Produktlinien meistens dieselben Wirkstoffe. Die gängigsten sind DEET, Icaridin, Citridiol, EBAAP, PMB oder Permethrin. Weil die Verträglichkeit der Stoffe unterschiedlich ist, lohnt ein Blick auf die Verpackung. Auch auf das Gebiet bezogen, in dem man sich vor Mückenstichen, Bremsen, Wespen und anderen Plagegeistern schützen will, kann es Unterschiede geben. Mittel in Form eines Pumpsprays, lassen sich gleichmäßiger auf Textilien Haaren, oder Kopfhaut verteilen.

DEET: am längsten bewährt

Als Nervengift stört es den Informationsfluss zwischen Geruchsrezeptoren und Gehirn von Stechmückenweibchen. Verlockende Aromen der menschlichen Haut können so von den Blutsaugern nicht zu einem Beuteschema kombiniert werden. Das bedeutet, die Mücke fliegt einfach vorbei. Oder, wenn sie sich doch hinsetzt, vergisst sie, was sie gerade eben noch wollte.

Wie wirkt DEET auf Menschen?

In hoher Dosis kann es bei empfindlichen Menschen zu einem Kribbeln oder Taubheitsgefühl auf der Haut kommen. Mit einem Wirkstoffgehalt in handelsüblichen Mitteln von 15 bis 30 Prozent sind allerdings kaum Nebenwirkungen zu erwarten. Trotzdem raten Hersteller Schwangeren oder Müttern in der Stillzeit vom Gebrauch von Mitteln, die DEET enthalten, ab. Bei Kindern wird DEET erst ab dem Alter von drei Jahren empfohlen. Zu beachten ist auch, dass DEET-haltige Mittel Verfärbungen an Kleidung mit Kunstfasern und Schmuck hinterlassen kann. Außerdem verringert es die Wirkung von Sonnenschutzcremes um bis zu ein Drittel. DEET sollte darüber hinaus nicht in Kontakt mit Augen oder Schleimhäuten kommen und wie alle Mittel nicht auf verletzte Hautstellen aufgetragen werden.

Von der WHO in tropischen Ländern empfohlen:

Zu empfehlen sind DEET-haltige Mittel deshalb vor allem in Ländern mit Tropenkrankheiten wie Malaria oder Denguefieber. In diesen Ländern sollte der DEET-Gehalt über 40 Prozent betragen. Produkte mit einem Gehalt unter 20 Prozent DEET schützen etwa eine bis drei Stunden. Für Kinder sind Mittel mit dem Wirkstoff Icaridin zu empfehlen.

Icaridin: gilt als verträglicher

Seit 1998 auf dem Markt und damit ein wesentlich neuerer Wirkstoff, um Stechmücken vom Stechen abzuhalten, ist Icaridin, auch Bayrepel genannt. Der Geruch soll bei Insekten einen Fluchtinstinkt auslösen. Es wirkt gegen ähnlich viele Insektenarten wie DEET und wird ebenfalls von der WHO als Malariaprofilaxe in den Tropen empfohlen. Weil es über die Haut schlechter in den Blutkreislauf aufgenommen wird als DEET, gilt Icaridin als das gesundheitsverträglichere Mittel. Bei Kindern kann Icaridin deshalb schon ab dem Alter von zwei Jahren angewendet werden. Die Wirkungsdauer von Icaridin wird wie bei DEET, je nach Wirkstoffgehalt, mit bis zu acht Stunden angegeben. Schweiß oder Wasser machen aber natürlich ein häufigeres Einreiben nötig. Ein höherer Anteil des Wirkstoffs in Sprays oder Lotionen verstärkt nicht deren Wirkung, sondern verlängert lediglich die Schutzzeit.

EBAAP: sehr hautverträglich, aber nur eingeschränkt tropentauglich

Der Wirkstoff EBAAP verdirbt Mücken, Fliegen, Bremsen sowie Zecken den Appetit und gilt als am hautverträglichsten unter den chemischen Mückenschutzmitteln. Für tropische Gebiete empfehlen sich Mittel, die auf EBAAP basieren jedoch nicht, da die Wirkdauer nur einem Viertel von Icaridin oder DEET entspricht.

Pflanzlich bedeutet nicht automatisch verträglicher

Wem chemische Mittel auf der Haut generell suspekt sind, dem stehen eine Reihe von Produkten zur Verfügung, die auf pflanzlichen Wirkstoffen basieren. Die meisten der Produkte enthalten ätherische Öle, wie zum Beispiel Teebaum- oder Citronella-Öl. Ätherische Öle wirken stark reizend auf Haut, Augen und Schleimhäute. Deshalb empfiehlt sich, die Produkte erst an einer kleinen Hautstelle zu testen, bevor man sie großflächiger anwendet. Für Kinder werden die Mittel generell nicht empfohlen.

PMD: hält auch Wespen und Bienen fern

Einer dieser natürlichen Wirkstoffe ist PMD, auch Citriodiol genannt: Der Stoff aus den Blättern des Zitronen-Eukalyptusbaumes kann mittlerweile auch synthetisch hergestellt werden und wirkt nicht nur gegen Mücken, Zecken und Flöhe. Der nach Citrus riechende Stoff soll auch Wespen und Bienen fern halten.

Fettsäuren: auch für Babys geeignet, Wirkung aber umstritten.

Umstritten sind Mückenschutzmittel, die auf gesättigten Fettsäuren basieren. Kokosöl mit der darin enthaltenen Laurinsäure ist zwar am verträglichsten und damit als fast einziger Wirkstoff auch für Babys geeignet. Die Wirkung gegen Zecken, Sandflöhe und Mücken wird in einschlägigen Foren aber nicht so bestätigt, wie von Herstellern angegeben. Deshalb gilt: Erst mal testen, bevor man sich darauf verlässt.

Sonnenschutz und Insektenschutz

In Verbindung mit Sonnencremes sollte man bei allen Insektenschutzmitteln zum Einreiben beachten, dass erst der Sonnenschutz aufgetragen wird und erst ca. 20 Minuten später der Mückenschutz. Der Sonnenschutzfilm auf der Haut überdeckt sonst den Geruch des Mückenschutzmittels.

Kontaktgift Permethrin: zusätzlicher Schutz auf Kleidung und Moskitonetz

Permethrin lähmt und tötet Insekten bei Berührung. Auf die Kleidung aufgetragen oder ins Waschmittel gegeben, gelangt Permethrin kaum in die Haut und ist daher - maßvoll angewendet - nebenwirkungsfrei für Menschen. Es ist geruchlos und schützt sehr gut vor fast allen Insektenarten. Das beweisen umfangreiche Mückenfriedhöfe vor behandelten Vorhängen oder Moskitobettnetzen eindrucksvoll. Die Schutzwirkung hält über mehrere Wochen hinweg an.
Großer Vorteil: Mit Permethrin behandelte Netze sind für die Plagegeister auch nicht durch eventuelle Löcher oder zu große Maschen im Netz überwindbar. Damit ist es die einzig wirklich bewährte Waffe gegen die winzig kleinen Sandfliegen mit ihren sehr schmerzhaften Stichen.

Schlechtes Abschneiden von technischen Mitteln

Wem das alles nicht ausreicht, dem bleiben noch technische Mittel, wie UV-Lichtfallen, Ultraschall-Geräte oder Mückenarmbänder. Die Stiftung Warentest stellte diesen alternativen Mitteln jedoch 2014 das verheerende Zeugnis „wirkungslos“ aus. In der Zusammenfassung der Untersuchung von mehreren Produkten, die Ungeziefer abhalten sollten, heißt es unter anderem zu Armbändern, die den Geruch ätherischer Öle verströmen:

"Sekunden­schnell stechen die Insekten zu, selbst in unmittel­barer Nähe der Armbänder. Als nettes Sport­mode-Accessoire mögen einige Bänder über­zeugen, als Schutz­schild gegen Mücken definitiv nicht."

Stiftung Warentest

Am sichersten: Mehrfachschutz

Wirklich sicherer Mückenschutz ist eine Mischung aus Mitteln zum Einreiben, richtiger Kleidung und Netzen. In Gebieten mit Malaria, Dengue- Fieber oder Ähnlichem, sollten auf jeden Fall mehrere dieser Mittel angewendet werden. Die Folgen von Tropenkrankheiten sind sicherlich schwerwiegender, als das Risiko von Nebenwirkungen auf temporär eingesetzte Mückenschutzmittel. Wer unsicher wegen der Hautverträglichkeit ist, sollte verschiedene Produkte zunächst am heimischen Baggersee der Reihe nach austesten.


9